Verbrennungen (Combustio)

Verbrennungen: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Um uns vor Überhitzung zu schützen, stehen unserem Organismus verschiedene Kühlsysteme zur Verfügung, etwa das Schwitzen oder der Wärmeaustausch über Abstrahlung bzw. der Abtransport der Wärme über das Blut. Übersteigt die Hitzeeinwirkungen jedoch die Fähigkeiten dieser Abwehrmechanismen, wird unser Organismus geschädigt: Man spricht hier von einer Verbrennung oder Verbrühung. In der medizinischen Fachliteratur finden sich dafür auch die Bezeichnungen „Combustio“, „Brandverletzung“ oder „Verbrennungstrauma“. Bei einem leichten Sonnenbrand handelt es sich technisch gesehen um eine Verbrennung ersten Grades.

Gerade bei Kleinkindern stellen Verbrühungen mit etwa 70 Prozent die größte Verletzungsursache dar. Gründe hierfür sind hauptsächlich die Neugier und der Bewegungsdrang der Kleinen, gepaart mit der Unachtsamkeit und Sorglosigkeit von Aufsichtspersonen.

 

Definition: Was sind Verbrennungen?

Als Verbrennung werden in der Medizin alle Schädigungen von Gewebe bezeichnet, die mit einer starken Hitzeeinwirkung einhergehen. Dabei wird primär die Haut oder Schleimhaut geschädigt. Je nach Schwere der Verbrennung sind auch andere Organe und sogar komplette Körperfunktionen betroffen. Von einer regulären Verbrennung ist die Kälteverbrennung abzugrenzen, hierbei handelt es sich um eine Sonderform der Erfrierung, die sich nur in verbrennungsähnlichen Symptomen äußert.

Entsprechend der geschädigten Hautschichten werden vier verschiedene Verbrennungsgrade unterschieden:

  • Bei Verbrennungen ersten Grades ist nur die Epidermis, also die oberste Hautschicht betroffen. Eine Rötung und Schwellung ohne Blasenbildung ist vorhanden, es treten Schmerzen auf. Die Schäden sind vollkommen reversibel.
  • Bei Verbrennungen zweiten Grades ist sowohl die Epidermis als auch die Dermis, also die Lederhaut geschädigt. Hier kommt es zu Blasenbildung auf rot-weißem Grund. Die Schmerzen sind enorm. Diese Art der Verbrennung kann entweder vollständig ausheilen (Grad 2a) oder Narben zurücklassen (Grad 2b).
  • Bei einer Verbrennung dritten Grades sind alle Hautschichten betroffen, auch die Subkutis, die die Blutgefäße und Nerven beherbergt. Hier liegen Schwarz-Weiß-Nekrosen mit Blasen vor. Schmerzen treten in der Regel nur gering bis gar nicht auf, da die Nervenenden (größtenteils) zerstört wurden. Verbrennungen dritten Grades sind immer irreversibel.
  • Bei einer Verbrennung vierten Grades spricht man von einer Verkohlung. Hier sind alle Hautschichten und auch darunter liegende Knochen und Faszien betroffen. Zu Schmerzen kommt es nicht, denn die Nervenenden sind vollständig zerstört.

 

Verbrennung: Ursachen und Symptome

Die Ursache einer Verbrennung ist immer eine übermäßige Hitzeeinwirkung auf den Körper. Diese kann entweder durch heiße Gegenstände oder Flüssigkeiten (Verbrühung), Dämpfe und Gase, Flammeneinwirkung und Explosionen, zu starke Sonneneinwirkung (Sonnenbrand), elektrischen Strom oder Reibung geschehen. Bereits dauerhafte Temperatureinflüsse über 40 Grad Celsius können das körpereigene Kühlungssystem überfordern. Temperaturen von 45 bis 51 Grad führen in Minuten zu einer Schädigung der Haut, zwischen 51 und 70 Grad dauert es Sekunden, über 70 Grad geschieht es in Sekundenbruchteilen.

