Stress

Mit mehr Achtsamkeit zwischen gutem & schlechtem Stress unterscheiden

Wir hetzen uns vom Morgenkaffee zum Kindergarten, durch den Berufsverkehr zur Arbeit, hier ein Meeting, dort noch schnell ein wichtiges Zusatzprojekt, nach Feierabend geschwind das Kind abholen, einkaufen gehen, kurz den Haushalt machen, ach ja und Abendessen muss es auch noch geben. Natürlich sieht nicht für jeden Menschen der Alltag exakt so aus. Jedoch kommen uns diese und ähnliche Szenarien bekannt vor, weil wir sie in ähnlicher Weise oft genug erleben und sie uns unter Stress setzen.

Doch Stress muss nicht immer negativ sein. Früher war er in gewissen Situationen überlebensnotwendig. Welche Art von Stress uns schadet und welche uns nützt, verrät Ihnen die Redaktion von familien-gesundheit.de. Ein paar Tipps zum Stressabbau gibt es zusätzlich.

 

Was passiert bei Stress im Körper?

Empfinden wir Stress, ist primär unser Stoffwechsel beeinflusst. Der Organismus setzt Stresshormone und damit Nervenbotenstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin oder auch Kortisol frei. Sie erhöhen den Herzschlag, den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck. So sind wir zu schnellen Reaktionen bereit und können vor dem Säbelzahntiger fliehen. Säbelzahntiger gibt es längst nicht mehr, aber die Stressreaktion ist uns bis heute als evolutionäres Erbe geblieben, weil sie in vielen Situationen nützlich ist. Die bereits erwähnten Botenstoffe lassen außerdem die Konzentration von freien Fettsäuren und Magensäure ansteigen. Der Körper befindet sich daraufhin in einem energiegeladenen Zustand, da das Gehirn und die Muskeln mit mehr Blut und Sauerstoff versorgt werden. Hält diese Reaktion jedoch länger an, übersäuert das Blut aufgrund des steigenden Blutzuckerspiegels.

Bei einer Stressreaktion ist der Körper bemüht, nach kurzer Zeit den Verbrauch von Energie wieder zu normalisieren. Das passiert, indem sich durch eine Gegenreaktion die Bronchien zusammenziehen und auch das Verdauungssystem seine Arbeit wieder aufnimmt. Da die Konzentration der bei Stress ausgeschütteten Hormone weiterhin erhöht bleibt, werden die Schilddrüse und die Geschlechtsorgane in ihrer Arbeit gehemmt. Selbst bei Wachstumsprozessen kann es zu einer Unterbrechung kommen. All das hat langfristige Folgen, wenn wir über einen gewissen Zeitraum hinaus großem Stress ausgesetzt sind.

 

Die Langzeitfolgen von Stress

Kurzzeitig verursacht Stress in der Regel keine bleibenden körperlichen Schäden. Hält Stress aber dauerhaft an, kann es unter Umständen zu ernsthaften Folgeerkrankungen mit bleibenden Schäden kommen. Schmerzhafte Verspannungen, insbesondere im Kopf-, Genick- und Rückenbereich, gehören zu den ersten Symptomen, die uns aufhorchen lassen sollten. Auch auf den Verdauungstrakt hat Stress Auswirkungen, die sich meistens in Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Sodbrennen oder auch Blähungen zeigen. Weitere Langzeitfolgen von andauerndem Stress können Schlaf- und Essstörungen, Zeichen der Nervosität wie Stottern oder Vergesslichkeit und am Ende auch Depressionen sein.

Zu den dramatischsten Folgen von anhaltendem Stress zählen schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Nieren, Stoffwechselstörungen, Allergien und Entzündungskrankheiten.

 

Distress und Eustress – die zwei Seiten einer Medaille

So schlecht Stress auch zu sein scheint, er hat evolutionär durchaus seine Berechtigung. Neben dem auf Dauer schädlichen Distress, also dem negativen Stress, existiert der förderliche und motivierende Eustress.

Experten sprechen von Distress, wenn wir eine Situation nicht erfolgreich meistern können, beispielsweise im beruflichen Bereich oder in unserem privaten Alltag durch Doppelbelastungen. Kennzeichnend hierfür sind langfristige, wiederkehrende Überlastungen und Überforderungen, die sich in dem Gefühl der Hilflosigkeit widerspiegeln. Es bauen sich Hemmungen oder Blockaden auf, die dazu führen, dass eine Lösung der Probleme nicht mehr rational möglich ist. Fehlende Entspannungsphasen führen zu Ängstlichkeit, Gereiztheit oder auch Erschöpfung. Diese Merkmale sind deutliche Hinweise auf negativen Distress und bedürfen dringend einer Veränderung.

