Naschgarten

Schleckermäuler willkommen

Erinnern Sie sich noch an Omas Garten? Da durfte man hier mal eine süße Erdbeere direkt von der Pflanze ernten und in den Mund schieben, dort lockten die reifen Himbeeren und für die knackigen Radieschen gab’s auch immer einen Platz. Wer hat sich als Kind nicht gerne durch den Garten gekostet? Und wie oft passierte es, dass am Ende nicht genügend Früchte für die Erdbeertorte übrigblieb oder keine Himbeermarmelade mehr gekocht werden konnte, weil schlicht die Beeren am Strauch fehlten.

Lassen Sie diese Zeiten einfach wieder mit Ihrem Naschgarten aufleben! Denn wo steht geschrieben, dass Naschen nur etwas für Kinder ist?! Im Naschgarten sind große und kleine Schleckermäuler jedenfalls herzlich willkommen.

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Im Naschgarten gibt es immer etwas zu ernten – für Groß und Klein. Leckere Erdbeeren und Himbeeren werden direkt vom Strauch in den Mund „befördert“. Knackige Radieschen und grüner Blattsalat lassen sich in der Küche zu einer frischen und gesunden Beilage verarbeiten. Selbst „Gemüsemuffel“ lernen so, auf den Geschmack zu kommen. Wer kann bei einer selbstgeernteten Möhre, Tomate oder Gurke schon Nein sagen?

 

Naschgarten anlegen

Für einen Naschgarten braucht man gar nicht so viel Platz wie Sie vielleicht denken. Eigentlich reicht die Größe eines Balkons aus. Sie können daher auch Ihren Balkon zum Naschbalkon umgestalten. Egal ob Naschgarten oder Naschbalkon: Unverzichtbar ist eine gute Planung und Vorbereitung. Schließlich will man ja nicht nur ein paar Wochen im Jahr etwas zum Ernten haben.

Achten Sie beim Anlegen des Naschgartens auf den Standort. Da möglichst viel Obst und Gemüse gedeihen soll, wäre ein schattiges Plätzchen unter großen Bäumen eher ungeeignet. Der Bereich sollte schon von morgens bis abends Sonne abbekommen. Der Boden muss nährstoffreich sein, deswegen sollten Sie ihn auf jeden Fall mit Kompost anreichern. Er muss außerdem locker sein. Schwere Böden sind notfalls umzugraben und mit Sand aufzulockern. Die optimale Versorgung mit Wasser ist ebenfalls zu gewährleisten. Im Idealfall gönnen Sie sich eine automatische Bewässerung. Ressourcenschonend ist hierbei eine Tröpfchenbewässerung. Staunässe aufgrund von zu feuchter und zu fester Erde mögen die meisten Obst- und Gemüsepflanzen nicht und reagieren mit Wurzelfäule. Das würde die Ernte enorm schmälern.

 

Beete planen im Naschgarten

Im Idealfall legen Sie in Ihrem Naschgarten mehrere Beete an. Es sollten jedoch mindestens vier Beete sein: eines fürs Obst, eines fürs Gemüse, eines für Kräuter und eines für Blumen.

 

Kräuterbeet für den Naschgarten

Auf das Kräuterbeet für den Naschgarten gehört auf jeden Fall alles, was man als Zutaten für eine leckere Kräuterbutter benötigt: Petersilie, Schnittlauch und Dill dürfen nicht fehlen. Die Hessen würden diese Liste natürlich jederzeit um die Zutaten für die Grüne Soße erweitern und so noch Borretsch, Kerbel, Kresse, Pimpinelle und Sauerampfer anpflanzen. Familien, die Italien lieben, entscheiden sich für die klassischen Pizzagewürze wie Oregano, Basilikum, Thymian und Majoran. Bei dieser mediterranen Auswahl dürfen dann Rauke, Rosmarin, Currykraut, Schnittknoblauch und Bohnenkraut auch nicht fehlen.

Zu den ersten Kräutern im Frühjahr zählt der Bärlauch. Er muss nicht im Wald gesammelt werden, sondern er lässt sich ganz leicht im eigenen Garten kultivieren. Dann besteht auch nicht die Gefahr der Verwechslung mit Maiglöckchen.

 

Obst und Beeren für den Naschgarten

Kein Naschgarten kommt ohne Beerenbeet aus! Die Auswahl fällt schwer: Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren – egal ob weiß, rot oder schwarz –, Heidelbeeren, Himbeeren oder Brombeeren kann niemand widerstehen. Und das Gute am Naschgarten ist: Sie müssen sich gar nicht entscheiden. Pflanzen sie einfach alle Beerensorten an! Möchten Sie etwas Exotischeres ausprobieren, so gibt es noch Cranberrys (große Preiselbeeren), Aroniabeeren und Gojibeeren, die von Kennern als Superfoods gehandelt werden.

 

Tipp am Rande

So verlängern Sie die leckere Erdbeerzeit

Die Erdbeerzeit lässt sich über den kompletten Sommer verlängern, wenn Sie Monatserdbeeren oder Walderdbeeren auswählen. Diese Pflanzen tragen den ganzen Sommer über hocharomatische, süße Früchte. Sie sind allerdings nicht ganz so groß wie bei den klassischen Erdbeersorten wie Senga Sengana oder Mieze Schindler.

