Wiskott-Aldrich-Syndrom (WAS)

Wiskott-Aldrich-Syndrom: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Nicht alle Krankheiten, die unseren Organismus schädigen, werden im Laufe unseres Lebens erworben. In einigen Fällen können sie auch vererbt sein. Hierbei besitzen ein oder beide Elternteile fehlerhafte Gene, die als Auslöser fungieren. Eine dieser Erbkrankheiten ist das Wiskott-Aldrich-Syndrom, eine seltene und gravierende Blutbildungsstörung. Sie tritt bei männlichen Lebendgeborenen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:100.000 bis 1:250.000 auf. Damit gehört das Wiskott-Aldrich-Syndrom zu den Seltenen Krankheiten.

 

Definition: Was ist das Wiskott-Aldrich-Syndrom?

Bei einem Wiskott-Aldrich-Syndrom handelt es sich um einen seltenen, vererbbaren Gendefekt, der eine Insuffizienz der Blutgerinnung und des Immunsystems hervorruft. Durch das sogenannte WAS-Gen kommt es zu einer fehlerhaften Bildung des Wiskott-Aldrich-Proteins (WASP), was zur Verminderung und Beeinträchtigung der Antikörper und Blutplättchen (Thrombozyten) führt. Benannt ist das Syndrom nach dem deutschen Kinderarzt Alfred Wiskott und dem Amerikaner Robert Anderson Aldrich.

Ein Wiskott-Aldrich-Syndrom wird X-chromosomal rezessiv vererbt, was bedeutet, dass überwiegend Jungen von der Krankheit betroffen sind, wenn sie das fehlerhafte Chromosom von der Mutter erhalten. Nur, wenn beide X-Chromosome von Mädchen betroffen sind, können sie die Erkrankung ebenfalls ausbilden. Dies kommt jedoch recht selten vor, nicht zuletzt, da die Krankheit die Lebenserwartung der männlichen Betroffenen enorm einschränkt und sie meist vor der Pubertät und damit dem Erreichen der Zeugungsfähigkeit versterben.

 

Ursachen & Symptome des Wiskott-Aldrich-Syndroms

Wie bereits erwähnt ist ein Wiskott-Aldrich-Syndrom eine vererbte Störung: Sie wird also durch ein fehlerhaftes Gen eines Elternteils ausgelöst und kann nicht im Laufe des Lebens erworben werden.

Die ersten Symptome der Krankheit treten in der Regel bereits kurz nach der Geburt in Form von punktförmigen Hauteinblutungen (Petechien) auf, welche durch den Thrombozyten-Mangel hervorgerufen werden. Auch ein neurodermitis-ähnliches Ekzem kann sich ebenfalls in den ersten Lebenstagen manifestieren. Im weiteren Verlauf des Wiskott-Aldrich-Syndroms bewirkt die Krankheit aufgrund der Gerinnungsstörung immer wieder blutige Durchfälle, eine allgemeine Blutungsneigung bei Verletzungen sowie innere Blutungen. Da das Immunsystem durch die fehlerhafte Blutbildung ebenfalls gestört ist, sind Patienten außerdem anfällig für schwere Infektionen wie Ohren- und Lungenentzündungen sowie für bestimmte Krebs- und Autoimmunerkrankungen.

 

Therapie & Behandlung des Wiskott-Aldrich-Syndroms

Die Behandlung eines Wiskott-Aldrich-Syndroms konzentriert sich zuallererst auf die einzelnen Symptome, die durch die Krankheit ausgelöst werden. So werden im Falle einer gestörten Synthese der Antikörper Immunglobuline intravenös oder subkutan verabreicht. Der Mangel an Thrombozyten wird medikamentös mit Kortison behandelt. Bei akuten, schweren Blutungen ist die Transfusion von Bluttplättchen-Konzentraten angezeigt. Beim Auftreten von Infektionen hilft die Gabe von Antibiotika. Dies kann jedoch aufgrund des hohen Infektionsrisikos der Betroffenen auch bereits prophylaktisch geschehen. Die Ekzeme und Hautausschläge werden mit Salben und Cremes behandelt. Diese sind überwiegend rückfettende, eventuell jedoch auch kortisonhaltige.

Eine medikamentöse Therapie zur dauerhaften Heilung eines Wiskott-Aldrich-Syndroms existiert derzeit nicht. Dies ist nur durch eine Stammzellentransplantation zu erreichen.

 

Wie kann die Stammzellenforschung helfen?

