Mit Medikamenten reisen

Was Patienten beachten müssen

Des Deutschen allerliebstes Hobby ist bekanntlich das Reisen. Deswegen können wir uns zurecht „Urlaubsweltmeister“ nennen: Jung und Alt packt einfach das Fernweh. Jedoch sind nicht alle Urlauber und Reisenden einhundertprozentig gesund. Chronisch Kranke wie Diabetiker oder Herzpatienten können zwar heute sehr gut mit ihrer Krankheit leben und verreisen, jedoch müssen dann auch die notwendigen Medikamente mit in den Urlaub genommen werden. Eine Reiseapotheke gehört jedoch in jeden Urlaubskoffer – nur Umfang und Inhalt sind auf die jeweiligen Bedürfnisse und die Situation des Reisenden anzupassen. Apotheker und Mediziner empfehlen die Reiseapotheke nachdrücklich, damit im Fall der Fälle schnelle Hilfe parat ist. Beim Handling von Medikamenten und Arzneimitteln ist jedoch auf Reisen einiges zu beachten, um die Wirksamkeit und Unversehrtheit der Präparate zu gewährleisten. Wichtige Tipps und Hilfen hat deswegen die trimeda-Redaktion für Sie zusammengestellt.

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Die einsamen Inseln und Atolle von Polynesien (Mikronesien/Pazifik) sind ein Sehnsuchtsort für viele Urlauber und daher zurecht ein absolutes Traumziel. Wer auf Reisen geht, sollte in jedem Fall eine Reiseapotheke dabei haben. Das richtige Handling von Medikamenten während des Fluges und am Urlaubsort ist jedoch eine Grundvoraussetzung, dass im Fall der Fall schnelle Hilfe parat ist. Was beim Reisen mit Medikamenten zu beachten ist, erfahren Sie hier.

 

Eigentlich kann es im Urlaub gar nicht weit genug weg gehen, denn das Fernweh will schließlich befriedigt werden. Fernreisen zu exotischen Urlaubszielen liegen daher voll im Trend. Muss der Urlauber regelmäßig Medikamente einnehmen, so sind einige Punkte zu beachten.

 

Bei Flugreisen gehören kälteempfindliche Wirkstoffe ins Handgepäck – Tipp 1 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub startet, sollte kälteempfindliche Wirkstoffe wie Insulin im Handgepäck mitführen. Im Frachtraum der Flieger herrschen schnell Temperaturen von um die Null Grad Celsius und darunter. Hier frieren flüssige Medikamente buchstäblich ein. Beim Insulin droht ein Kristallisieren, was den Wirkstoff unbrauchbar macht. Das gefrorene und wiederaufgetaute Insulin würde nicht mehr den Blutzucker senken und daher für den Diabetiker Lebensgefahr drohen.

 

Arzneimittel-Reserve ins Handgepäck & auf mehrere Gepäckstücke aufteilen – Tipp 2 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Beim Verreisen mit Flugzeug und Bahn kommt es immer wieder vor, dass Gepäckstücke verloren gehen. Auch sind Diebstähle auf Bahnhöfen oder auf dem Weg zum Hotel gar nicht so selten. Rechnen Sie daher im Vorfeld immer wieder dieses Worst-Case-Szenario ein: Sie haben am Urlaubsort nicht alle Ihre Koffer und Taschen. Da Sie nicht wissen können, welches Gepäckstück vom „Malheur“ betroffen ist und in dieser Hinsicht eigentlich immer von Murphys Gesetz ausgegangen werden sollte, wäre es grob fahrlässig in puncto Medikamente buchstäblich „alles auf eine Karte“ und damit ein Gepäckstück zu setzen. Apotheker empfehlen aus diesem Grund ausdrücklich, Medikamente grundsätzlich auf mehrere Gepäckstücke aufzuteilen. Geht eines verloren, so haben Sie auf jeden Fall eine ausreichend große Notfall-Reserve und können die Zeit bis zur Neubeschaffung vor Ort recht unproblematisch überbrücken. Im Handgepäck sollte darüber hinaus immer eine zusätzliche Reserve von zwei bis drei Tagen mitgeführt werden.

 

Flüssige Medikamente mit in die Flugzeugkabine nehmen – Tipp 3 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Wer auf Medikamente in flüssiger Form – also Tropfen, Ampullen oder Spritzen – angewiesen ist, sollte diese ebenfalls mit ins Handgepäck nehmen und keinesfalls mit dem übrigen Gepäck aufgeben. Im Gegensatz zum Frachtraum können die Arzneimittel in der Flugzeugkabine nicht gefrieren. Besonders fatal für flüssige Medikamente ist nämlich die Volumenausdehnung beim Gefrierprozess. Sie kann Fläschchen und Ampullen zum Platzen bringen.

