Taubheit (Surditas)

Taubheit: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Unser Gehör ist ein enorm wichtiger Sinn, denn wir benötigen ihn, um eine der wichtigsten Fähigkeiten wahrzunehmen und zu erlernen, die uns Menschen so einzigartig macht: Die verbale Sprache, über die ein Großteil der zwischenmenschlichen Kommunikation verläuft. Ist das Hörvermögen beeinträchtigt, ergeben sich in der Regel für die Betroffenen viele Schwierigkeiten im Alltag. Der vollständige Hörverlust eines oder beider Ohren wird als Taubheit bezeichnet.

 

Definition: Was ist Taubheit?

Taubheit (lateinisch: Surditas) bezeichnet den völligen Ausfall der Funktion des Corti-Organs, also des Teils der Schnecke des Innenohrs, in dem akustische Signale in Nervenreize umgewandelt werden. Eine Taubheit liegt außerdem vor, wenn der achte Hirnnerv (Nervus vestibulocochlearis), welcher das Innenohr mit dem Gehirn verbindet, unterbrochen oder nicht richtig ausgebildet ist, sodass die wahrgenommenen Reize nicht zum Gehirn weitergeleitet werden können. Beides führt zu einem vollständigen Verlust des Hörvermögens. Je nachdem, ob nur ein oder beide Ohren betroffen sind, wird zwischen einseitiger oder beidseitiger Taubheit unterschieden.

 

Ursachen und Symptome von Taubheit

Der Verlust des Gehörs kann entweder angeboren sein oder erst im späteren Verlauf des Lebens auftreten. Zu einer angeborenen Taubheit kann es etwa aufgrund einer Rhesus-Inkompatibilität, einer pränatalen Rötel-Infektion oder einer genetischen Veranlagung kommen. Auch Komplikationen während der Geburt, wie zum Beispiel ein Sauerstoffmangel oder eine Hirnblutung, können Auslöser für den Gehörverlust sein.

Die häufigste Ursache einer erworbenen Taubheit ist eine längere oder schwerwiegende Entzündung des Mittel- oder Innenohres. Auch eine Infektion des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhaut (Meningitis) können eine Taubheit nach sich ziehen. Weitere Gründe für eine erworbene Taubheit sind Tumore (überwiegend Akustikneurinome), Durchblutungsstörungen, Lärmeinwirkung, Hörsturz oder Verletzungen.

In seltenen Fällen können auch psychiatrische Erkrankungen ohne nachweisbare Schäden an den Ohren zu einem Verlust des Hörempfindens führen: Hier spricht man von einer psychogenen Hörstörung.

Bei einem einseitigen Hörverlust reagieren Betroffene oftmals verspätet oder gar nicht auf akustische Reize und können Geräuschquellen schlecht orten. Auch sprechen sie meist deutlich lauter als nötig und artikulieren sich in einigen Fällen auch schlechter. Da es einseitig tauben Menschen oft schwer fällt, Hintergrundgeräusche auszublenden, erschwert ihnen dies die Kommunikation mit anderen noch einmal zusätzlich.

Eine beidseitige Taubheit und damit der vollständige Hörverlust führt oft zu einer starken Beeinträchtigung der Entwicklung bei Kindern, da sie unsere Sprache nicht verbal erlernen können. Je nachdem, was die Ursache der Taubheit ist und welche Teile des Ohrs betroffen sind, kann es auch vermehrt zu Gleichgewichtsstörungen, Schwindel oder Übelkeit kommen. Eine angeborene Taubheit kann ebenfalls je nach Auslöser weitere Fehlbildungen mit sich bringen. Betroffen sind hierbei in der Regel die Augen, die Haut, die Knochen und die Nieren.

 

Therapie & Behandlung einer Taubheit

In den meisten Fällen kann eine Taubheit nicht rückgängig gemacht werden. Allerdings bestehen je nach Ursache der Taubheit Möglichkeiten, die ausgefallenen Bereiche des Hörapparates zu überbrücken und die akustische Wahrnehmung so wieder zu ermöglichen. Ist noch ein Resthörvermögen vorhanden, man spricht dann von hochgradiger Schwerhörigkeit, können Hörgeräte helfen. Bei einem vollständigen Ausfall des Gehörs kann, sofern der Hörnerv noch intakt ist, ein Cochlea-Implantat (CI oder CI-System) eingesetzt werden. Dies ist bereits ab dem zweiten Lebensjahr möglich. Das Implantat fungiert dann als Signalüberträger der äußeren Reize an den Nerv und somit ans Gehirn. So kann es sogar beidseitig ertaubten Menschen ermöglicht werden, wieder zu hören. Doch auch bei einer einseitigen Taubheit kann das Cochlea-Implantat helfen, das räumliche Hören wiederherzustellen und auch Ohrgeräusche wie etwa einen Tinnitus zu unterdrücken.

Durch spezielle Förderung in Kombination mit Hörhilfen oder CI kann es auch hörbehinderten Kindern ermöglicht werden, die Lautsprache erfolgreich zu erlernen, meist in Verbindung und mit Unterstützung der Gebärdensprache.

Ist der Hörnerv beschädigt oder zerstört, kann ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat keinen Erfolg bringen. Hier besteht nur noch die Möglichkeit eines Hirnstamm-Transplantats. Allerdings sind die Erfahrungen mit diesem Verfahren derzeitig noch wenig fundiert.

