Work-Life-Balance

Die richtige Balance zwischen Arbeit & Privatem führt zur inneren Zufriedenheit

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber diskutieren das Thema Work-Life-Balance seit einigen Jahren. Doch was steckt hinter dem Begriff und wie können wir Arbeit und Freizeit in Balance halten? Die Redaktion von familien-gesundheit.de wirft einen Blick auf das, was für die einen unabdingbar ist zur Selbstbestimmung und für den anderen eher einen Einschnitt in eben jene bedeutet. Die Mitte zwischen beiden Polen ist jedoch das, was die meisten Menschen zufrieden macht. Wie lässt sie sich finden?

 

Was ist die Work-Life-Balance?

Als Work-Life-Balance wird jener Zustand beschrieben, in dem sich das private und das berufliche Leben im Einklang befinden. Dabei kommt es sehr auf die die eigene Lebensgestaltung an – also die individuellen und persönlichen Ziele im privaten sowie im beruflichen Kontext. Nicht selten wird im Arbeitskontext von „Karriere machen“ geredet, aber auch davon „Leben und Arbeit unter einen Hut zu bringen“. Was Work-Life-Balance für den Einzelnen ist, muss demnach jeder für sich selbst entscheiden.

Nichts spricht dagegen, im eigenen Beruf aufzugehen. Schließlich haben die Worte Berufung und Beruf den gleichen Wortstamm. Wer in der Firma aufsteigen  möchte, muss sich voll und ganz mit dem Unternehmen identifizieren und engagieren. Arbeitspsychologen raten hier jedoch zur Vorsicht. Was passiert, wenn das Unternehmen pleitegeht, der Arbeitnehmer gefeuert wird oder irgendwann einmal das Rentenalter erreicht ist? In diesen Momenten fällt die zentrale Identifikation des Selbst von jetzt auf gleich weg. Es kann sich dann schnell das Gefühl einstellen, dass man den Großteil seines bisherigen Lebens für nichts und wieder nichts geopfert hat. Um diese Leere aufzufangen, hilft ein fester Freundeskreis, mit anderen geteilte Interessen, ehrenamtliche Tätigkeit oder auch das klassische Hobby. Doch für die Pflege und den Aufbau eines solchen sozialen Netzwerkes brauchen Arbeitnehmer Freizeit, die beim Karriere-Machen in der Regel sehr rar gesät ist.

Auf der anderen Seite der Work-Life-Balance steht das rein Private. Hier sieht es allerdings auch nicht immer rosig aus. Natürlich ist Freizeit gut, die man hat und sinnvoll für die eigene Weiterentwicklung nutzen kann – egal ob für Freunde, Ehrenamt oder eigene Interessen. Doch ohne finanzielle Spielräume stellt uns das gesellschaftliche und staatliche Leben vor Hürden. Wenig oder keine Arbeit bedeutet auch kein oder wenig Einkommen. Jedoch müssen Rechnungen beglichen werden, bestimmte Versicherungen sind nötig und die Ausgaben für Wohnraum reißen mancherorts große Löcher in die Haushaltskasse. Wer dann auf Grundsicherung oder Hartz IV angewiesen ist, weil er angeblich „nichts“ zum gesellschaftlichen Leben beiträgt, wird schnell als „Sozialschmarotzer“ und „Taugenichts“ abgestempelt und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Eine Fahrt mit dem ÖPNV oder ein Besuch im Kino bzw. Theater wird dann schnell zum Luxusgut. Es gilt also den Spagat zu schaffen, zwischen einerseits möglichst viel Freizeit zur freien Entfalten und dem Nachgehen der eigenen Interessen und andererseits genügend Einkommen aus einer beruflichen Tätigkeit zu haben, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht wenige Menschen denken hier über alternative Lebensstile nach.

 

Tipps um die eigene Work-Life-Balance auf den Weg zu bringen

 Es gibt einige Maßnahmen, die sich je nach Arbeitsumfeld umsetzen lassen, um eine Work-Life-Balance zu schaffen, die Mehrwerte schafft und das Leben lebenswert macht.

 

Eigene Bedürfnisse und Ziele kennen(lernen)

Zunächst können Sie sich fragen, ob Sie mit Ihrer Gestaltung des Alltags zufrieden sind. Was erwarten Sie von Ihrem Job und was von Ihrer Freizeit? Eine Liste mit Pro- und Contra-Punkten kann dabei helfen, den Ist-Zustand Ihrer derzeitigen Situation zu erfassen. Stehen wenige Punkte auf der Contra-Seite? Super! Sie haben anscheinend schon den richtigen Weg eingeschlagen, um Ihre innere Zufriedenheit zu finden oder aufrechtzuerhalten. Sind die Pro-Punkte wenige und die Contra-Punkte viele, lohnt es sich für Sie, nach Möglichkeiten zu suchen, um das Verhältnis anders zu gestalten.

 

Die Zeit, die Ihre Arbeit einnimmt

Gerade bei Vollzeit-Festangestellten oder Unternehmern ist der Zeitaufwand für die tägliche Arbeit enorm. Wenn sie zudem nach Ihrer (festgelegten) Arbeitszeit nach Feierabend oder am Wochenende noch Mails lesen oder ein Meeting „einschieben“, kann dies schnell dazu führen, dass Sie am Ende der Woche deutlich mehr Stunden auf Ihrem Arbeitszeitkonto aufweisen, als sie bezahlt bekommen. Diese Zeit fehlt dann für sich, die Familie, Freizeitaktivitäten oder auch den Haushalt.

Schalten Sie das Handy und den Laptop aus! Die Firma wird aufgrund Ihrer wohlverdienten Abwesenheit vermutlich nicht direkt untergehen und Ihre Liebsten werden es Ihnen danken, dass Sie am gemeinsamen Sonntagsspaziergang teilnehmen und neue Kraft tanken können.