 

In den Obstgarten zum Naschen gehören jedoch auch Obstbäume: Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen, Mirabellen und Pflaumen locken. Wählen Sie für die Obstbäume Säulenobst oder ziehen Sie sich Spalierobst, so sparen sie Platz. Mehr Platz bedeutet gleichzeitig auch mehr Auswahl. In geschützten Lagen können Sie auch Weintrauben, Kiwis, Nektarinen, Pfirsiche oder Aprikosen anbauen.

Zur Umzäunung ihres Naschgartens bietet sich übrigens eine Hecke aus allerlei Wildobst an. Auch Holunder, Schlehe, Sanddorn, Kornelkirsche, Felsenbirne, Mispel und Vogelbeere haben hocharomatische und sehr gesunde Früchte, die sich zu leckeren Marmeladen verarbeiten lassen Sie werden heute leider viel zu oft vergessen, da es sie nicht im Supermarkt zu kaufen gibt.

 

Gemüsegarten für den Naschgarten

Im Idealfall besitzen Sie in Ihrem Naschgarten ein Gewächshaus. Hier können Sie ganz einfach selbst leckere Salatgurken, knackigen Paprika und aromatische Tomaten anbauen. Bei den Tomaten sollten Sie Strauchtomaten und Wildtomaten auswählen. Ihre Früchte sind zwar nicht so groß wie beispielsweise bei den Fleischtomaten a la „Ochsenherz“. Jedoch sind sie besonders aromatisch. Noch ein Vorteil: Mit einem „Haps sind sie im Mund!“. Wegen diesen kleinen Leckereien lieben gerade Kinder den Naschgarten!

Doch auch ohne Gewächshaus kommt man im Naschgarten aus. Salat wächst notfalls in einer zweckentfremdeten PVC-Dachrinne, die an die Wand des Gartenhauses gehangen wird. Hier gibt es eine fast unendliche Auswahl: Kopfsalat, Feldsalat, Pflücksalat, Eisbergsalat, Zuckerhut, und und und.

Bunter Mangold sieht nicht nur interessant aus, sondern ist auch eine tolle Alternative für Spinat. Er ist übrigens verwandt mit der Roten Beete, die es mittlerweile als Züchtung auch als Bunte Beete, d. h. in gelb-orange oder in weiß-rot-gestreift gibt.

Im Gemüsegarten zum Naschen dürfen Radieschen, Kohlrabi und Möhren auf keinen Fall fehlen. Das Wurzelgemüse erlebt derzeit eine Renaissance und so bereichern neben Kartoffeln und Süßkartoffeln längst vergangene Sorten wie Pastinaken, Petersilienwurzeln, Sellerie, Steckrüben, Rettiche, Topinambur oder Schwarzwurzeln wieder mehr und mehr den Speiseplan. Naschkatzen können außerdem der Versuchung von süßen Zuckerschoten nicht widerstehen. Ist genügend Platz vorhanden, geben sich Zucchini, Patisson und Hokkaidokürbis gern ein Stelldichein. Zwiebeln mögen eher mageren Boden. Daher lassen sie sich nicht an jedem Standort gleich gut anbauen. Einen Versuch ist es wert, denn sie krönen jeden leckeren Tomatensalat aus dem eigenen Garten.

Zum Abgrenzen des Gemüsegartens können Sie Stangenbohnen an Seilen oder einem Klettergerüst ziehen. Sie dienen gleichzeitig als Sichtschutz. Bedenken Sie hier jedoch, dass Bohnen nicht roh verzehrt werden dürfen, sondern wegen des Phasin-Gehalts immer gekocht werden müssen.

 

Blumenbeet für die essbaren Blüten

Das Blumenbeet ist im Naschgarten für die Lieferung der „Essbare Blüten“ zuständig, die jeden Salat zur Augenweide und zum Geschmackserlebnis machen. Was viele Menschen gar nicht mehr wissen: Nicht nur Obst und Gemüse können Sie im Garten naschen. Auch viele Blüten wie zum Beispiel die Kapuzinerkresse oder das Hornveilchen sind essbar und schmecken wunderbar aromatisch. Damit hat im Naschgarten selbstverständlich auch ein buntes Blumenbeet seine Daseinsberechtigung. Zu den essbaren Blüten zählen beispielsweise Gänseblümchen, Ringelblumen, Kornblumen, viele Malvensorten, Dahlien, Taglilien, Veilchen, Sonnenblumen und duftende Rosen. Aus den Blüten des Löwenzahns lässt sich beispielsweise mit Zucker und Zitrone ein köstlicher Löwenzahnsirup kochen, der ein wunderbarer Honigersatz ist.

 

„Familiending“ Naschgarten: Für Kinder, Mama, Papa, Großeltern und natürlich alle Verwandten

Sie sehen, es gibt mehr als 1001 Möglichkeiten zum Anlegen eines Naschgartens. Nutzen Sie die etwas ruhigere zweite Jahreshälfte und erstellen Sie einen Plan für Ihren Naschgarten. Tüfteln Sie für Ihr Platzangebot die optimale Fruchtfolge und Mischkultur aus. Natürlich dürfen alle Familienmitglieder ihre Obst- und Gemüse-Wünsche einbringen. Im nächsten Jahr machen Sie sich dann gemeinsam an die Umsetzung des Familien-Naschgartens und wetten, dass sogar den größten Gartenmuffeln plötzlich die Gartenarbeit wieder Spaß macht?