Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Wenn die Tage vor den Tagen Probleme bereiten

„Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken, das ist die höchste aller Künste“ – der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau hatte bei diesem Satz vermutlich nicht die Eigenheiten des PMS (Prämenstruelles Syndrom) bedacht. PMS ist bisher nicht als Krankheit anerkannt, jedoch wurden einige Untersuchungen dazu angestellt. Worum es sich beim PMS handelt, welche Symptome es beinhaltet und wie man diesen entgegenwirken kann, erfahren Sie hier bei familien-gesundheit.de.

 

Was ist PMS überhaupt?

Als Prämenstruelles Syndrom werden verschiedene körperliche und psychische Symptome zusammengefasst, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums und ausschließlich bei Frauen auftreten können.

Es handelt sich dabei um die Zeit zwischen dem Eisprung und der Periode. Die Beschwerden können zwischen zwei Wochen bis drei Tage vor der Blutung anhalten und verschwinden dann nahezu schlagartig bis zum nächsten Zyklus. Rund 80 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind vom PMS betroffen. Bei einem kleinen Teil (schätzungsweise 5 Prozent) sind die Beschwerden derartig stark, dass sie die Lebensqualität und damit den Alltag der Frau beeinträchtigen. Ärger mit dem Partner, der erschwerte Gang zur Arbeit und das verschlechterte eigene allgemeine Wohlbefinden sind dann häufig an der Tagesordnung.

 

Prämenstruelles Syndrom: Vielfältige Symptome

Die körperlichen Symptome des Prämenstruellen Syndroms reichen von Unterleibsschmerzen über Krämpfe, Druckgefühl im Unterbauch, Rückenschmerzen, unreiner Haut bis zu Durchfall oder Verstopfung, Schwindel, Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Doch auch Heißhungerattacken oder Appetitlosigkeit, Übelkeit oder ein Blähbauch sind häufig berichtete Beschwerden während der Zeit des PMS. Hinzu kommen mögliche Kopf- oder Brustschmerzen – kurz: der Körper spielt verrückt.

Die Auswirkungen des Prämenstruellen Syndroms auf die Psyche sind ebenfalls sehr divers. Viele Frauen klagen über Traurigkeit, depressive Verstimmungen, plötzliche Wutanfälle, größere Ängstlichkeit, innere Unruhe oder Schlafstörungen. Des Weiteren finden sich in dieser Liste Interessen- und Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen aber auch Hyperaktivität. Einige Frauen beschreiben zudem ein Gefühl von Kontrollverlust, welches das Selbstwertgefühl beeinträchtigen kann und dadurch das negative Gesamtempfinden verstärkt – ein Kreislauf aus negativen Emotionen scheint damit vorprogrammiert.

 

Worin liegen die Ursachen des PMS?

Die genauen Ursachen für die Entstehung des PMS konnten bisher nicht eindeutig geklärt werden. Mitverantwortlich sind vermutlich die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Diese regulieren vor allem die Regelblutung und sorgen zusammen mit anderen Hormonen für die monatliche Reifung der Eizelle und die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung. Eine Vermutung besteht darin, dass die Stoffe, die beim Abbau von Progesteron entstehen, PMS-Beschwerden auslösen können. Auch das Hormon Prolaktin, welches die Brustdrüsen anschwellen lässt und vermehrt in der Zeit während des Eisprungs produziert wird, wird in diesem Zusammenhang häufig genannt.

Durch die hormonellen Veränderungen kann es außerdem zu Unregelmäßigkeiten im Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt kommen, was zumindest einige Beschwerden, die durch das Prämenstruelle Syndrom auftreten, erklären kann.

Als weitere Ursachen für das Entstehen von PMS werden häufig ein geringer Melatonin-Spiegel, Hypothyreose, Stress, unausgewogene Ernährung, Nikotinkonsum oder auch wenig Bewegung genannt. