Nachhaltig reisen

Alternativ Urlauben dank sanftem Tourismus

Die Deutschen sind nicht nur Exportweltmeister sondern auch Reiseweltmeister. Kein anderes Volk weltweit gibt mehr für Urlaub aus als die Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Damit die Reiselust nicht dafür sorgt, dass die letzten Naturparadiese verloren gehen, machen sich immer mehr Deutsche Gedanken über nachhaltiges Reisen, denn aktiver Umweltschutz ist eine weitere Herzensangelegenheit der Deutschen.

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Nachhaltiges Reisen liegt längst nicht mehr nur „notorischen“ Weltverbesserern am Herzen. Das Thema gewinnt an Bedeutung, wenn die letzten Naturparadiese des Planeten für die Nachwelt erhalten werden sollen. Denn nur, was man kennen und lieben gelernt hat, will man beschützen und für die nächste Generation bewahren.

 

Viele achten daher bereits im Alltag auf Nachhaltigkeit, indem sie beispielsweise so oft wie möglich auf das Auto verzichten und lieber das Fahrrad nutzen oder zu Fuß gehen. Auch Bio- bzw. Fair-Trade-Produkte stehen hoch im Kurs. Selbst der Urlaub kann nachhaltig sein, auch wenn Flugreisen als sehr belastend für die Umwelt gelten. Für bewusst nachhaltig Reisende heißt es nämlich nicht automatisch Allgäu statt Amazonien, Münster statt Mauritius, Urlaub auf dem Bio-Bauernhof statt Schnorcheln mit Schildkröten! Wer nachhaltig Urlaub machen möchte, muss allerdings bei der Auswahl des Reisezieles einiges beachten und die Reise mit Bedacht planen. Dann lässt sich der biologische Fußabdruck deutlich reduzieren und dem Nachgeben des Fernwehs steht nichts mehr im Weg. Die Redaktion von familien-gesundheit.de gibt praktische Tipps fürs nachhaltige Reisen.

 

Die Auswahl des Reiseziels

Ganz am Anfang der Urlaubsplanung steht die Auswahl des Reiseziels. Bei großem Fernweh muss das Ziel genauer analysiert werden. Soll Kultur, Entspannung oder Abenteuer im Vordergrund stehen? Wer sich nicht unbedingt auf eine konkrete Region und ein bestimmtes Land mit seinen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Angebote festlegt, ist bei der Auswahl des Reisezieles deutlich flexibler und kann so auf andere Aspekte achten. Für einen reinen Strandurlaub mit Baden und Schnorcheln muss es nicht zwingend ein Flug in die Karibik sein. Am Mittelmeer lässt es sich genauso gut Urlauben. Auch der Zeitpunkt für die Reise will mit Bedacht gewählt sein. Bei einem Skiurlaub im Frühling besteht die Piste meist nur noch aus Kunstschnee, dessen Herstellung viele Ressourcen benötigt.

Neben der Urlaubsform und der Reisezeit sollte auch die Reisedauer in einem angemessenen Verhältnis zur Entfernung des Reisezieles stehen. Ist der Urlaubsort beispielsweise mehr als 700 Kilometer von der Heimat entfernt, so sollte man dort mindestens acht Tage verbringen. Als Faustregel gilt: Je weiter weg, desto länger sollte auch der Aufenthalt sein. Bei einer Entfernung von mehr als 2.000 Kilometern ist ein mindestens 15-tägiger Urlaub empfehlenswert. Die längere Aufenthaltsdauer kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern vor allem dem Reisenden selbst, denn die Strapazen eines langen Fluges und der Zeitverschiebung fördern zunächst nicht die Erholung.

 

 

Informationen fürs nachhaltige Reisen einholen

Recherchieren Sie im Vorfeld, welche Urlaubsziele sich für aktiven Umweltschutz engagieren. Viele europäische Städte wie Amsterdam und Kopenhagen setzen auf den Ausbau von Fahrradwegen und den öffentlichen Nahverkehr, um den innerstädtischen Autoverkehr zu reduzieren.