Zu den Symptomen einer leichten Verbrennung zählen in der Regel Rötungen und Blasenbildung sowie moderate bis starke Schmerzen. Stärkere Verbrennungen führen jedoch zu einer Gerinnung der Eiweißpartikel in den einzelnen Hautschichten, was eine Zellschädigung oder sogar den Zelltod bewirkt. Großflächige Verbrennungen (etwa 15 Prozent der Körperfläche bei Erwachsenen oder 10 Prozent bei Kindern) werden als lebensbedrohlich angesehen. Hier kann es zu einem Kreislaufschock sowie zu einer schweren Blutvergiftung, der sogenannten Sepsis, kommen. Sie führen zum Versagen einzelner oder mehrerer Organe (Multiorganversagen) und somit zum Tod.

 

Therapie & Behandlung von Verbrennungen

Die Behandlung von Verbrennungen erfolgt je nach betroffener Fläche und Schwere sehr unterschiedlich. Verbrennungen ersten Grades sind schmerzhaft, aber harmlos. Ist nur ein kleines Areal betroffen, sollte dies mit etwa 20 Grad warmem, fließendem Wasser gekühlt werden, bis die Schmerzen erträglich sind. Spezielle Salben und Cremes sowie Schmerzmittel können ebenfalls helfen. Das Kühlen durch Eisbeutel dagegen sollte gemieden werden, da es hier zu Erfrierungen kommen kann. Auch angebliche Hausmittel wie Öl oder Mehl helfen nicht, sondern steigern nur das Risiko einer Entzündung oder Infektion.

Bei starken Schmerzen und Bläschenbildung, also bei einer Verbrennung zweiten Grades, ist auch die untere Hautschicht betroffen. Hier empfiehlt es sich, verletzte Flächen vorsichtig abzutupfen und einen lockeren, sterilen, bestenfalls nicht flusenden Wundverband anzulegen, um die Wunde vor Verschmutzung zu schützen. Geschlossene Wundbläschen sollten niemals selbst aufgestochen werden, denn dann könnten Keime eindringen und das Risiko einer Infektion würde steigen. Nur ein Arzt sollte die Blasen mit sterilen Instrumenten öffnen.

Sind die Schmerzen nur gering oder bleiben völlig aus, sind die Nerven beschädigt, es handelt sich um eine Verbrennung dritten Grades. Hier muss sofort ein Arzt aufgesucht werden oder bei großflächigen Verbrennungen sogar der Notarzt gerufen werden. Größere Wunden sollten nicht gekühlt werden, das Risiko einer lebensbedrohlichen Unterkühlung ist hoch.

Bei schwerwiegenden Verbrennungen dritten oder sogar vierten Grades ist eine lange, intensive, klinische Behandlung erforderlich. Die frühestmögliche und vollständige chirurgische Entfernung des verbrannten Gewebes ist wichtig, da es als Eintrittspforte für Keime und Bakterien fungiert und somit das hohe Risiko einer schweren Sepsis besteht. Hier werden funktionelle und kosmetische Ergebnisse zunächst in den Hintergrund gestellt. Die plastische Chirurgie tritt erst in der Genesungsphase in den Vordergrund. Nach dem Entfernen der verbrannten Areale erfolgt die Transplantation von gesunder Haut. Bei großflächigen Schäden müssen die Hautzellen jedoch in der Regel vorher vermehrt werden, weshalb die „neue Haut“ oft erst nach einigen Wochen transplantiert werden kann.

 

Neue Haut mithilfe der Stammzellenforschung

Verbrennungsunfälle hinterlassen je nach Größe und Schwere irreversible körperliche Schäden. Sind die betroffenen Areale zu groß und liegen die Verbrennungen zu tief, ist eine normale Hauttransplantation in der Regel nicht möglich. Hier können Geschädigte jedoch auf die Fortschritte der Regenerativen Medizin hoffen. Bei der Erzeugung künstlicher Haut wird immer mehr auf das Potential der Stammzellen gesetzt. Die Wissenschaft konnte hier bereits erste Erfolge erzielen.

