Mit Mutterkraut Nerven heilen

Hilft Mutterkaut bei der Regeneration von Nervenschäden?

Das Mutterkraut (lateinisch: Tanacetum parthenium) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Bereits in der Antike wurde es vor allem zur Linderung von Geburtsschmerzen und Menstruationsbeschwerden verwendet, wovon sich seine deutsche Bezeichnung ableitet. Im Mittelalter setzten es kundige Heiler und Heilerinnen zudem zur Behandlung von Kopfschmerzen und Fieber ein, weshalb es weiterhin als Fieberkraut und im Englischen als Feverfew bezeichnet wird. Weitere Trivialnamen des Mutterkrauts sind Falsche Kamille und Zierkamille, da sein Aussehen stark dem der Kamille ähnelt. So hat es ebenfalls gelbe Blütenköpfchen und weiße Zungenblüten, die jedoch kürzer sind als die der Kamille. Das Mutterkraut blüht von Juni bis August und wird zwischen 30 und 100 Zentimeter hoch. Beheimatet war die Pflanze ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum sowie in Westasien. Hierzulande wächst es meist als Gartenunkraut und in der Nähe von Feldern. Die Inhaltsstoffe des Mutterkrautes spielen jedoch auch in der heutigen Naturheilkunde noch eine wichtige Rolle. So enthält die Pflanze und Blüten zwischen 0,5 und 0,9 Prozent ätherische Öle, deren Hauptkomponenten Kampfer und Chrysanthenylacetat sind. Außerdem besteht es zu 0,5 bis zwei Prozent aus Sesquiterpentlactonen, von denen besonders der Inhaltsstoff Parthenolid für die Forschung interessant ist.

© Hans / pixabay.com

Mutterkraut ist ein altes Heilkraut, das unter anderem gegen Menstruationsbeschwerden und Migräne eingesetzt wird. Jetzt entdeckten Forscher, dass der im Mutterkraut enthaltene Wirkstoff Parthenolid dabei helfen könnte, geschädigte Nerven zu reparieren, indem die Regeneration von Nervenzellen angeregt wird.

 

Mutterkraut als Mittel gegen Nervenschäden

Wissenschaftler der Universität Düsseldorf fanden heraus, dass der im Mutterkraut enthaltene Wirkstoff Parthenolid in der Lage ist, geschädigte Nervenzellen zu regenerieren. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie in der US-Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience“. Demnach verabreichten die Forscher den Wirkstoff aus dem Mutterkraut Mäusen mit geschädigten Ischiasnerven. Die Nerven regenerierten sich daraufhin bereits nach weniger als einer Woche, so dass die Mäuse ihre gelähmten Zehen wieder bewegen sowie sensorische Reize wahrnehmen konnten. Bei unbehandelten Tieren der Kontrollgruppe dauerte die Regeneration deutlich länger. Nach Angaben der Wissenschaftler seien die in der Studie gewonnenen Erkenntnisse sehr vielversprechend, da es bisher keine Medikamente mit einer ähnlichen Wirkung gebe. Nervenschäden lassen sich bislang nur schwer reparieren.

Bis zum Einsatz des Wirkstoffes am Menschen werden wohl noch Jahre vergehen. Für die Entwicklung eines einsatzfähigen Medikaments müssen weitere Studien durchgeführt werden. Dabei ist die Frage interessant, ob die Parthenolide ebenfalls die Regeneration von Rückenmarksverletzungen oder einem geschädigten Sehnerven anregen können. Normalerweise sind diese Beeinträchtigung bislang irreparabel.

In den Industrieländern sind fast acht Prozent der über 55-Jährigen von einer Schädigung der Nerven in Armen und Beinen betroffen. Diese sogenannten Neuropathien treten einerseits häufig als Folge anderer Erkrankungen auf, wie etwa Diabetes mellitus, oder sie werden durch neurotoxische Substanzen wie Alkohol verursacht. Zu den Symptomen der Neuropathie zählen schwere Empfindungsstörungen sowie Störungen der Motorik und chronische Schmerzen. Für die Betroffenen stellen die Nervenschäden eine große Belastung dar, die mit einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergeht. Bislang kann in der Therapie nur ein Stillstand der Erkrankung erreicht werden.

 

Weitere Anwendungsbereiche für Mutterkraut

Mutterkraut wirkt krampflösend, entzündungshemmend und es hemmt außerdem das Wachstum von Mikroorganismen. So wird es nicht nur gegen gynäkologische Beschwerden und gegen Fieber angewendet, sondern soll auch gegen Hautleiden und rheumatische Erkrankungen helfen. Seit den 1970er Jahren wird außerdem die Wirkung der Heilpflanze gegen Migräne untersucht. Laborexperimente zeigen, dass der Wirkstoff Parthenolid die Freisetzung des Botenstoffes Serotonin aus den Zellen verringert. Serotonin soll seinerseits an der Auslösung von Migräneanfällen beteiligt sein. Demnach könnte eine dauerhafte Einnahme von Mutterkraut Migräneanfällen vorbeugen. Wissenschaftlich belegt ist dies jedoch bisher nicht. Mutterkraut kann einerseits als Tee eingenommen werden, eine größere Wirksamkeit wird aber anderen Darreichungsformen wie Salben oder Tabletten zugesprochen. Da die Einnahme Nebenwirkungen wie Verdauungsstörungen und allergische Reaktionen auslösen kann, sollte vorher immer ein Arzt zu Rate gezogen werden. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Mutterkraut nicht angewendet werden.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.