 

Stammzellen als Behandlungsmöglichkeit bei Taubheit

Neben Hörhilfen und Cochlea-Implantaten könnte die Stammzellenforschung ebenfalls bei Hörverlusten helfen. In einer Studie an der Duke University in Durham (USA), welche von 1999 bis 2009 durchgeführt wurde, verabreichten Forscher Mukopolysaccharidose-Patienten Stammzellen aus Nabelschnurblut. Daraufhin zeigten die Teilnehmer einer deutliche Besserung der durch die Krankheit hervorgerufenen Innenohrschwerhörigkeit. Auch die Ergebnisse bei Heilversuchen stärken die Hoffnung. So konnten Forscher mithilfe der Stammzellentherapie mit Nabelschnurblut einem an erworbenem Hörverlust erkrankten Mädchen innerhalb von nur sechs Monaten helfen. Nach der Behandlung war sie in der Lage, sprechen zu lernen und Geräusche wieder räumlich wahrzunehmen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Taubheit“

Was ist Taubheit?

Bei Taubheit handelt es sich um einen angeborenen oder erworbenen Hörverlust, der ein oder beide Ohren betreffen, also ein- oder beidseitig auftreten kann. Ursachen für eine angeborene Taubheit können genetischer Natur, vorgeburtliche Erkrankungen oder Komplikationen während der Geburt sein. Eine erworbene Taubheit entsteht hingegen überwiegend durch Entzündungen von Mittel- oder Innenohr sowie Gehirn oder Hirnhaut, jedoch auch durch Tumore, Durchblutungsstörungen, Lärmeinwirkung und Verletzungen. Eine Taubheit ist in der Regel irreversibel, kann aber in einigen Fällen mit technischen Hilfsmitteln wie Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten überbrückt werden.

 

Was bedeutet gehörlos?

Als gehörlos werden Menschen bezeichnet, die eine Hörbehinderung aufweisen und deswegen überwiegend mittels Gebärdensprache kommunizieren. Gehörlose Menschen sind in der Regel taub oder hochgradig schwerhörig. Je nach Schweregrad der Hörbehinderung werden vier verschiedene Kategorien unterschieden.

  • Taubheit:
    • Der Hörverlust beträgt im Bereich zwischen 125 und 250 Hz mehr als 60 dB sowie mehr als 100 dB im übrigen Frequenzbereich
    • In der Regel ist keine Hörwahrnehmung mehr möglich.
  • Hochgradige Schwerhörigkeit:
    • Der Hörverlust beträgt im mittleren Sprachbereich (über 250 bis 4.000 Hz) zwischen 70 und 100 dB.
    • Bei Hörverlusten zwischen 85 bis 100 dB ist auch von „Resthörigkeit“ oder „an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit“ die Rede.
  • Mittelgradige Schwerhörigkeit:
    • Der Hörverlust beträgt im mittleren Sprachbereich zwischen 40 und 70 dB.
    • Bei mittelgradig Schwerhörigen ist die Möglichkeit der Sprachaufnahme über das Ohr noch vorhanden, je nach Höhe des Hörverlustes können jedoch Verständnisprobleme auftreten, die auch von den modernsten Hörgeräten nicht vollständig ausgeglichen werden können.
  • Leichtgradige Schwerhörigkeit:
    • Der Hörverlust beträgt im mittleren Sprachbereich zwischen 25 und 40 dB.
    • Leichtgrad Schwerhörige besitzen in der Regel immer noch genug Hörvermögen, um Sprache fehlerfrei und ohne Verständnisprobleme über das Ohr aufzunehmen.

 

Können Gehörlose lippenlesen?

Da Gehörlose und Schwerhörige Lautzeichen in der mündlichen Verständigung nicht oder nur sehr schlecht erfassen können, sind sie auf die Technik des Lippenlesens angewiesen, sofern der Gesprächspartner keine Gebärdensprache kann. Das Mundablesen muss jedoch erst erlernt und trainiert werden. Allerdings führt Lippenlesen auch bei guter Beherrschung der Technik oftmals zu Missverständnissen, denn für gewöhnlich können aus den Sprechbewegungen des Gegenübers nur etwa 30 Prozent abgelesen werden, der Rest muss erraten oder aus dem Kontext geschlossen werden.

 

Wie sollte man mit tauben Menschen kommunizieren?

Bei der Kommunikation mit tauben oder hochgradig schwerhörigen Menschen sind einige wichtige Punkte zu beachten, vor allem, wenn Ihr Gesprächspartner auf die Technik des Mundablesens angewiesen ist. Schauen Sie Gehörlose beim Sprechen an, halten Sie Blickkontakt und achten Sie darauf, dass Ihr Mund gut sichtbar ist. Wichtig ist auch, dass Sie langsam und deutlich sprechen, jedoch nicht lauter als üblich. Durch überlautes Sprechen werden die Gesichtszüge verzerrt und so das Lippenlesen erschwert. Benutzen Sie außerdem eine klare Mimik und unterstützen Sie das Gesagte mit eindeutigen Gesten. Sprechen Sie Hochdeutsch, verwenden Sie kurze, klare Sätze und vermeiden Sie Fremdwörter. Da das Lippenlesen jedoch ein hohes Risiko des Missverständnisses beinhaltet, ist eine schriftliche Kommunikation oder die Verwendung von Gebärdensprache eindeutig der bessere Weg zur Verständigung.

Beim Ansprechen eines Gehörlosen können Sie seine Aufmerksamkeit durch Winkbewegungen auf sich ziehen, ihn an Schulter oder Arm leicht berühren oder das Licht ein- und ausschalten. Scheuen Sie sich nicht davor: Gehörlose sprechen sich untereinander ebenfalls auf diese Weise an und werden es aus diesem Grund gewohnt sein.