Lichttherapie gegen Winterdepression

In der dunklen Jahreszeit droht ein Lichtmangel, der aufs Gemüt schlägt

Die dunkle Jahreszeit – vor allem im November und Dezember – macht ihrem Namen alle Ehre. Die Tage sind grau und nebelig. Man geht früh morgens im Dunkeln aus dem Haus und kommt abends nach getaner Arbeit im Dunkeln heim. Und zwischendurch wird es auch nicht wirklich hell. Das kann durchaus aufs Gemüt schlagen, denn das persönliche Wohlbefinden hängt auch maßgeblich von der täglichen Dosis „Tageslicht“ ab.

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Die Sonne lässt sich an manchem trüben Herbst- und Wintertag gar nicht blicken. Dann droht ein Lichtmangel. Manche Menschen entwickeln sogar eine Herbst-Winter-Depression, die darauf zurückzuführen ist, dass sich unser Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt. Mit einer Lichttherapie lassen sich die Verstimmungen jedoch behandeln.

 

An klaren, sonnigen Sommertagen bekommt der Organismus beim Aufenthalt im Freien eine Beleuchtungsstärke von bis zu 100.000 Lux ab. Selbst an bedeckten Tagen sind es immerhin noch rund 20.000 Lux. An einem trüben Wintertag kommt jedoch nur noch ein Bruchteil davon an – nämlich 3.500 Lux. Die Diagnose lautet dann schlicht und ergreifend: Lichtmangel. Lichtmangel kann mit ein Auslöser für eine Herbst-Winter-Depression sein, die auch als Herbstblues bzw. Winterblues oder als saisonale affektive Störung (kurz: SAD) bezeichnet wird.

Wer im Sommer keine Depression hat und sich plötzlich im Herbst und über den Winter hinweg schlecht fühlt, leidet sehr wahrscheinlich unter einer Herbst-Winter-Depression. Ein weiteres Indiz für diese Diagnose ist es, wenn sich die Niedergeschlagenheit schlagartig bessert, sobald die Tage im März und April wieder spürbar länger werden.

 

Lichtmangel schlägt aufs Gemüt und bringt den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander

Dadurch, dass der Körper im Herbst und Winter weniger Lichteinheiten und somit weniger Tageslicht abbekommt, verschiebt sich der Tag-Nacht-Rhythmus. Experten sprechen hier auch von Zirkadianrhythmus, der durch den Lichtmangel aus dem Takt gerät. Mit der ausgelösten Verschiebung geht ein hormonelles Ungleichgewicht herein, denn der Serotonin-Haushalt verändert sich. Wir verspüren eine größere Müdigkeit und neigen zu depressiven Verstimmungen, da das Melatonin, das normalerweise nur abends ausgeschüttet wird, nun auch tagsüber produziert wird. Zusammen mit dem Serotonin koordiniert Melatonin den Schlaf-Wach-Rhythmus. Während Serotonin häufig auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird, ist Melatonin besser als „Schlafhormon“ bekannt.

Misst man den Melatonin-Spiegel bei gesunden Patienten, die keine jahreszeitlich bedingten Verstimmungen verspüren, mehrmals am Tag, so entsteht eine Kurve. Am Tag haben diese Menschen einen geringen Melatoninspiegel, der am Abend rasch ansteigt. Dieser Anstieg bewirkt, dass wir müde werden. Bei Patienten, die unter dem Herbstblues bzw. einer Winter-Depression leiden, ist der Melatoninspiegel den ganzen Tag über erhöht. Es verwundert daher nicht, dass sich die Betroffenen den ganzen Tag über müde und antriebslos fühlen. Der Anstieg des Spiegels am Abend fällt nur noch sehr gering aus, was zu weiteren Problemen führt. Die Patienten klagen über einen unruhigen Schlaf und Schlafstörungen.

 

Lichttherapie fängt Lichtmangel auf

Die Lichttherapie zur Behandlung der Herbst-Winter-Depression setzt an der entscheidenden Stelle an: dem fehlenden Tageslicht. Sie ersetzt also das fehlende Licht und füllt so die Lichtmenge auf. Die Lichttherapie nutzt dabei den natürlichen Aktivierungsweg des Lichts. Das Licht kommt auf der Netzhaut an. Die Information über das eingetroffene Licht wird über die Nervenbahn des Tractus retinohypothalamicus direkt zum Zwischenhirn geleitet. Dort steuert es die Melatoninproduktion in der Zirbeldrüse. Das Licht, dem der Organismus morgens ausgesetzt wird, senkt den Melatoninspiegel während des Tages. Wir werden munterer und fühlen uns stärker.

