Tinnitus ("Ohrenklingeln")

Tinnitus: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Etwa ein Viertel aller Menschen in den Industrieländern sind im Laufe ihres Lebens von einem Tinnitus betroffen. Etwa jeder Siebte in Deutschland, Österreich und der Schweiz leidet einmal an lang andauernden Ohrgeräuschen. Besonders bei älteren Personen treten diese vermehrt auf, jedoch können Menschen jedes Alters einen Tinnitus erleiden. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, der berufliche Hintergrund spielt in der Regel auch keine Rolle. Man kann die lästigen Ohrgeräusche des Tinnitus also durchaus als Volkskrankheit bezeichnen. Umgangssprachlich wird er oftmals als „Ohrenklingeln“ bzw. „Ohrenpfeifen“ bezeichnet. Dies ist letztlich nicht anderes als die Beschreibung des Hauptsymptoms und damit auch die Übersetzung des medizinischen Fachbegriffs „Tinnitus aurium“. Dieser leitet sich von den lateinischen Wörtern „tinnīre“ und „auris“ ab. Während auris für das Ohr steht, lässt sich tinnire mit „klingeln“ übersetzen.

 

Definition: Was ist ein Tinnitus?

Bei einem Tinnitus, auch als Phantomgeräusch bezeichnet, handelt es sich um eine Hörerfahrung, der in der Regel keine physikalische Ursache zugrundeliegt. Betroffene hören in diesem Fall einen Pfeifton, ein Brummen, ein Knacken, ein Klopfen, ein Zischen oder ein Rauschen. Dem Öhrgeräusch kann keine äußere Schallquelle zugeordnet werden. Ein Tinnitus stellt selbst keine Krankheit dar, es handelt sich vielmehr um ein Symptom oder auch ein Syndrom.

Je nach Schwere des Tinnitus und seinen Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen lässt sich das Phänomen in vier verschiedene Schweregrade einteilen:

  • Grad I: Betroffene verspüren trotz Tinnitus keinen Leidensdruck, die Ohrgeräusche belasten kaum.
  • Grad II: Betroffene können den Alltag noch ohne größere Folgen bewältigen. In einigen Situationen oder bei Stress wirkt der Tinnitus jedoch belastend.
  • Grad III: Der Tinnitus führt zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensqualität. Betroffene Personen sind noch arbeitsfähig, die berufliche Leistungsfähigkeit ist jedoch verringert. Es kann zu Störungen im emotionalen, körperlichen und kognitiven Bereich kommen.
  • Grad IV: Betroffene sind schwer beeinträchtigt und arbeitsunfähig.

 

Ab dem dritten Grad spricht man von einem dekompensierten Tinnitus. Körper und Psyche können die Belastungen des Symptoms nicht mehr kompensieren, die auftretenden Störgeräusche beeinflussen den Alltag.

Ein Tinnitus kann außerdem je nach Dauer in zwei weitere Kategorien unterteilt werden. Treten die Ohrgeräusche nur vorrübergehend auf, handelt es sich um einen akuten Tinnitus, dauern sie jedoch länger als drei Monate an, sprechen Mediziner von einem chronischen Tinnitus.

 

Ursachen & Symptome eines Tinnitus

Die Ursachen eines Tinnitus sind nicht gänzlich geklärt, jedoch kann er im Zusammenhang mit verschiedenen Ohr- oder Hörbahnerkrankungen auftreten. Es wird zwischen dem subjektiven und dem objektiven Tinnitus unterschieden. Bei letzterem liegt eine im Körper vorhandene Schallquelle vor, meist im Innenohr, deren akustische Signale durch spezielle Verfahren messbar sind. Ein objektiver Tinnitus tritt häufig aufgrund von Gefäßmissbildungen, Funktionsstörungen im Innenohr und Bluthochdruck auf. Bei einem subjektiven Tinnitus ist keine wahrnehmbare Schallquelle vorhanden. Die Ursache wird hier in Erkrankungen des Nervensystems oder des Gehirns vermutet. Infekte und Autoimmunerkrankungen des Innenohrs, Mittelohrerkrankungen, Fremdkörper im Gehörgang sowie Traumata durch hohe Schalleinwirkung können ebenfalls Auslöser sein. Auch bei Tauchunfällen (Dekompressionskrankheit) kann ein Tinnitus entstehen.

Neben den eigentlichen Ohrgeräuschen kann ein Tinnitus je nach Schwere zu verschiedenen Begleitsymptomen führen. So kommt es aufgrund der psychischen Belastung und Problemen im Alltag oft zu Schlafstörungen, Angstzuständen und Depressionen. Im schlimmsten Fall kann ein Tinnitus den Betroffenen zum Suizid bewegen.

