Lipofilling bei Arthrose

Wie Fett hilft, Gelenkverschleiß zu heilen

Körperfett hat nicht den besten Ruf. Ein zuviel davon führt nicht nur zu Übergewicht. Körperfett wird für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht: Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Krebs. Doch Körperfett kann auch helfen, zu heilen. Richtig gelesen, „Fett“ ist nicht per se schlecht, denn im Fettgewebe sind nicht auch zahlreiche Stammzellen und wichtige Wachstumsfaktoren enthalten. Diese sogenannten Stromal Vascular Fraction (SVF) sind ein wichtiger Baustein für die Regenerative Medizin. Aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen können daher die Gewebe-Regeneration anregen. In der Regel ist keine aufwändige Operation erforderlich. Es reicht die Injektion der Zellen in die betroffene Region aus.

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Patienten mit Kniearthrose können davon nur träumen, sich schmerzfrei zu bewegen bzw. sich problemlos hinzuknien oder in die Hocke zu gehen. Durch den Gelenkverschleiß ist der Knorpel schwer geschädigt. Bei Arthrose reiben dann die Knochen direkt aufeinander. Entzündungen im Gelenk entstehen.

 

Fettgewebe ist eine wichtige Quelle für körpereigene Stammzellen

Mediziner wissen seit langem, dass das Fettgewebe eine potentielle und wichtige Stammzellenquelle ist, denn es enthält 500 Mal so viele Stammzellen wie das Knochenmark. Und die Stammzellenquelle „Fettgewebe“ wirft ein weiteres Pfund in die Waagschale: Während die Anzahl der Stammzellen im Knochenmark mit zunehmendem Alter immer weiter sinkt, bleibt die Zahl der Fettstammzellen (ASC = adipose-derived mesenchymal stem cells) konstant. Somit stehen auch bei älteren Patienten in der Regel immer genügend Stammzellen für eine Stammzellentherapie zur Verfügung

Auf der ganzen Welt arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, aus diesen Erkenntnissen neue Therapie-Optionen zu entwickeln. Auf besonders große Fortschritte kann dabei die Arthrose-Therapie verweisen. Hier stehen besonders die großen Gelenke wie Knie, Schulter oder Hüfte im Fokus.

Vorreiter bei der Therapie mit Fettstammzellen ist aber die Behandlung der sogenannten Rhizarthrose. Hier zeigt das Daumensattelgelenk deutliche Abnutzungsspuren, sodass die Knochen ungeschützt aufeinander reiben, das Gelenk sich entzündet und schmerzt. Doch auch für die Behandlung von chronischen, offenen Wunden, die seit Wochen und Monaten nicht zuheilen wollen, haben sich die Fettstammzellen bereits empfohlen. Experten prophezeien dem „Lipofilling“, also dem Unterspritzen von Geweben mit Fettzellen, eine große Zukunft. Es könnte die Medizin ähnlich revolutionieren wie einst die Entdeckung des Antibiotikums „Penicillin“.

 

Beim Lipofilling handelt es sich um einen recht komplikationslosen Eingriff

Das Ausgangsmaterial für das Lipofilling ist normales Fettgewebe. Davon hat jeder Mensch an Bauch und Hüfte in der Regel mehr als genügend. Viele Menschen haben sogar deutlich zu viel Fettgewebe und möchten es loswerden. Sie legen sich daher heute schon „unters Messer“ beim Schönheitschirurgen. Die klassische „Fettabsaugung“ (Liposuktion) kommt jedoch ohne große Schnitte aus. Sie gehört in den Schönheitskliniken zu den Routineeingriffen.

Die dabei gewonnenen Fettzellen werden in der modernen plastischen Chirurgie jedoch nicht weggeworfen, sondern beispielsweise zum Unterspritzen von Falten genutzt. Auch ist ein Brustaufbau nach einer Krebstherapie mit einer autologen Fetttransplantation möglich. Das Verfahren lässt sich ebenso für eine sanfte und natürliche Brustvergrößerung nutzen. Mit Hilfe des Lipofillings können „Beauty-Docs“ auch größere Narben, wie sie manchmal bei der Strahlentherapie während einer aggressiven Krebstherapie entstehen, korrigieren.

Und da die Erfolge des Eigenfettes so großartig sind, versuchten Wissenschaftler den Ansatz auch auf andere Krankheitsbilder – beispielsweise den Gelenkverschleiß, wie die Arthrose im Volksmund häufig genannt wird – zu übertragen.

 

 

Stammzellen-Behandlung bei Arthrose: Erst Fettabsaugung, dann Injektion der Fettstammzellen direkt ins Gelenk

Die Stammzellen-Behandlung bei Arthrose ist ein zweistufiger Prozess: Zunächst wird das überschüssiges Fett per Liposuktion abgesaugt. Der Eingriff dauert ungefähr 30 Minuten und erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Im zweiten Schritt werden die gewonnenen Fettstammzellen in das betroffene Gelenk injiziert. Sie wirken dort einerseits entzündungshemmend und andererseits kurbeln sie Regenerationsprozesse an. Die mit den Fettzellen eingebrachten Botenstoffe verbessern nachweislich lokal den Stoffwechsel. Doch nicht nur die Knorpelregeneration wird mittels autologer Fettstammzellen angeregt. Auch bei der Regeneration von Sehnen wie z. B. beim „Achillessehnen-Riss“ oder beim „Tennisellenbogen“ wurden bereits sehr gute Heilerfolge beobachtet.

Untersuchungen zeigen außerdem, dass das Verfahren sehr risikoarm ist. Es kommt zwar zu lokalen Schwellungen und Blutergüssen. Jedoch wurden bei sachgerechter Anwendung wenig ernste Nebenwirkungen beobachtet, da die autologen Fettstammzellen in der Regel sehr gut vertragen werden. Es handelt sich immerhin um körpereigene Zellen, sodass die Komplikation „Abstoßungsreaktion“ ausgeschlossen ist.

Noch übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Lipofilling bei Arthrose nicht. Privatversicherte können jedoch bei Ihrer privaten Krankenkasse nachfragen, ob die Kostenerstattung teilweise übernommen wird. Die Kosten für die autologe Fettstammzellentransplantation belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Sie sind abhängig von der Größe des betroffenen Gelenks sowie vom Ausmaß der krankhaften Veränderungen durch die Arthrose.

 

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