Lungenkrebs: Basale Stammzellen sind Auslöser des Plattenepithelkarzinoms

Vorläuferzellen in der Lunge neigen nach häufigem Reparatureinsatz zur Entartung

Bei den Krebsarten führt Lungenkrebs die Liste der häufigsten Todesursachen sowohl bei Männern als auch bei Frauen an. Bislang verstanden die Mediziner nicht bis ins letzte Detail, wie Lungenkrebs entsteht. Ein vollständiges Bild setzt sich erst nach und nach, quasi Puzzleteil für Puzzleteil, zusammen. Nun haben Forscher der University of Melbourne (Australien) neue Erkenntnisse zur Krebsentstehung in der Lunge veröffentlicht.

© toubibe / pixabay.com

Um den Verdacht „Lungenkrebs“ abzuklären, wird häufig ein Röntgenbild der Lunge gemacht. Raucher haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Die Krebsart kann jedoch auch Nichtraucher treffen.

 

Basale Stammzellen lösen das Plattenepithelkarzinom aus. Es handelt sich hierbei um die zweithäufigste Form von Lungenkrebs. Tagein und tagaus reparieren diese Stammzellen die Lunge, wenn das Lungengewebe durch Umweltverschmutzung oder Zigarettenrauch geschädigt ist. Jedoch können die Basalzellen mutieren. Die Gefahr steigt mit der Häufigkeit ihres Einsatzes. Und genau jene Mutationen führen zur Entartung und damit zur Entwicklung von Krebs. Dann lautet die Diagnose „Bronchialkarzinom“.

 

Häufige Teilungen aufgrund von Reparaturprozessen lassen das Entartungsrisiko ansteigen

Für ihre Daten untersuchten die australischen Forscher jahrelang die Zellproben von Patienten mit Lungenkrebs. Dabei interessierten sich die Wissenschaftler vor allem für die Lungenzellen von jüngeren Krebspatienten. Schließlich brachten die Proben einer Nichtraucher-Lungenkrebspatientin die Forscher auf die richtige Spur: Es gibt eine Korrelation zwischen Rauchstatus und der Qualität der basalen Stammzellen. Bei Patienten, die niemals geraucht hatten, konnte ein niedrigeres Basalzellwachstum nachgewiesen werden. Je stärker der Patient geraucht hatte, desto höher war letztlich die Wachstumsrate.

Die Forscher erklären sich ihre Beobachtungen wie folgt: Jeden Tag sind die Lungen den Stoffen ausgesetzt, die wir einatmen. Und der Mensch atmet nicht nur Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus. In der Atemluft können sich auch Schadstoffe befinden. Wenn wir Abgase einatmen, und letztlich ist Zigarettenrauch auch nichts anderes, verursacht dies Schäden in der Lunge. Dann erhalten die basalen Stammzellen ein Signal, um sich zu teilen, auszudifferenzieren und den Schaden durch neue Zellen zu reparieren. Je öfter sich die Basalzellen jedoch teilen, desto größer ist die Gefahr, dass bei einer Teilung etwas schiefgeht, die Zelle mutiert und Krebs entsteht.

 

 

Ansatz für mögliche Medikamente zur Verhinderung von Lungenkrebs bei Ex-Rauchern?

Für die Wissenschaft ist es von größter Bedeutung, dass sie die Prozesse kennt, die zur Entstehung von Lungenkrebs führen. Nur so lässt sich ein Weg finden, den fatalen Mechanismus zu stoppen. Die jüngst veröffentlichten Erkenntnisse könnten langfristig dazu beitragen, neue Arzneimittel zu entwickeln, um die Entstehung von Krebs bei ehemaligen Rauchern zu verhindern.

Raucher, die nicht in der Lage sind, ihre schlechten Gewohnheiten zu ändern, werden von diesen neu entwickelten Medikamenten sehr wahrscheinlich nicht profitieren, denn diese Medikamente werden vermutlich teilweise die Basalzellen abschalten. Wer dann weiter raucht oder mit dem Rauchen wieder anfangen würde, könnte möglicherweise keinen Krebs, dafür aber andere, schwere Lungenprobleme entwickeln, weil die Reparatur von Lungenschäden eingeschränkt wäre.

 

Hoffnungen bei der Therapie von Lungenkrebs weckt auch die Immuntherapie

Noch sind die Erkenntnisse über die Rolle der basalen Stammzellen sehr neu. Ein entsprechendes Medikament steht in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung. Doch es konnten schon andere Durchbrüche gefeiert werden, um die Behandlung von Lungenkrebspatienten effektiver und damit erfolgreicher zu machen. Insbesondere das Feld der Immunologie weckt gerade im Kampf gegen den Krebs große Hoffnungen. Hier soll mit Hilfe des körpereigenen Immunsystems den Krebszellen der Garaus gemacht werden.

Eine vielbeachtete Studie bewies, dass das Medikament „Pembrolizumab“ deutlich wirksamer ist als eine herkömmliche Chemotherapie. Nach Einsatz von Pembrolizumab sank die Rate von Krebstodesfällen um 40 Prozent. Bei der neuen Immuntherapie greift die körpereigene Abwehr gezielt die Lungentumore an. Durch diese Strategie werden deutlich weniger gesunde Zellen mit abgetötet, wie dies beim Einsatz von nicht-organischen Medikamenten bei einer Chemotherapie der Fall ist.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.