Aus diesem Grund sollten die Lichttherapie-Einheiten morgens oder am Vormittag stattfinden. Studien zeigen, dass Lichtlampen mit einer Lichtintensität von 10.000 Lux die besten Ergebnisse erzielen. Pro Anwendungseinheit sollte man sich eine halbe bis ganze Stunde vor das Gerät setzen und dabei einen Abstand von 50 bis 80 Zentimetern halten. Wichtig ist es, auch immer wieder direkt ins Licht zu schauen, denn nur so kann können die spezifischen Rezeptoren im Auge aktiviert werden.

Betroffene sollten sich auf keinen Fall einfach vor irgendeine Lampe setzen. Damit die Lichttherapie gegen die Herbst-Winter-Depression wirkt, muss es eine medizinische Lichtlampe sein. Diese besonderen Lampen senden weißes Licht aus und bilden das gesamte Lichtspektrum ab. Sie sind entsprechend getestet und daher für die Netzhaut unbedenklich. Patienten, die von einem Netzhautschaden wissen, sollten jedoch im Vorfeld mit ihrem Augenarzt darüber reden. Falls erforderlich wird er eventuell nochmals eine Voruntersuchung vornehmen.

 

 

Lichttherapie gegen die Winterdepression wirkt schnell

In der Regel reagieren Patienten bereits nach kurzer Zeit auf die Lichttherapie. Die Betroffenen berichten im Schnitt nach vier Tagen, dass sie eine Besserung verspüren. Um in Zukunft die Beschwerden besser in den Griff zu bekommen, ist es erforderlich, die Lichttherapie von November bis März jeden Tag zu machen. Bei der Herbst-Winter-Depression setzt die Wirkung der Lichttherapie übrigens deutlich schneller ein als die eines Antidepressivums. Das Medikament muss mindestens zwei Wochen lang eingenommen werden, bevor sich die ersten Verbesserungen einstellen. Wie bei Antidepressiva lässt jedoch die Wirkung der Lichttherapie ebenso nach, sobald man ein paar Tage mit dem „Lichttanken“ pausiert. Daher ist eine lückenlose Anwendung während der dunklen Jahreszeit, also im Spätherbst und Winter, dringend angeraten.

Die Hälfte der Patienten braucht nur die Lichttherapie, um die Herbst-Winter-Depression in den Griff zu bekommen. Die andere Hälfte benötigt zusätzlich weitere Medikamente. Einige Experten vermuten auch, dass ein prophylaktischer Einsatz der Lichttherapie beim Herbst- und Winterblues durchaus sinnvoll ist. Betroffene könnten frühzeitig im Herbst mit der Lichttherapie beginnen und so dafür sorgen, dass die Herbst-Winter-Depression in dieser Saison gar nicht erst ausbricht. Damit lässt sich womöglich das „Krankheitsgedächtnis“ des Körpers austricksen, denn die Fachärzte können häufig auch beobachten, dass depressive Episoden immer schwieriger werden, je öfters sie auftreten. Das schadet dem Körper und erschwert darüberhinaus die Behandlung.

 

Prophylaxe gegen Winterdepression: Raus ins Freie

Als Prophylaxe, damit es gar nicht erst zum Herbstblues kommt, der sich in eine Winterdepression auswachsen könnte, sollte jeder darauf achten, sich möglichst viel im Freien aufzuhalten. Denn selbst wenn es draußen grau und regnerisch ist, sind die Lichtintensitäten outdoor größer als man gemeinhin annimmt. An einem Wintertag kommen wir immerhin noch in den Genuss von 3.500 Lux. Im Indoor-Bereich sieht es viel, viel schlechter aus. Im Wohnzimmer ist es nur 50 – 100 Lux hell. Ein guter und hellausgeleuchteter Arbeitsplatz bringt es auf ca. 500 Lux.

Auch Omega-3-Fettsäuren wird eine antidepressive Wirkung nachgesagt. Daher sollte viel fetter Fisch, aber auch Nüsse und Samen im Winter häufiger auf den Speiseplan gesetzt werden, um der Herbst-Winter-Depression ein Schnippchen zu schlagen.

 

Disclaimer
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