Nachhaltigkeit: Seifenstück oder Seifenspender?

Auf dem Weg zum plastikfreien Bad: Was ist besser für die Umwelt

Der Weg zum plastikfreien Bad ist noch immer nicht ganz einfach. Doch einzelne Etappenziele lassen sich problemlos erreichen. Eine erste Maßnahme, um die Umwelt zu entlasten und für mehr Nachhaltigkeit im Alltag zu sorgen, wäre die Verwendung von Seife auf den Prüfstand zu stellen. Hier lautet die einfache Frage: Seifenstück oder Seifenspender?

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Das altbekannte Stück Seife ist aus der Mode gekommen. Es wurde aus den Bädern der Republik vom Seifenspender mit seiner Flüssigseife verdrängt. Doch wer auf Nachhaltigkeit setzt und ein plastikfreies Bad haben möchte, kommt am Seifenstück einfach nicht vorbei, denn beim Nachhaltigkeitsduell hat das Stück Seife eindeutig die Nase vorn.

 

Unsere Großeltern kannten die praktischen Seifenspender in ihrer Kindheit nicht. Sie wuschen sich mit einem einfachen Stück Seife. Heute findet sich Seife im Haushalt meist in Form von Seifenspendern. Sie haben das gute, alte Seifenstück verdrängt. Die Argumente für den Seifenspender lassen sich in drei kurzen Schlagworten zusammenfassen: praktisch, hygienisch und hautfreundlich – so zumindest werden die Seifenspender beworben. Die Redaktion von familien-gesundheit.de schaut sich für Sie die Argumente im Detail genauer an.

 

Hygiene

Das Hygiene-Argument hat dem Seifenspender in den 1980er Jahren in der BRD zum Durchbruch verholfen. Das Seifenstück im Bad wurde in die Schmuddelecke gedrängt. Doch stimmt das Hygiene-Plus der Flüssigseife im Vergleich zum Seifenstück tatsächlich?

Richtig ist, Seifenstücke können bei Benutzung innerhalb kurzer Zeit unansehnlich werden. Bei dauerhaften Wasserkontakt können sie aufgedunsen und glibberig aussehen. Bei zu wenig Wasserkontakt werden sie rissig. Doch das sind alles nur Äußerlichkeiten, die sich leicht vermeiden lassen, denn das Stück Seife sollte nicht im Wasser liegen und nach dem Benutzen gut trocknen können. Auch die Seifenschale muss regelmäßig ausgewaschen und von alten Seifenresten befreit werden.

Auf einem Seifenstück können sich defacto mehr Mikroorganismen tummeln als in einem Seifenspender. Doch das ist nicht zwangsweise ein hygienischer Nachteil. Forscher zeigten bereits vor vielen Jahren, dass Seifenspender und Seifenstücke in puncto Infektionsvermeidung gleichauf lagen. In einer 1988 durchgeführten Studie wurden verschiedene Bakterienarten hochdosiert auf Seifenstücke aufgebracht. Im Anschluss zählten die Wissenschaftler nach, wie viele Keime an den Händen der Probanden nach dem Händewaschen zu finden waren. Das Ergebnis überzeugte: Die Bakterien ließen sich nicht an den Händen der Versuchsteilnehmer nachweisen, d. h. eine Infektionsgefahr besteht nicht. Ergo: Seifenstücke sind trotz allem sehr hygienisch.

 

Sauberkeit und Hautverträglichkeit

In Sachen Reinigungskraft sind sich Seifenstück und Flüssigseife ebenbürtig. Bei der Hautverträglichkeit kann es jedoch Unterschiede geben. Die Flüssigseife gehört zu den synthetischen Detergenzien. Sie gelten als milder. Es treten bei empfindlicher Haut womöglich weniger Reizungen auf. Normale Haut kommt mit normaler Seife jedoch in der Regel gut klar.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft Seifenstücke nur in Seifenmanufakturen. Hier wird Seife noch in echter Handarbeit hergestellt und auf hochwertige Inhaltsstoffe geachtet. So lässt sich der Seife beispielsweise Olivenöl, Schafsmilch oder Ringelblumenextrakte zusetzen, die der Haut eine extra Portion Pflege gönnen. Auch für empfindliche Haut gibt es die passenden, klassisch hergestellten Seifen.

 

Nachhaltigkeit

Das Seifenstück enthält kaum Wasser – anders als die Flüssigseife. Hier karren LKWs viel Wasser und damit viel Volumen durch die Gegend. Beim Stück Seife wird also mehr Reinigungskraft auf weniger Raum transportiert. Das spart nicht nur Verpackungsmaterial, sondern auch Emissionen.

Flüssigseife muss in wasserdichten Behältnissen verpackt sein. Aus Kostengründen greifen die Hersteller hier meist auf Kunststoffe zurück. Und selbst wer auf Nachfüllpackungen setzt und meint, damit der Umwelt etwas Gutes zu tun, irrt sich. Auch die Nachfüllpackungen landen auf dem Müll und vergrößern den Müllberg sowie das Plastikproblem.

Ganz anders sieht es bei den Seifenstücken aus. Sie können in Papier eingewickelt werden. In Bioläden gibt es sie sogar gänzlich ohne Umverpackung. Mehr Schonung für die Umwelt geht nicht.

Ein weiterer Punkt sind die benutzten Seifenmengen. Der Pump-Mechanismus der Spender regt dazu an, den Spender pro Händewaschgang nicht nur einmal zu bedienen, sondern mehrfach. Damit gelangt mehr Seife auf die Hand, als man bräuchte. Bereits ein Pumpvorgang beim Spender befördert oftmals schon mehr Flüssigseife als nötig. Somit gehen wir mit Flüssigseife nachweislich verschwenderischer um.

Das Seifenstück dagegen „wurschteln“ wir nur so lange zwischen den Händen hin und her, bis die erforderliche Seifenmenge erreicht ist. Ein Seifenstück hält daher in der Regel deutlich länger als Flüssigseife. Wenn außerdem weniger Seife ins Abwasser gelangt, muss auch weniger Reinigungsaufwand betrieben werden, um es zu klären. Auch das schont die Umwelt.

Das dritte Argument in Sachen Nachhaltig betrifft den Geldbeutel. Da wir mehr Flüssigseife verbrauchen als erforderlich wäre, müssen wir Flüssigseife öfters nachkaufen. Im Vergleich zum normalen Seifenstück ist Flüssigseife so schon teurer, womit das Preisargument gleich doppelt zuschlägt. Mit einem Stück Seife schonen Sie also nicht nur die Umwelt sondern auch Ihren Geldbeutel.

 

Das Seifenstück wurde von der Flüssigseife zu Unrecht verdrängt. Die nachgesagten Nachteile lassen sich bei genauerer Betrachtung nicht halten. Wer die Umwelt und darüber hinaus auch den eigenen Geldbeutel schonen möchte, der sollte den Seifenspender aus dem Bad verbannen und wieder auf das gute alte Stück Seife in der Seifenschale setzen.

 

Der Tipp von familien-gesundheit.de

Shampoo-Bars

Mittlerweile gibt es übrigens auch das Shampoo in Form von Seifenstücken – sogenannte Shampoo-Bars. So lässt sich auch beim Haarewaschen weiterer Plastikmüll im Bad vermeiden und auf Nachhaltigkeit setzen.