So gelang es, aus isolierten Hautstammzellen durch gezieltes Wachstum hornbildende Zellen zu züchten, welche bereits stark denen der menschlichen Oberhaut ähneln. Damit ist allerdings nur der erste Schritt getan, denn die Hautschädigung bei einer Verbrennung reicht oftmals tiefer und die unteren Schichten sind weitaus komplexer. Daher haben Forscher den Anspruch, dass die künstliche Haut aus Stammellen sämtliche Funktionen des größten menschlichen Organs nachbilden muss. Japanischen Wissenschaftlern gelang es bereits, mithilfe von induzierten, pluripotenten Stammzellen (kurz: IPS-Zellen) beinahe vollständig funktionsfähige Haut für Mäuse zu züchten. Stammzellenforschung und Tissue Engineering, also die Züchtung von Gewebe durch gerichtete Zellkultivierung im Labor, lässt Brandopfer demnach hoffen, dass in wenigen Jahren künstlicher Hautersatz zur Behandlung von Brandverletzungen zur Verfügung steht.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Verbrennung“

Was ist eine Verbrennung?

Bei einer Verbrennung handelt es sich um eine Schädigung der Haut durch starke Hitzeeinwirkung, die die Kompensationsmechanismen unseres Körpers übersteigt. Dies kann durch verschiedene Gegenstände, Substanzen oder Situationen entstehen. Es existieren vier Verbrennungsgrade, wobei der dritte und vierte in vielen Fällen zusammengefasst werden. Bereits ab dem zweiten Verbrennungsgrad können bleibende körperliche Schäden entstehen.

 

Was macht man bei Verbrennungen?

Bei kleinflächigen Verbrennungen ersten Grades ist die Kühlung die erste Maßnahme, um die Schmerzen zu lindern. Lauwarmes Wasser sowie Cremes und Salben können hier Linderung verschaffen. Bei Verbrennungen zweiten Grades sollte ein steriler Verband locker angelegt werden, damit die Wunde nicht verdreckt und es zu keiner Infektion kommt.

Verwenden Sie zur Kühlung auf keinen Fall Eiswürfel, da die übermäßige Kälte Hautzellen abtöten und somit die Wundheilung negativ beeinflussen kann. Auch Hausmittel schaden mehr als sie helfen, denn sie bewirken meist Entzündungen oder Infektionen. Des Weiteren kann ein Arzt die Verbrennung nicht mehr richtig einschätzen, wenn sie mit Öl, Butter, Honig oder Mehl bestrichen wurde. Kleidung oder sonstige Gegenstände, die sich auf der Haut eingebrannt haben, sollten nicht selbstständig entfernt werden: Dies geschieht in der Klinik unter sterilen Bedingungen. In der Regel sollte bereits ab größeren Verbrennungen zweiten Grades der Arzt aufgesucht werden, bei schwerwiegenden Verbrennungen ist sofort der Notarzt zu rufen.

 

Wie kann man Verbrennungen vermeiden?

Bei Verbrennungen spielt das Alter oft eine entscheidende Rolle. Gerade bei Kleinkindern bis vier Jahre sind Verbrühungen mit 70 Prozent die häufigste Verletzungsursache. Behalten Sie diese als Aufsichtsperson daher besonders im Auge. Kamine, Kerzen, Grill oder Herd sollten immer überwacht werden, wenn Kinder in der Nähe sind. Auch herunterhängende Tischdecken können einen Risikofaktor darstellen, wenn sich etwa heißer Tee oder Kaffee auf dem Tisch befindet. Verbieten Sie den Umgang mit Feuer nicht generell, denn ein Verbot bestärkt nur die Neugierde.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist die Ursache einer Verbrennung oftmals der unsachgemäße Umgang mit Feuer und brennbaren Flüssigkeiten oder die Nutzung von Feuer als Lichtgeber bei einem Stromausfall. Hier kann Aufklärung und Einweisung in die sichere Handhabung von Kerzen, Streichhölzern und ähnlichem helfen.

Bei Erwachsenen treten am häufigsten Flammverbrennungen auf, ein Drittel sind hierbei Arbeitsunfälle. Beachten Sie daher die Sicherheitshinweise sorgfältig. Nutzen Sie Brandbeschleuniger (zum Beispiel beim Grillen) nur in Maßen oder verzichten Sie komplett darauf. Generell sollten Sie höchste Vorsicht beim Umgang mit Feuer und offenen Flammen walten lassen.