Die Nordseeinsel Juist will bis zum Jahr 2030 CO2-neutral werden. Bei den weiter entfernten Sehnsuchtszielen ist beispielsweise Costa Rica für seine Öko-Lodges mit ihrem nachhaltigen Tourismuskonzept bekannt.

 

Wussten Sie schon?

Der familien-gesundheit.de-Tipp zum nachhaltigen Reisen

Die Nonprofit-Organisation Ethical Traveler bewertet in ihrem Ranking jedes Jahr beliebte Urlaubsländer in den Punkten Umweltschutz, Steigerung des sozialen Wohles und Einhaltung der Menschenrechte.

Zu den zehn ethischsten Reisezielen 2016 zählten:

  • Kapverden (Afrika)
  • Dominica (Karibik)
  • Grenada (Karibik)
  • Mikronesien (Westpazifik)
  • Mongolei (Asien)
  • Panama (Mittelamerika)
  • Samoa (Südwestpazifik)
  • Tonga (Südpazifik)
  • Tuvalu (Südwestpazifik)
  • Uruguay (Südamerika)

 

Fünf der zehn Destinationen sind „Wiederholungstäter“, das heißt, sie schafften es auch 2015 auf die vorderen Plätze dieser Liste. Sie alle zeichnet aus, dass es sich nicht um normale Ziele für Pauschalreisende handelt. Wer hierhin reist, reist andersartig.

Die Auswahl der Unterkunft beim nachhaltigen Reisen

Bei der Auswahl einer nachhaltigen Unterkunft kommt es nicht nur auf den Umweltschutz an. In der Hotelbranche gibt es Siegel wie Sand am Meere. Dort den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Ein guter Anfang ist gemacht, wenn Sie darauf achten, dass Hotels Energie und Wasser sparen, sich aktiv mit der Müllvermeidung auseinander setzen sowie regionale Lebensmittel verwenden. Für die Nachhaltigkeit wichtiger ist jedoch, dass auch die lokale Bevölkerung von den Hotelgästen profitiert, indem zum Beispiel Arbeitsplätze nicht nur direkt im Hotel sondern auch in umliegenden Geschäften und Restaurants entstehen. Bei klassischen All-Inclusive Angeboten kann die einheimische Bevölkerung oftmals nicht vom Tourismus profitieren. Die Einnahmen kommen vor Ort also nicht an und verbessern so nicht die Lebenssituation der Einheimischen. Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern gilt: Wer täglich hart um sein Auskommen kämpfen muss, kann meist wenig Rücksicht auf die Natur und Umwelt nehmen.

Achten Sie ebenfalls darauf, dass das Freizeitangebot den natürlichen Gegebenheiten vor Ort angepasst ist. Ein großer Golfplatz mitten in der Wüste muss definitiv bewässert werden. Braucht man auf einer traumhaften Südseeinsel, auf der Wasser und Energie knapp sind, wirklich ein Büfett mit Eisskulpturen? Motorisierte Touren durch unberührte Landschaften sind sicherlich ein großes Abenteuer, doch für die Natur können sie eine Belastung sein. Versuchen Sie daher, zumindest auf vorhandenen Wegen zu bleiben und Rücksicht auf die Tierwelt zu nehmen.

Passen Sie das eigene Verhalten vor Ort ebenfalls an den Nachhaltigkeitsgedanken an. Auch wenn Sie für Hotel oder Ferienhaus in der Regel einen Pauschalpreis zahlen, ist dies kein Freibrief für exorbitant langes Duschen oder Dauerbeleuchtung. Achten Sie beim Einkauf von Urlaubssouvenirs darauf, dass dafür bei der Herstellung kein Raubbau an der Natur begangen wird. In heißen Regionen ist die Klimaanlage längst Standard, doch sie gilt als Klimasünder. Lassen Sie daher das Gerät nur Laufen, wenn Sie sich wirklich in den Räumen aufhalten. Meist sind Sie tagsüber unterwegs, sodass die Klimaanlage nur nachts für angenehme Temperaturen und damit einen erholsamen Schlaf sorgen muss. Nicht nur der Umwelt zuliebe sondern vor allem wegen der Gesundheit, sollten Sie aus Ihrem Zimmer keinen „Eisschrank“ machen.

