Nabelschnurblut in der Medizin

Medizin der Zukunft ohne Nabelschnurblut kaum denkbar

Nabelschnurblut wird in der Regenerativen Medizin, wie die Medizin der Zukunft häufig auch genannt wird, ein fester Therapiebaustein sein, in diesem Punkt stimmen viele Experten überein. Allerdings können heute Mediziner und Forscher nicht zuverlässig prognostizieren, wann einzelne Therapien für eine breite Anwendung zugelassen werden. Natürlich hoffen alle, dass sich die Hoffnung auf Heilung bei einer Reihe von bislang unheilbaren Krankheiten wie Parkinson, ALS, Diabetes, Multiple Sklerose oder Rheuma dank der Stammzellenforschung möglichst heute als morgen erfüllt.

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Nabelschnurblut hat sich bereits heute einen festen Platz in der Medizin erobert. Es kommt als Stammzellentransplantat bei Krebs, Blutbildungsstörungen und Immundefekten. In Zukunft erwarten Forscher, dass Nabelschnurblut bei weiteren Krankheiten helfen könnte.

 

Erste Heilversuche und klinische Studien liegen hier bereits vor und die Ergebnisse sind so positiv, dass die Ansätze weiter verfolgt und optimiert werden. Von daher könnten bereits innerhalb eines Jahrzehnts etliche Stammzellentherapien den Sprung raus aus dem Labor rein in die Praxis schaffen. Das eigene Nabelschnurblut stellt dabei einen wertvollen Pool an jungen, adulten Stammzellen mit ganz besonderen Eigenschaften bereit. Sie sind sehr teilungsfreudig und anpassungsfähig, weswegen sich Nabelschnurblut-Stammzellen auch hervorragend für einen medizinischen Einsatz eignen.

Doch bei noch immer mehr als 90 Prozent der Geburten wandert die Nabelschnur zusammen mit der Nachgeburt ungenutzt in den Klinikmüll. Das darin enthaltene Nabelschnurblut und damit die Stammzellen sind für immer verloren. Eine einmalige Stammzellenquelle steht somit im späteren Leben nicht mehr zur Verfügung. Für die Patienten bedeutet das: Werden im Ernstfall die eigenen Stammzellen benötigt, so müssen sie auf andere Stammzellenquelle wie das Knochenmark oder Fettstammzellen zurückgreifen. Doch diese sind mit dem Patienten gealtert und Umwelteinflüssen ausgesetzt gewesen. Anders sähe dies beim Nabelschnurblut aus: Im Kälteschlaf altern die Stammzellen nicht. Sie bleiben über Jahrzehnte jung und vital. Aufgetaut stehen sie sofort zur Verfügung und übernehmen die ihnen zugedachten Regenerations- und Reparaturprozesse.

Viele Eltern in spe grübeln daher, ob sie das Nabelschnurblut des Nachwuchses nicht besser privat einlagern oder zumindest an eine öffentliche Nabelschnurblutbank spenden sollten, um damit heute schon anderen Menschen zu helfen.

 

Wo kommt Nabelschnurblut in der Medizin bereits heute zum Einsatz?

In Japan wird Nabelschnurblut bereits bei jeder zweiten Stammzellentransplantation eingesetzt. Dieser Fakt bestätigt den beinahe unglaublichen Siegeszug des Nabelschnurblutes in der Medizin, denn erst 1988 therapierte die französische Ärztin mit dem Nabelschnurblut eines Geschwisterkindes erstmalig ein an Fanconi-Anämie erkranktes Kind in einem Pariser Krankenhaus. Seitdem werden mit Nabelschnurblut vor allem Blutbildungsstörungen und Immundefekte behandelt. Die Stammzellentransplantation mit Knochenmarkstammzellen bzw. peripheren Blutstammzellen hat bereits vor Jahrzehnten Einzug in die Medizin gehalten. Im Jahr 2012 überschritt die Zahl der Blutstammzelltransplantationen die Millionengrenze. Doch generell ist der Weg bis zur medizinischen Standardtherapie meist weit.

