Wharton-Sulze

Definition: Was ist die Wharton-Sulze?

Mit dem Begriff Wharton-Sulze wird die gallertartige Bindegewebsmasse der Nabelschnur bezeichnet. In der Literatur findet sich parallel auch noch die Bezeichnung „Whartonsche Sulze“. Im Englischen heißt sie Wharton’s jelly. Benannt wurde das Gewebe nach dem englischen Arzt Thomas Wharton. Er hat es im Jahre 1656 erstmalig beschrieben.

 

Als Pufferschicht übernimmt die Wharton Sulze die Aufgabe eines Bodyguards

Die Wharton-Sulze sorgt für die große Elastizität der Nabelschnur und schützt damit das Baby im Mutterleib vor Versorgungsengpässen, denn das Bindegewebe umschließt die Gefäße in der Nabelschnur. Die „Pufferschicht“ bietet Schutz vor dem Abknicken oder Biegebelastungen, die aufgrund der kindlichen Bewegungen entstehen. Die Wharton-Sulze übeernimmt damit die Aufgaben eines Bodyguards.

Das Gewebe der Wharton-Sulze besteht aus Kollagen sowie retikulären Fasern, die zu Bündeln zusammengeschlossen ist. Dank der verzweigten Fibrozyten, den sogenannten Flügelzellen, entsteht so eine schwammartige Struktur. Zusätzlich wird Hyaluronsäure eingelagert, sodass die Wharton-Sulze enorme Mengen an Wasser speichern kann. Außerdem sorgt die Hyaluronsäure dafür, dass das Gewebe enorm elastisch bleibt und so jederzeit die Schutzfunktion für die wichtigen Blutgefäße übernehmen kann.

Bereits im Mutterleib spielt das Kind nämlich mit der Nabelschnur. Die „Versorgungsleitung nach draußen“ ist quasi das allererste Spielzeug im Leben. Mit etwas Glück können die werdenden Eltern beim „Baby-TV“, also dem 3D-Ultraschall, erkennen, wie das Baby an der Nabelschnur zieht und sie zusammendrückt. Diese Belastungen sind jedoch kein Problem, denn genau dafür ist die Nabelschnur dank der Wharton-Sulze ausgelegt.

 

Neben der Wharton-Sulze: Wie ist die Nabelschnur aufgebaut?

Die Nabelschnur ist zwischen 50 und 60 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von ca. ein bis zwei Zentimetern. Sie ist von Amnionepithel umgeben. Es umschließt die Wharton-Sulze und die drei Blutgefäße der Nabelschnur. In der Nabelschnur verlaufen die Nabelvene (Vena umbilicalis) sowie die beiden Nabelarterien (Arteriae umbilicalis). Die Blutgefäße verbinden den Fötus mit der Plazenta und somit mit dem Kreislauf der Mutter.

Die Nabelvene versorgt das Baby mit Sauerstoff und allen wichtigen Nährstoffen, die es für sein Wachstum und die Entwicklung benötigt. Die beiden Arterien transportieren die Abbauprodukte des kindlichen Stoffwechsels ab – so beispielsweise das Kohlenstoffdioxid. Die beiden Arterien winden sich dabei spiralförmig um die Nabelvene. Das stabilisiert neben der Wharton-Sulze die Nabelschnur nochmals zusätzlich.

In der Nabelschnur selbst verlaufen übrigens keine Nervenbahnen. Das Abnabeln nach der Geburt, bei dem die Nabelschnur durchtrennt wird, ist daher komplett schmerzfrei für Mutter und Kind. Das Durchtrennen der Nabelschnur ist ein magischer Moment und oftmals Aufgabe des frischgebackenen Papas. Bevor die Nabelschnur durchtrennt werden kann, wird sie von der Hebamme oder dem Arzt mit einer Nabelklemme zweifach abgeklemmt. Der Nabelschnurrest, der am Kind verbleibt, trocknet ein und fällt ca. drei bis zehn Tage nach der Geburt von allein ab. Zurück bleibt der Bauchnabel – die erste Narbe im Leben und Zeugnis eines ganz besonderen Abenteuers.

Nach der Geburt verändert sich die Beschaffenheit der Wharton-Sulze aufgrund der geringeren Umgebungstemperatur. Diese Strukturveränderung unterstützt den Verschluss der Nabelschnurgefäße und hilft so, dass das Neugeborene in der Welt ankommt.

 

Die Wharton-Sulze beherbergt einen Teil des Schatzes aus der Nabelschnur

Im Bindegewebe der Wharton-Sulze sind neben Kollagen und Hyaluronsäure besonders viele mesenchymale Stammzellen eingelagert. Sie sorgen dafür, dass die Nabelschnur jederzeit mitwachsen kann. Im Rahmen der Regenerativen Medizin sind diese neonatalen mesenchymalen Stammzellen (MSCs) hochinteressant. Sie können heute für zukünftige Therapien eingelagert werden. Dazu wird ein Stück der Nabelschnur gesichert und von spezialisierten Zellbanken kryokonserviert – meist zusammen mit dem Nabelschnurblut, das besonders viele hämatopoetische Stammzellen enthält. Die Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe und dem Nabelschnurblut werden oft auch als „Schatz der Nabelschnur“ bezeichnet. Die Hoffnung vieler Mediziner ist es, dass später im Leben mit Hilfe dieser „Alleskönnerzellen“ und einer darauf basierenden individuellen Zelltherapie zahlreiche Krankheiten wie Diabetes, Demenz, Krebs oder Arthrose geheilt werden können.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um den Begriff „Wharton-Sulze“

Welche Funktion hat die Wharton-Sulze?

Das gallertartige Gewebe der Wharton-Sulze soll die Blutgefäße in der Nabelschnur vor dem Abknicken bzw. vor Biegebelastungen schützen und somit jederzeit die Versorgung des Ungeborenen im Mutterleib sicherstellen.

 

Was enthält die Wharton-Sulze?

Das Gewebe der Wharton-Sulze zählt zu den Bindegeweben. Es enthält daher retikuläre Fasern, die zu Bündeln zusammengeschlossen sind. Die verzweigten Flügelzellen sorgen für eine schwammartige Struktur. In das Gewebe sind große Mengen von Wasser, Hyaluronsäure und Kollagen eingelagert und sorgen so für die gallertartige Konsistenz. Damit die Nabelschnur mit dem Embryo/Fötus stets mitwachsen kann, befinden sich in der Wharton Sulze auch mesenchymale Stammzellen.