Mit Zika-Viren gegen Hirntumor-Stammzellen?

Unterstützen Zika-Viren bald den Kampf gegen das Glioblastom?

Infizieren sich Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel mit dem Zika-Virus, so können die Viren massiv die Gehirnentwicklung des Ungeborenen beeinflussen, denn das Virus befällt die neuronalen Stammzellen. Die Folge: Die Kinder kommen mit Mikrozephalie, einem viel zu kleinen Gehirn, zur Welt. Was bei Ungeborenen nicht willkommen ist und schwere Probleme verursacht, könnte die Mediziner im Kampf gegen das Glioblastom helfen. Denn auch der tödliche Hirntumor wächst aus Stammzellen heran. An der Washington University of St. Louis (USA) fanden Wissenschaftler nun heraus, dass abgeschwächte Zika-Viren für gesunde Hirnzellen keine Gefahr darstellen, aber den Zellen des Glioblastoms große Probleme bereiten. In Versuchen an Mäuse verlangsamte eine solche Therapie das Wachstum des Hirntumors und verlängerte die Überlebenszeit der kleinen Nager. Ob eine Übertragung auf den Mensch möglich ist, müssen jedoch noch weitere Untersuchungen belegen.

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Viren sind gefährlich. Dennoch versucht die moderne Medizin das Potenzial für sich zu nutzen. So werden abgeschwächte Viren als Genfähren im Genome-Editing eingesetzt, um damit Erbkrankheiten zu therapieren. Schon lange sind auch sogenannte onkolytische Viren im Gespräch, um mit ihrer Hilfe Tumore und Krebszellen zu bekämpfen. Jetzt handeln amerikanische Wissenschaftler das Zika-Virus als „heißen Kandidaten“. Was die neuronalen Stammzellen beim Embryo negativ beeinflusst und für schwere Schäden bei der Hirnentwicklung sorgt, macht auch den Stammzellen des Glioblastoms, einem heimtückischen Hirntumor, schwer zu schaffen.Zika könnte die Krebstherapie revolutionieren.

 

Glioblastom besonders heimtückisch

Doch die beteiligten Wissenschaftler sind vom Potenzial der Virustherapie überzeugt und prophezeien, dass Zika-Viren in Zukunft helfen werden, das gefährliche Glioblastom vollständig zu zerstören. Bisherige Therapien scheitern genau an diesem Punkt. Der Hirntumor ist so fein verzweigt und breitet sich über weite Distanzen aus, dass er nie vollständig entfernt werden kann. Bei der Chemotherapie müssen die Zytostatika die Blut-Hirn-Schranke überwinden, um vor Ort zu wirken. Bei der Standardbehandlung bestehend aus der chirurgischen Entfernung des Tumors und der Chemotherapie erfolgt meist auch noch eine Bestrahlung.

Doch trotz des „Aufgebots“ überleben sehr oft Krebszellen. Nach einigen Monaten entwickelt sich aus diesen resistenten Krebsstammzellen ein neuer Tumor. Das Glioblastom gilt als die tödlichste Form unter den Hirntumoren. Die Prognose für die Patienten beträgt nach der Diagnose meist weniger als zwei Jahre. Gelänge es, die Glioblastom-Stammzellen gezielt zu zerstören, würde dies einen enormen Durchbruch in der Krebstherapie bedeuten.

 

Fetale neuronale Stammzellen und Hirntumor-Stammzellen haben Gemeinsamkeiten

Die US-amerikanischen Forscher wollten herausfinden, ob sich Zika-Viren genau für diesen Zweck nutzen lassen, denn die neuralen Vorläuferzellen eines Fötus weisen Gemeinsamkeiten mit Hirntumor-Stammzellen auf. Da eine Infektion mit Zika-Viren bei Erwachsenen meist mild verläuft, werden normale, reife Hirnzellen vom Virus in der Regel nicht angegriffen, was die Schonung von Gewebe verspricht, da lediglich der Angriff auf die entarteten Zellen erfolgt.

Im ersten Schritt infizierten die Wissenschaftler Gewebeproben von Glioblastomen mit Zika-Viren. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass bereits nach zwei Tagen mehr als 60 Prozent der Tumorstammzellen von den Viren befallen waren – mit der Folge, dass sie sich nicht mehr teilen konnten und abstarben. Allerdings infizierten die Viren nachweislich nur einen geringen Prozentsatz von ausdifferenzierten Tumorzellen. Im gesunden Hirngewebe von Erwachsenen gelang es den Viren nicht, sich zu vermehren.

Im zweiten Schritt bekamen Mäuse von den Medizinern einen angepassten Virusstamm ins Gehirn injiziert. Die Tiere litten an dem aggressiven Glioblastom. Die Injektion bremste das Wachstum des Hirntumors und verlängerte die Überlebenszeit der Mäuse. Wurde außerdem ein durch Mutation abgeschwächter Virusstamm in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt, vergrößerte sich der Erfolg der Therapie noch weiter.

 

Zika als onkolytisches Virus bei Hirntumor könnte eine Behandlungsoption sein

Für Menschen wird der Einsatz von Viren in der Onkologie schon länger diskutiert. Sollte das Zika-Virus  beim Menschen zum Einsatz kommen, so müssten der onkolytische Virusstamm direkt nach der chirurgischen Entfernung des Tumors dem Patienten ins Gehirn injiziert werden. Der „normale Weg“ über die Blutbahn ist versperrt, da sonst das Immunsystem aktiviert würde. Die Viren könnten dann nicht ins Gehirn eindringen, weil sie vorher „abgefangen“ würden.

Zunächst müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob sich der Ansatz auf den Menschen übertragen lässt. Klinische Studien müssen außerdem den Nachweis erbringen, dass die Therapie mit dem Zika-Virus beim Glioblastom sicher ist. Das bedeutet, es muss gewährleistet sein, dass sich die Viren nicht im Körper ausbreiten und an anderer Stelle Schäden anrichten.

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