Eine Stammzellentransplantation stellt bislang die einzige kausale Behandlungsmethode bei einem Wiskott-Aldrich-Syndrom dar. Ohne diese sterben Betroffene in der Regel etwa zehn Jahre nach Ausbruch der Krankheit. Zur Vorbereitung auf die Stammzellentransplantation wird das Immunsystem des Patienten durch eine aggressive Chemotherapie vollständig zerstört. Anschließend erfolgt die Transplantation blutbildender Stammzellen eines gesunden, kompatiblen Spenders (vorwiegend eines Geschwisterkindes). Die neuen hämatopoetischen Stammzellen sollen die korrekte Blutbildung, also die Hämatopoese, aufbauen und somit auch für ein funktionierendes Immunsystem sorgen.

Allerdings birgt eine Stammzellentransplantation trotz bestmöglicher Kompatibilität des Spenders mit dem Empfänger und optimaler Vorsorge immer hohe Risiken. Neben eventuell auftretenden Abstoßungsreaktionen (z. B. GvHD) kann es zu schwerwiegenden Infektionen kommen – vor allem in der Phase, in der die neuen Stammzellen zunächst anwachsen müssen.

Ein weiterer Ansatz für die Behandlung des Wiskott-Aldrich-Syndroms besteht in einer Gentherapie. Sie wurde bereits in ersten klinischen Studien getestet. Hierbei erfolgt die Behandlung der Betroffenen mit eigenen Stammzellen, in denen die fehlerhaften Gensequenzen mithilfe eines viralen Vektors gegen intakte ausgetauscht werden. Bei einem viralen Vektor handelt es sich letztlich um nichts anderes als um ein modifiziertes Virus, dass die gewünschten Genabschnitte in die Zielzellen einschleust. Die so reparierten Stammzellen vermehren die Mediziner anschließend im Labor und verabreichen sie dem Patienten später wieder, um eine Selbstheilung zu bewirken. Allerdings besteht bei der Gentherapie ein hohes Risiko, dass Zellen entarten und somit Krebs verursachen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Wiskott-Aldrich-Syndrom“

Was ist ein Wiskott-Aldrich-Syndrom?

Ein Wiskott-Aldrich-Syndrom ist eine X-chromosomal rezessiv vererbte Störung der Blutgerinnung und des Immunsystems, welche überwiegend Jungen betrifft. Das fehlerhafte Gen bewirkt Fehlbildungen im Wiskott-Aldrich-Protein. Aufgrunddessen kommt es zu einer verminderten oder inkorrekten Produktion bestimmter Blutbestandteile wie Antikörper und Blutplättchen. Dies führt zu verschiedenen Symptomen wie etwa Hautausschlag, Blutungs- und Infektionsanfälligkeit. Ohne Stammzellentransplantation beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Erkrankten in der Regel 10 Jahre.

 

Wie kann ein Wiskott-Aldrich-Syndrom festgestellt werden?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf ein Wiskott-Aldrich-Syndrom hinweisen können. Um diese zu ermitteln, werden verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt. An erster Stelle sind hier die Familienanamnese und eine körperliche Untersuchung zu erwähnen. Anschließend werden Laborbefunde herangezogen. Indikatoren eines WAS sind hierbei eine schwere Thrombocytopenie mit zu kleinen Blutplättchen sowie eine starke Verminderung der IgM-Antikörper bei einer übermäßigen Erhöhung der IgA-, IgD- und IgE-Antikörper. Ein weiteres Anzeichen für ein Wiskott-Aldrich-Syndrom sind schwere Lymphopenien, also ein Mangel an Lymphocyten im Blut, welche etwa ab dem sechsten Lebensjahr auftreten.

 

Was ist eine X-gebundene Thrombocytopenie?

Bei einer X-gebundenen Thrombocytopenie handelt es sich um eine milde Variante des Wiskott-Aldrich-Syndroms: Hierbei steht der Mangel an Blutplättchen im Vordergrund. Während sie in manchen Fällen mit denselben Symptomen und Krankheitsanfälligkeiten verlaufen kann wie das klassische WAS, haben manche Betroffenen bis auf die Thrombocytopenie keine weiteren Krankheitszeichen. In seltenen Fällen wurden auch schon Patienten beobachtet, bei denen der Blutplättchen-Mangel nur vorübergehend, allerdings wiederkehrend auftritt. Während die Lebensqualität durch krankheitsbedingte Komplikationen stark eingeschränkt werden kann, können an der milden WAS Erkrankte eine annähernd normale Lebenserwartung haben.