Fühlen wir uns unter dem Einfluss von Stress gut und nehmen diesen als positiv wahr, spricht man von Eustress. Diese Form von Stress wirkt motivierend und tritt vermehrt in Wettkampfsituationen auf oder sie spiegelt sich in Form von Glücksgefühlen, zum Beispiel bei einer Heirat, wider. Der Eustress ist ebenfalls durch verschiedene Faktoren gekennzeichnet, zu denen unter anderem kurzfristige Anspannung erzeugende Ereignisse, bewältigbare Herausforderungen und eine höhere Leistungsfähigkeit gehören. Zudem wechselt sich der Eustress mit Phasen der Entspannung ab und hinterlässt ein Gefühl des Optimismus, der Stärke und des Glücklichseins.

Stress lässt sich zwar bis zu einem gewissen Grad kategorisieren, ob jedoch eine Person den Stress als positiv oder negativ empfindet, ist individuell sehr verschieden. Vor allem die Art der Situation, die Dauer und die spezifische Belastbarkeit spielen hier beim persönlichen Empfinden eine zentrale Rolle.

 

Dem Stress den Kampf ansagen

Wie ist es nun möglich, die richtige Balance zwischen stressigen Momenten und Entspannung zu finden? Zunächst: Dies liegt ganz bei Ihnen! Jeder Mensch hat andere Belastungsgrenzen und reagiert unterschiedlich auf Stress auslösende Faktoren. Daher gilt es, diese Faktoren zu identifizieren. Bei diesem Prozess kann es hilfreich sein, die Stressfaktoren nach verschiedenen Gesichtspunkten einzuteilen. Beispielsweise können Sie sich fragen, ob diese Faktoren veränderbar sind oder nicht. Manche lassen sich leichter verändern oder abstellen als andere. Sie eignen sich daher als erste Ansatzpunkte für Veränderungen besonders gut. Zur besseren Verdeutlichung der „Theorie“ sei folgendes Beispiel aufgeführt: Das Kind muss natürlich weiterhin zur Schule, aber unter Umständen gesteht Ihnen Ihr Arbeitgeber einen variablen Arbeitsbeginn zu, was Ihnen ein paar Momente der Ruhe bescheren kann. Werden Sie kreativ und versuchen Sie, Zeit für sich zu finden und sich auch zu nehmen.

Entspannungsrituale können langfristig helfen, zumal sich viele für wenige Minuten gut in den Alltag integriert lassen. Meditation, Yoga oder auch bewusstes Atmen sowie autogenes Training helfen dabei, dass der Stress nicht überhandnimmt. Wenn Sie sich To-Do-Listen für den Tag machen, versuchen Sie, diese nicht zu überladen, sondern einzukürzen. Weniger ist oft mehr und Sie schaffen sich dadurch kleine Auszeiten am Tag, an denen Sie kurz innehalten können. Mit der richtigen Ernährung geben Sie dem Körper, was er braucht, um allen Anforderungen des Alltags gerecht zu werden. Dabei gilt natürlich vor allem gesund und frisch. Aber auch mit entspannenden Tees oder Nüssen für kurzzeitige Energie (Stichwort: „Nervenfutter“) können Sie dem Stress entgegenwirken.

Lernen Sie, Nein zu sagen, wenn Sie sich nicht in der Lage fühlen, Aufgaben für andere zu übernehmen. Denn gehen Sie immer an Ihre Grenzen, nimmt Ihre generelle Belastbarkeit ab und es fällt schwerer, anderen in wirklich wichtigen Situationen beizustehen. Wichtig ist zudem der richtige Ausgleich zwischen Aktivität und Ruhe. Das gilt auch für Sport und Schlaf. Bewegung hilft dem Körper aktiv, Anspannungen abzubauen. Nach ausreichend körperlicher Anstrengung stellt sich dann ein Gefühl der Zufriedenheit und auch Müdigkeit ein. Ein gesunder und ausgeglichener Schlaf kommt meist wie von allein. Er bereitet Körper und Geist auf den nächsten Tag und die anstehenden Aufgaben auch in stressigen Situationen vor.

 

Stress hat in gesundem Maße definitiv seine Berechtigung. Aber schauen Sie genau hin und hören Sie auf sich. Sobald Sie ein Gefühl von Überbelastung haben, sollten Sie versuchen, gezielt etwas an der Situation zu verändern. Nicht alle Menschen sind für die heutige Schnelllebigkeit gemacht. Dies sollten wir berücksichtigen, damit wir nicht ausgebrannt und überfordert unseren Alltag bestreiten müssen. Wenn wir lernen, unsere Energie richtig einzuteilen und Entspannung zu finden, schaffen wir am Ende mehr, als wir eigentlich gedacht hätten und das ganz ohne gestresst zu sein.