Sucht

Wie ist Sucht definiert?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Mensch einer Substanz oder einem Verhalten verfallen kann und damit süchtig wird. Welchen Stellenwert die entstandene Sucht im Leben der Betroffenen einnimmt, ist enorm unterschiedlich und an diverse Faktoren gebunden.

Doch wann ist überhaupt der Punkt erreicht, an dem ein Mensch süchtig ist und welche Arten von Sucht gibt es? Die Redaktion von familien-gesundheit.de hat Antworten auf diese Fragen.

 

Was bedeutet Sucht?

Das Wort Sucht kommt aus dem Althochdeutschen und ist abgeleitet vom Wort „suht“, was so viel wie „Krankheit“ bedeutet.

Eine Sucht entsteht, wenn das Verlangen nach einer Substanz oder einem Verhalten unstillbar wird und zum Konsum oder eben dem Verhalten führt. Man spricht daher auch von stoff-gebundenen und stoff-ungebundenen Süchten.

 

Stoffgebundene Sucht

Der stoffgebundenen Sucht liegt dabei eine Substanz zu Grunde, die immer wieder zu sich genommen werden muss, um beispielsweise Entzugssymptomatiken abzuschwächen. Dabei hat sich der Körper, je nach Substanz, über die Zeit hinweg so sehr an die Droge und ihre Wirkung gewöhnt, dass er diese braucht, um im Alltag überhaupt funktionieren zu können. Bei einigen Drogen sind die Entzugserscheinungen enorm und teilweise mit extremen Schmerzen verbunden, was den Entzug deutlich erschwert.

Zusätzlich kommt es beim Konsum von Substanzen auch vermehrt zu einer psychischen Abhängigkeit, was neben neuronalen Vorgängen auch das Erleben des Konsumrituals umfassen kann.

Zu den stoff-gebundenen Süchten zählen unter anderem Alkoholsucht, Nikotinsucht, Drogen- oder auch Medikamentenabhängigkeit.

 

Stoffungebunden Sucht

Die stoff-ungebundene Sucht zeichnet sich dadurch aus, dass ein spezifisches Verhalten immer wieder und im späteren Verlauf auch vermehrt gezeigt wird. Dabei führt das intensivierte Verhalten dazu, dass sich das Leben der Betroffenen nur noch darum dreht, dieses eine Bedürfnis zu befriedigen. Nicht selten geht damit die Einschränkung einher, angepasst am alltäglichen Leben teilnehmen zu können.

Vorrangig sind hier vor allem die psychischen Komponenten der Sucht hervorzuheben, allerdings kann auch eine stoff-ungebundene Sucht früher oder später Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Für die stoff-ungebundenen Süchte finden sich als häufige Vertreter die Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Arbeitssucht oder auch die Internetsucht.

 

Merkmale einer Sucht

Nicht jeder Konsum einer Substanz und nicht jedes häufig auftretende Verhalten bedeuten gleich, dass eine Person süchtig ist. Um eine Sucht nachzuweisen, wurden einige Faktoren herausgearbeitet, die erfüllt sein müssen.

Der starke Wunsch beziehungsweise eine Art Zwang eine Substanz zu konsumieren ist vorherrschend. Süchtige erleben einen Kontrollverlust über den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums. Außerdem stellen sich Entzugserscheinungen ein, wenn die Substanz, oder eine ähnliche, nicht mehr oder in geringerer Dosis konsumiert wird. Die Symptome reichen dabei von körperlichen, wie beispielsweise Herzrasen, Schweißausbrüchen, Unruhe, Gewichtsveränderungen, Appetitverlust oder neurologischen Beeinträchtigungen, bis zu psychischen, wie Konzentrationsstörungen, Angstzuständen, Beeinträchtigungen des Schlafs, Nervosität oder auch Panikattacken. Hält der Konsum von suchtfördernden Substanzen länger an, kommt es zu einer Toleranz gegenüber der Stoffe. Um dann die gewünschten Effekte erzielen zu können, müssen Abhängige die Dosis mehr und mehr steigern. Dies kann im Extremfall zu einer Überdosis führen und tödliche Folgen haben. Da sich der Großteil des Lebens um die Sucht und auch oftmals um die Beschaffung der Substanz zur Befriedigung der Sucht dreht, werden in der Folge soziale Kontakte und freizeitliche Interessen vernachlässigt und verlieren an Bedeutung.

Bei den stoffungebundenen Süchten berichten Betroffene vor allem von wiederholten Handlungen ohne vernünftige Motivation, die sie selbst auch nicht kontrollieren können. Die Schädigung der eigenen Interessen oder der Interessen anderer sind die Folge. Die Handlungen erfolgen meist impulshaft. Beeinträchtigt werden hierbei besonders die Lebensführung und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte. Auch leiden die berufliche Tätigkeit und die Aufrechterhaltung eigener Werte unter der Sucht.

 

Die Folgen einer Sucht

Je nach Sucht stellen sich verschiedene Folgeerscheinungen ein. Die körperlichen Beschwerden reichen dabei von Organschäden, neuronalen Schäden bis hin zur Einschränkung des Immunsystems. Bei einigen Suchtmitteln kommt es zur Schädigung der Zähne und auch das Hautbild verschlechtert sich sichtbar.

Aus Scham bezüglich der Sucht ziehen sich viele Süchtige ab einem bestimmten Punkt zurück und sind emotional nur noch schwer für die Familie, Freunde oder auch Therapeuten erreichbar. Die körperlichen Symptome sind so eingreifend, dass sich ein hohes Maß an Erschöpfung bei vielen Abhängigen einstellt, sobald die Substanz nicht mehr zugänglich ist. Depressionen und der Rückzug aus der Gesellschaft, dem Berufsleben und die immer größer werdende Vereinsamung sind die drastischen Konsequenzen eines entgleisten Konsums.

 

Wege aus der Sucht

Die Behandlungsmöglichkeiten von Süchten sind ebenso vielgestaltig, wie die Süchte selbst. Bei stoff-gebundenen Süchten steht der Entzug an erster Stelle. Dieser findet entweder in Form eines „kalten Entzugs“ statt, also dem abrupten Beenden des Konsums, oder durch langsame Entwöhnung und dabei eine schrittweise Reduzierung der Dosis der Substanz bzw. eines Ersatzpräparates wie Methadon. Da Suchterkrankte meist einen geschwächten Körper haben und die Sucht Begleiterkrankungen mit sich bringt, sind auch diese der Teil Behandlung und Gesundung.

Parallel dazu besteht ein anderer Teil der Behandlung in einer Psychotherapie. Ziel ist es, in Gesprächen die aktuellen Verhaltensweisen der Süchtigen aufzuarbeiten und gegebenenfalls zu ändern. Sich einzugestehen süchtig zu sein, ist ein wichtiger Anfangsschritt, auch um in Austausch mit anderen Süchtigen zu gehen und die Scham zu überwinden. Während der Therapie wird oft versucht, bestehende Traumata aufzuarbeiten, um Ängste abzubauen.

Da während der Sucht die soziale Anbindung meist enorm gelitten hat, kann dies ebenso ein Aspekt einer erfolgreichen Therapie sein. Ziel ist es dabei zu lernen, soziale Bindungen aufzubauen und auch einen geregelten Tagesablauf zu üben. Berufliche Perspektiven und Unterstützung bei der Wohnungssuche sind weitere Angebote, die helfen können, dass Süchtige wieder aktiv am Alltag teilhaben können.

 

Offener Umgang und stabiles Umfeld für Betroffene wichtig

Nicht jede Sucht muss an einem Punkt enden, an dem die Betroffenen jegliche Kontrolle über ihre Lebensführung verlieren.

Viele Menschen haben gelernt, mit ihrem Konsum umzugehen und können nach außen hin „normal“ und nachvollziehbar an der Gesellschaft teilnehmen. Das erfordert jedoch ein hohes Maß an Reflektion und ein stabiles Umfeld, das sich nicht scheut, konstruktiv über den Konsum zu reden und zu spiegeln, wenn doch einmal Grenzen überschritten werden sollten.

Wenn es zu einem Entzug und einer Therapie kommt, bedeutet dies für den Süchtigen eine Veränderung in nahezu jedem Lebensbereich. Die Überwindung der Sucht ist ein langer und anstrengender Prozess, der viel Kraft erfordert. Trotz vergangener Enttäuschungen oder unangenehmer Situationen ist es wichtig, dass Süchtige Unterstützung aus der Familie und von Freunden erfahren, um sich selbst wieder annehmen und sich in ihrem Leben neu sortieren zu können.