 

Therapie & Behandlung eines Tinnitus

Die Therapiemöglichkeiten für einen Tinnitus sind vielseitig und richten sich immer nach den grundlegenden Ursachen der Ohrgeräusche. So können bereits Verletzungen der Halswirbelsäule oder Kiefergelenkbeschwerden als Auslöser in Frage kommen. Ist dies nicht der Fall, erfolgt bei einem akuten Tinnitus je nach vermutetem Grund eine medikamentöse Behandlung mit Vitamin-E-Präparaten und Magnesium, Kortison als Entzündungshemmer oder durchblutungsfördernden Wirkstoffen wie etwa Pentoxifyllin.

Bei einem chronischen Tinnitus zeigen medikamentöse Therapien in der Regel keinen langfristigen Erfolg, ihr Einsatz ist daher umstritten. Lediglich die Nutzung von Antidepressiva zur Behandlung der psychischen Folgesymptome erfolgt. Entspannungstechniken oder eine kognitive Verhaltenstherapie können den Betroffenen Linderung verschaffen. Auch alternative oder experimentelle Behandlungsmethoden wie Klang- und Hypnotherapie oder elektrische Neurostimulation kommen zum Einsatz.

 

Hörschaden mithilfe einer Stammzellentherapie beheben

Ist eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr der Grund für einen Tinnitus, könnten mithilfe der Stammzellenforschung Therapiemöglichkeiten zur Heilung entwickelt werden. Wissenschaftler haben bereits herausgefunden, dass sich die Haarsinneszellen der Hörschnecke im Innenohr (Cochlea) aus Stammzellen züchten lassen. Es könnte also in Zukunft möglich sein, auf diese Weise die Schäden im Ohr der Betroffenen zu reparieren und den Tinnitus somit zu heilen oder zumindest zu lindern. Geeignete Stammzellen für die Züchtung von künstlichen Haarsinneszellen finden sich im Knochenmark und im Nabelschnurblut, doch auch die Stammzellen des Fettgewebes haben laut Forschern ein großes Anwendungspotential.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Tinnitus“

Was ist ein Tinnitus?

Als Tinnitus wird ein konstantes oder vorübergehend auftretendes Ohrgeräusch bezeichnet, dem keine äußere Schallquelle zugrundeliegt. Aus diesem Grund bezeichnet man ihn auch als Phantomgeräusch. Er kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und die Lebensqualität der Betroffenen dabei mehr oder weniger beeinflussen. Man unterscheidet zwischen einem objektiven Tinnitus, bei der noch eine Schwingungsquelle im eigenen Körper vorhanden ist, und einem subjektiven Tinnitus, dessen Ursache überhaupt nicht mehr messbar ist. Gründe für die Ohrgeräusche können Schäden im Gehirn und Nervensystem, Erkrankungen des Gehörapparates, Bluthochdruck, Fremdkörper im Gehörgang oder Traumata sein. Man unterscheidet außerdem zwischen einem akuten (maximal drei Monate) und einem chronischen (länger als drei Monate) Tinnitus.

 

Wie gefährlich ist ein Tinnitus?

In der Regel ist ein Tinnitus und auch die Erkrankung, die ihn verursacht, nicht gefährlich oder lebensbedrohlich. Je nach Schwere der Ohrgeräusche können jedoch psychische Begleitsymptome wie Angst oder Depressionen auftreten. Besonders verängstigt reagieren Menschen auf einen Tinnitus, wenn dessen Ursache noch unklar ist. Daher sollte eine schnelle Abklärung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der in diesem Fall der Facharzt ist, erfolgen. Nur so lassen sich diese Ängste beseitigen.

 

Ist Tinnitus unheilbar?

Die allgemein verbreitete Meinung, dass ein Tinnitus unheilbar ist, ist falsch. Besonders bei einem akuten Tinnitus besteht eine gute Chance auf eine vollständige Heilung. Doch nicht nur das komplette Verschwinden kann laut Definition als Genesung betrachtet werden. Bei einem chronischen Tinnitus können sich Betroffene als geheilt betrachten, wenn die Ohrgeräusche so weit abgeklungen sind, dass sie keine Belastung im Alltag mehr darstellen.

 

Was ist ein Noiser?

Bei einem Tinnitus-Noiser handelt es sich um ein Bestandteil eines Hörgeräts, welches die Beschwerden lindern kann. Es erzeugt dafür ein leises, vom Betroffenen als angenehm empfundenes Rauschen. Dieses überlagert sozusagen die Ohrgeräusche, bis beide von Gehirn als unwichtig empfunden und herausgefiltert werden. Die Folge ist, dass der Tinnitus nicht mehr oder zumindest vermindert wahrgenommen wird.