Für die Mitnahme in die Flugzeugkabine benötigen sich sicherheitshalber eine entsprechende ärztliche Bescheinigung. Im Notfall kann diese auch der Apotheker ausstellen. Darüberhinaus ist es sinnvoll, den Beipackzettel bereit zu halten, falls das Flughafenpersonal wie Sicherheits- oder Zollbeamte Fragen haben. Verpacken Sie Augentropfen, Nasenspray oder Insulin am besten direkt in einem durchsichtigen Plastikbeutel. Bei der Sicherheitskontrolle und dem Check-In sind so kaum Probleme zu erwarten.

 

 

Schutz von wärmempfindlichen Arzneimitteln – Tipp 4 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Es gibt nicht nur kälteempfindliche Medikamente, sondern auch wärmeempfindliche Arzneimittel. Diese bedürfen einer besonderen Kühlung. Sie müssen sowohl beim Transport zum Urlaubsort als auch am Urlaubsort vor Wärme geschützt werden. In Apotheken gibt es hierfür spezielle thermogeschützte Medikamententaschen für die Reiseapotheke zu kaufen.

 

Keine Arzneimittel im Mietwagen lassen – Tipp 5 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Mietwagen sind eine tolle Möglichkeit, das Urlaubsland zu erkunden und so Land und Leute kennen zu lernen. Auch wenn die Außentemperaturen im durchaus angenehmen Bereich liegen, kann das Thermometer im geparkten Auto schnell auf über 60° C klettern. Für solche Temperaturen sind Medikamente in der Regel nicht ausgelegt. Sie verlieren ihre Wirkung. Es gilt daher der dringende Rat: Lassen Sie beim Parken keinesfalls Arzneimittel im Wagen liegen – besonders nicht in sehr warmen Ländern. Sobald Sie aus dem Auto aussteigen, nehmen Sie stattdessen die Medikamente immer mit in klimatisierte Räume wie das Restaurant, die Galerie oder das Hotelzimmer.

 

Bescheinigungen einholen für Arzneimittel, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen – Tipp 6 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Manche Medikamente fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Für diese Gruppe gelten besondere „Reisebedingungen“. So müssen Sie bereits bei der Urlaubsplanung bedenken, dass Sie dafür im Schengen-Raum, der die meisten Staaten der EU, Norwegen sowie Island und die Schweiz umfasst – eine ärztliche Bescheinigung oder eine Beglaubigung der Landesgesundheitsbehörde für die Einfuhr benötigen. Diese amtlichen Dokumente müssen zwingend mehrsprachig sein und Angaben zur Dosierung enthalten, denn die Behörden vor Ort schätzen den Bedarf für die Reise ab und geben diese Menge zur Einfuhr frei. Soll es noch weiter weg gehen, müssen sich die Reisenden während der Reisevorbereitung erkundigen, welche speziellen Regeln im Zielland gelten und ob zusätzliche Formulare und Anträge auszufüllen sind. Die jeweilige Botschaft des Landes aber auch die Website des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind hierfür erste Anlaufadressen.

 

Rechtzeitig Reiseschutzimpfungen auffrischen und die Reiseapotheke zusammenstellen – Tipp 7 fürs Mit-Medikamenten-Reisen

Ist eine Fernreise geplant, so sollte rechtzeitig ein Termin mit dem Hausarzt vereinbart werden. Er wird über die erforderlichen Reiseschutzimpfungen aufklären bzw. auch empfehlen, was zusätzlich in die Reiseapotheke gehört. Ist das Reiseziel besonders exotisch, macht es Sinn, sich direkt an einen Reisemediziner zu wenden.

Eine Urlaubsreise kommt in den seltensten Fällen so plötzlich wie Weihnachten. Machen Sie den Termin daher lieber früher als zwei Wochen vor dem Abflug. Gerade für Impfungen wird meist eine Vorlaufzeit benötigt, bis die Impfung ihr volles Schutzpotential entfalten kann. Als Faustregel gilt: Suchen Sie den Mediziner Ihres Vertrauens rund acht bis zehn Wochen vor Reiseantritt auf. Auch das Gespräch mit dem Apotheker kann man bereits in diesen Zeitraum legen.

 

Beherzigen Reisende all diese Tipps zum Verreisen mit Medikamenten, so steht einem entspannten und erholsamen Urlaub nichts im Weg. Als Patient müssen Sie sich dann jedenfalls keine Sorge machen, dass die Arzneimittel ihre Wirksamkeit verlieren oder kaputt am Urlaubsort ankommen.

 

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