 

Vollzeit oder Teilzeit?

Natürlich müssen in der heutigen Zeit genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um das tägliche Leben bewältigen zu können. Allerdings können Sie in Absprache mit Ihrem Chef und dem Partner bzw. der Partnerin ruhig diskutieren, ob eine Arbeitszeitreduzierung in Frage kommt. Es gibt verschiedene Modelle, die sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern zur Verfügung stehen, um die Work-Life-Balance des Einzelnen zu unterstützen. Eine intensivere Kinderbetreuung oder auch die lang ersehnte Weltreise ist damit nicht mehr allzu fern. Zudem steht Ihnen per Gesetz als Arbeitnehmer unter bestimmten Umständen zu, Ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

 

Ihre Produktivität

In der Regel ist unsere Effizienz und unsere Produktivität entscheidend für den Arbeitgeber. Verschiedene Umstellungen in Unternehmen und auch statistische Erhebungen haben allerdings die Erkenntnis erbracht, dass in vielen Fällen und Wirtschaftszweigen das produktive und effiziente Arbeiten nach 6 Stunden Arbeit rasant abnimmt. Es gibt große Firmen, die daher den 8-Stunden-            Arbeitstag abgeschafft haben, teils bei gleichbleibendem Gehalt. Das Mehr an Freizeit, welches die Arbeitnehmer daraus schöpfen können, trägt maßgeblich zu ihrer Work-Life-Balance bei und steigert am Ende auch die Produktivität und Kreativität im Unternehmen. Es handelt sich somit um eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

 

Das Homeoffice

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Das birgt Vor- und Nachteile. Es kann sich allerdings lohnen, die Heimarbeit auszutesten. Zur selben Zeit in der Sie konzentriert Mails beantworten, Telefonate führen oder Ausarbeitungen vornehmen, kann die Waschmaschine ihren Dienst tun und gerade Eltern können davon profitieren, früh weniger Stress zu haben, ihren Nachwuchs in den Kindergarten oder die Schule zu bringen.

Aber Vorsicht: Das Homeoffice birgt die Gefahr Beruf und Freizeit stärker zu vermischen und Ihrem Bestreben nach einer gesunden Work-Life-Balance im Wege zu stehen. Daher sollten Sie sich genaue Zeiten setzen, wann Sie arbeiten und wann der Laptop Laptop sein darf.

 

Das Geld reicht bei weniger Arbeit nicht zum Leben aus

Nun haben Sie vielleicht den Schritt gewagt und sich mit Ihrem Chef und Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin geeinigt, weniger arbeiten zu gehen. Soweit so gut – aber nun reichen die finanziellen Mittel nicht mehr aus, um Ihren Lebensstandard zu halten. In Zeiten des Kapitals und der Statussymbole fällt es da natürlich schwer, den Blick auf die essentiellen Dinge des Lebens zu richten. Sie haben in diesem Szenario verschiedene Möglichkeiten: Sie können wieder in Ihr altes Arbeitszeitmodell zurückkehren und stehen vor derselben Situation wie einst. Oder Sie überdenken Ihren Lebensstandard. Benötigen Sie tatsächlich zwei Autos, mehrere Handys und muss es immer der teure Luxusurlaub sein? Ganz klar sind das schwierige Entscheidungen, die unter Umständen einen Großteil des eigenen Weltbildes auf den Kopf stellen können. Aber die eigenen Ansprüche zu ändern und dabei nicht das Gefühl aufkommen lassen, dass Sie verzichten, sondern dass sie sich vielmehr verändern, läutet garantiert einen spannenden Lebensabschnitt ein. Oft stellt dies einen wichtigen Schritt zur Work-Life-Balance dar.

 

Ist das, was Sie tun, wirklich das, was Sie tun möchten?

Die Anforderungen der Arbeitswelt haben sich verändert. Oftmals sind Spezialisten gefragt, was den Wechsel in ein anderes Arbeitsverhältnis mit neuen Aufgaben deutlich erschweren kann. Allerdings sind viele Arbeitgeber auch offen für Quereinsteiger oder suchen explizit nach Menschen aus anderen Bereichen. Wenn Sie unzufrieden mit Ihren derzeitigen Aufgaben im Arbeitsalltag sind, schauen Sie einfach mal über den Tellerrand hinaus. Oftmals eröffnen sich neue Möglichkeiten, welche entscheidend zur individuellen Work-Life-Balance beitragen.

 

Die Work-Life-Balance – ein Konzept für alle?

So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Berufe, die sie ausüben. Je nach den eigenen Möglichkeiten und Zielen und denen des Unternehmens ergeben sich verschiedene Rahmenbedingungen. In jedem Fall ist es zielführend, wenn Sie sich mit Ihrer derzeitigen Situation und den zentralen Dingen des Lebens auseinandersetzen. Liegt Ihr Fokus auf der Karriere, der Familie oder Ihrer privaten Weiterentwicklung? Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen Ihre Zufriedenheit und ob Sie sich zu weit von Ihren gesteckten Zielen entfernt haben. Stellen Sie sich auch die Frage, ob Arbeit wirklich das halbe Leben ist oder nicht auch nur ein Teil von vielen sein sollte. Dabei sollten Sie auch Ihre Gesundheit nicht unterschätzen. Sowohl Rückenschmerzen, Depressionen oder auch ein Burn-Out können Indikatoren dafür sein, dass Ihre Work-Life-Balance eine Regulierung benötigt.

Am Ende des Tages haben Sie nur dieses eine Leben und das sollten Sie in vollen Zügen genießen. Carpe diem!