Neugeborene: Was ist der Nestschutz?

Antikörper der Mutter sorgen für Nestschutz beim Neugeborenen

Gerade auf der Welt angekommen, muss ein Neugeborenes plötzlich selbst atmen, trinken – und mit den Einflüssen der Umgebung fertig werden. Da das Immunsystem eines Neugeborenen bisher nicht in Kontakt mit der Umwelt gekommen ist, hatte es auch noch keine Möglichkeit zu reagieren und eigene Antikörper zu bilden. Aber ganz so schutzlos, wie es scheint, sind die Winzlinge nicht. Denn der sogenannte Nestschutz, den Neugeborene von ihrer Mutter erhalten, schützt Babys in den ersten Lebensmonaten vor vielen Krankheitserregern. Je stärker das Immunsystem der Mutter, also je mehr Antikörper sie hat, desto umfangreicher ist der Schutz für den Neuankömmling. Das hat sich die Natur gut ausgedacht!

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Die Sache mit dem Nestschutz hat die Evolution clever eingerichtet. Antikörper der Mutter schützen das Neugeborene in den ersten Wochen und Monaten vor schweren Infektionen – solange bis die eigene Immunabwehr ihre Arbeit aufnimmt und die ersten „Trianingseinheiten“ absolviert hat.

 

So funktioniert der Nestschutz bei Neugeborenen

Damit Babys sich in der ersten Zeit nach der Geburt nicht mit Krankheiten infizieren, hat die Natur den Nestschutz eingerichtet. Das noch junge Immunsystem, das noch keine eigenen Abwehrkräfte bilden konnte, hat von der Mutter wichtige Antikörper mitbekommen. Je mehr verschiedene Antikörper die Mutter besitzt, desto mehr kann sie auch an den Nachwuchs weitergeben und desto besser ist das Baby geschützt. Etwa von der 12. Schwangerschaftswoche an bis ganz zum Schluss gehen Immunglobuline, sogenannte IgG-Antikörper, über die Plazenta von der Mutter auf das Kind über. Entsprechend haben Frühchen sehr viel weniger Zeit, Antikörper aufzunehmen und ihr Nestschutz ist deutlich schwächer ausgebildet als jener von reifen Neugeborenen. Nach zwei bis vier Monaten fängt der Organismus des Baby an, die fremden Antikörper abzubauen und ein eigenes Immunsystem aufzubauen. Das ist die Zeit der Taschentücher, Fieberzäpfchen und durchwachten Nächte …

 

Bei welchen Krankheiten besteht Nestschutz?

Der Nestschutz bei Neugeborenen bietet sowohl gegen virale als auch gegen bakterielle Infektionen einen gewissen – keinen hundertprozentigen! – Schutz. Zu den Viruserkrankungen, vor denen Neugeborene weitgehend gefeit sind, gehören Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Kinderlähmung oder Röteln. Bei diesen Viruserkrankungen ist der Nestschutz stärker ausgeprägt, wenn die Mutter die Krankheit selbst durchgemacht hat bzw. dagegen geimpft und somit immun ist. Bei den durch Bakterien ausgelösten Krankheiten Diphterie und Tetanus dagegen wirkt ebenfalls die nicht selbst durchgemachte Krankheit, sondern die Impfung der Mutter als Nestschutz für das Kind. Daher sollten Frauen mit Kinderwunsch ihren eigenen Impfstatus vor der Schwangerschaft überprüfen lassen und ihn  gegebenenfalls auffrischen.

Der Nestschutz bei Neugeborenen schließt übrigens eine Impfung des Babys nicht aus. In manchen Fällen, wie beispielsweise bei Haemophilus influenzae Typ b (Hib), verstärken sich Nestschutz und Impfung sogar gegenseitig. Gegen Keuchhusten besteht kaum Nestschutz. Es werden zwar Antikörper von der Mutter übertragenen, jedoch beim Baby sehr schnell abgebaut.

 

Stillen als Ergänzung

Der Nestschutz von Neugeborenen kann durch das Stillen unterstützt und für manche Krankheiten verlängert werden. Insbesondere das Kolostrum, die in den ersten Tagen nach der Geburt gebildete Vormilch, enthält wichtige Enzyme und Antikörper in hoher Konzentration. Bestimmte, überwiegend beim Stillen übertragene IgA-Antikörper senken außerdem bei dem Baby das Risiko für Magen-Darm-Infekte. Darüber hinaus hat das Stillen erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Darmflora des Säuglings, was sich wiederum positiv auf das Immunsystem auswirkt.

 

Das kleine Immunsystem nimmt selbst die Arbeit auf

Durch Kontakt zu Familienmitgliedern und Freunden sowie durch das eigene Erkunden seiner Umwelt, kommt das Baby in Kontakt mit Keimen aller Art. Dies ist notwendig und wichtig, damit das Immunsystem anfängt, eigene Antikörper zu bilden. Übertriebene Hygiene ist da nicht nur nicht nötig, sondern sogar kontraproduktiv. Desinfektionsmittel sollten daher nur sparsam eingesetzt werden. Leider geht die Ausbildung des Immunsystems von Kleinkindern nach dem Nestschutz nicht ohne Infekte ab. Schnupfen, Husten, Mittelohrentzündung, Bindehautentzündung – um diese Dinge kommt niemand herum. Vor allem in den Monaten um den ersten Geburtstag und im ersten Krippen- oder Kindergartenwinter fangen sich die Kleinen so manchen Infekt ein. Das lässt sich leider nicht ändern, aber trösten Sie sich: Langfristig stärkt Ihr Kleines so sein eigenes Immunsystem!

 

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