Mediziner am Children’s Memorial Hermann Hospital in Houston (Texas/USA) lassen sich von diesen Aussichten nicht entmutigen. Sie wollen eine Therapie bei erworbenem Hörverlust vor allem für Kleinkinder und Kleinstkinder entwickeln, um damit die Hörfähigkeit der Patienten wiederherzustellen. Je früher die Patienten behandelt werden, desto weniger Probleme gibt es beim Sprechenlernen. Das wiederum bedeutet später auch deutlich weniger Schwierigkeiten in Kindergarten, Schule, Ausbildung bzw. Studium und Beruf. Für ihre Studien greifen die Ärzte auf das eingelagerte Nabelschnurblut zurück.

Erste Heilversuche mit Nabelschnurblut gibt es auch bei der frühkindlichen Hirnschädigung, die in der Medizin vielfach auch als Zerebralparese oder zerebrale Kinderlähmung bezeichnet wird. Ein Schlaganfall im Mutterleib, zu wenig Sauerstoff während der Geburt oder eine Frühgeburt können das Gehirn schädigen und für lebenslange Beeinträchtigungen sorgen. Bei Frühgeborenen allerdings stehen oftmals die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut nicht zur Verfügung, weil hier die Migration der Stammzellen ins Blut noch nicht eingesetzt hat oder die gewinnbare Menge nicht ausreicht. Die Medizin muss daher nach Alternativen suchen. Forscher untersuchen aktuell, ob die Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe allein ausreichen, die notwendigen Reparaturprozesse einzuleiten und so die Nervenzellen schützen und vor einer weiteren Zerstörung bewahren können. Mit dem Verabreichen von Nabelschnurblut bei Zerebralparese wurde in Einzelfällen bereits positive Erfolge im Zusammenspiel mit einer umfassenden Frühförderung aus Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie dokumentiert.

 

Nabelschnurblut in der Medizin im zukünftigen Einsatz

Wenn es nach der Medizin der Zukunft geht, ist das Nabelschnurblut beinahe ein Allheilmittel, weil die darin enthaltenen Stammzellen wahre Alleskönner sind. Wenn Mediziner träumen dürften, würde sich das in etwa wie folgt lesen:

  • Niere kaputt? Das Tissue Engineering züchtet eine neue.
  • Herzinfarkt? Aus Stammzellen gezüchtete Herzmuskelzellen ersetzen die verlorengegangenen Herzzellen, sodass die gefürchtete Narbenbildung das Herz gar nicht erst beeinträchtigen kann.
  • Zu hoher Blutzucker aufgrund von Diabetes oder einer Insulinresistenz? Aus Stammzellen gezüchtete Betazellen übernehmen die korrekte Insulinproduktion und regulieren damit den Blutzuckerspiegel.
  • Rückenschmerzen durch verschlissene Bandscheiben? Kleine Spritze mit Stammzellen in den Rücken und in einem Monat ist alles Geschichte.
  • Großflächige Verbrennungen beim Grillunfall? Perfekte, künstliche Haut deckt die Wunden ab , sodass auf Eigenhauttransplantationen verzichtet werden kann.
  • Zunehmende Vergesslichkeit im Alter? Die Stammzellen sind ein Jungbrunnen fürs Gehirn.
  • Loch im Zahn durch Karies? Der Zahnarzt muss nicht mehr bohren. Die Schäden werden einfach durch Stammzellen kompensiert.

Spätestens das letzte Beispiel klingt einfach zu verlockend, um wahr zu sein, oder? Der Rest liest sich wie ein Auszug aus einem Science-Fiction-Roman von Isaac Asimow oder Gene Roddenberry, dem Erfinder des Star-Trek-Universums. Doch die genannten Beispiele sind nicht nur ungelöste Probleme der Medizin, sondern aktuelle Themen der Stammzellenforschung, an denen längst intensiv gearbeitet wird. Gelingt hier der Durchbruch, ist der Medizinnobelpreis so gut wie sicher.

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