Mit neuronalen Stammzellen gegen die Querschnittslähmung

Stammzellentransplantation kann Funktion des Rückenmarks verbessern

Eine Phase I/II-Studie am Universitätsspital Basel (USB) zeigt, dass die Verbesserung der Sensibilität querschnittsgelähmter Patienten erreicht werden kann, wenn diese neuronale Stammzellen ins Rückenmark transplantiert bekommen.

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Eine Querschnittslähmung endet heute noch immer im Rollstuhl. Nur mit dem Hilfsmittel können sich Betroffene fortbewegen, denn durch die Verletzung des Rückenmarks ist bei Paraplegikern die Motorik eingeschränkt. Stammzellenforscher in aller Welt wollen das ändern. Mit Hilfe von Stammzellen sollen Rückenmarksverletzungen geheilt werden. Eine neue Studie aus der Schweiz beweist jetzt, dass die Stammzellentherapie sicher ist. Außerdem konnte eine Verbesserung der Sensibilität erzielt werden.

 

Studie belegt Sicherheit der Anwendung neuronaler Stammzellen bei Querschnittslähmung

Die neuronalen Stammzellen sollen die Regeneration des Rückenmarks bei Paraplegie, wie die Querschnittslähmung im Medizinerlatein auch genannt wird, anregen. An einer Bestätigung dieser These arbeitet die Forschung seit vielen Jahren auch in internationalen Forscherteams. An der Neurochirurgie des Universitätsspitals Basel (Schweiz) und der Universitätsklinik Balgrist (Kanada) wurde nun eine Studie mit insgesamt zwölf Patienten durchgeführt. Die querschnittsgelähmten Studienteilnehmer litten alle an Rückenmarksverletzungen im chronischen Stadium. Ihnen wurden neuronale Stammzellen transplantiert.

Das oberste Ziel der Phase I/II-Studie bestand darin, zu klären, ob die Behandlung sicher ist. Die Studie zeigte, dass die Transplantation neuronaler Stammzellen bei Querschnittslähmung keine signifikanten Nebenwirkungen hat. Es kam in Folge des Eingriffs auch zu keiner Verschlechterung des Zustands der Patienten. Das berichten die Wissenschaftler in ihrem Beitrag für das Fachmagazin „Neurosurgery“.

Die Daten belegen, dass es zu einer Verbesserung der Funktionen kommt, denn bei der Hälfte der Studienteilnehmer ließ sich eine bessere Sensibilität beobachten. Patienten, die unterhalb der Brust kein Gefühl mehr hatten, waren nach der Stammzellentransplantation in der Lage, wieder etwas bis zum Bauchnabel oder sogar bis zur Hüfte zu spüren. Jedoch lässt sich bislang keine Wirkung auf die Motorik feststellen. Die Patienten können sich also dennoch nicht alleine auf ihren Beinen fortbewegen.

 

Verbesserung bei der Sensibilität ja, Verbesserung der Motorik nein

In einer Anschlussstudie wurden neuronale Stammzellen 17 Patienten mit Tetraplegie transplantiert. Bei dieser Form der Querschnittslähmung können die Betroffen alle vier Gliedmaßen nicht mehr bewegen. Weil es im Halswirbelbereich durch einen Unfall, durch Entzündungen oder einen Tumor zu schweren Schädigungen des Rückenmarks kam, können Tetraplegiker weder die Beine noch die Arme gezielt ansteuern. Auch andere Körperfunktionen (wie Atmung oder die Entleerung von Darm und Blase) können eingeschränkt sein, was die Lebensqualität stark mindert, denn die Patienten sind auf permanente Hilfe von außen angewiesen.

Auch die Nachfolgestudie mit den Tetraplegikern belegte die Sicherheit der Transplantation von neuronalen Stammzellen. Hier wurden die Alleskönnerzellen ins oberste Segment des Rückenmarks eingepflanzt. Welche Erfolge die Stammzellen hier erzielen können, steht noch nicht fest. Den Wissenschaftlern fehlen im Moment noch die Daten aus der Langzeitanalyse.

 

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