 

Anreise und nachhaltige Fortbewegung vor Ort

Wen das Fernweh packt, kommt um die Anreise per Flugzeug kaum herum. Unter Umweltschützern gilt das Flugzeug als die klimaschädlichste Anreisemöglichkeit, denn die beim Flug entstehenden Abgase haben in den üblichen Flughöhen eine vierfach so starke Wirkung auf den Treibhauseffekt wie bodennahe Abgase und daher einen großen Anteil am Klimawandel. Mit einer Spende an Klimaschutzprojekte können jedoch die CO-Emissionen kompensiert werden. Die unterstützen Projekte sorgen beispielsweise für den Schutz des Regenwaldes oder investieren lokal in den Ausbau der  regenerativen Energien.

Bei einem Urlaub innerhalb Europas bieten sich für das nachhaltige Reisen andere Fortbewegungsmittel an. Als umweltfreundliche Verkehrsmittel gelten Reisebusse und die Bahn. Das eigene Auto ist allerdings meist bequemer. Achten Sie bei der eigenen Anreise mit dem PKW darauf, dass sie wirklich nur das mitnehmen, was Sie vor Ort tatsächlich benötigen. Zu viel Ballast lässt letztlich das zu transportierende Gewicht und damit den Spritverbrauch ansteigen. Apropos … Vor Reiseantritt sollten Sie unbedingt kurz noch an der Tankstelle Halt machen und den Reifendruck checken. Ist dieser zu niedrig, erhöht sich der Rollwiderstand. Der optimale Reifendruck macht sich somit auch in der Urlaubskasse bemerkbar. Die Reiseroute sollten Sie im Vorfeld planen. Nicht immer ist die Strecke über die Autobahn die Kürzeste. Haben Sie den Mut und verlassen Sie ab und an die Autobahn, indem Sie auf die Landstraße ausweichen. Sie umfahren so nicht nur manchen Stau großräumig. Es fährt sich hier auch entspannter und stressfreier. In der Regel sehen Sie auch viel mehr von der Landschaft, sodass sich das Urlaubsfeeling bereits auf der Fahrt und nicht erst am Urlaubsort einstellt.

Nicht wenige verzichten auf die Anreise mit Bus und Bahn, weil sie vor Ort mobil sein möchten.  Um das Problem zu lösen, liegt das Mieten eines Mietwagens zwar auf der Hand. Es ist allerdings meist gar nicht erforderlich. In vielen Touristenzentren ist der öffentliche Nahverkehr sehr gut ausgebaut und die Anbindung an Bus und Bahn gegebenen. Wenn man gleich in der Innenstadt aussteigen kann und nicht erst langwierig einen Parkplatz suchen muss, spart das nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Übrigens … Das Geld für das teure Parkticket ist in eine kleine Auszeit in einem lauschigen Café vor Ort besser investiert.

Für Ausflüge in die Natur kann in der Regel vor Ort auch ein Fahrrad ausgeliehen werden. Oftmals bieten bereits Hotels diesen Service selbst an oder man erkundigt sich im örtlichen Tourismusbüro nach entsprechenden Verleih-Stationen. Doch am besten, authentischsten und umweltfreundlichsten lässt sich ein Urlaubsland zu Fuß erkunden. Das ist 100-prozentiges nachhaltiges Reisen im ursprünglichsten Sinn, denn ausgedehnte Wanderungen lassen Sie die Flora und Fauna hautnah erfahren. Bei einer Einkehr kommen Sie schnell mit Einheimischen und anderen Touristen in Kontakt.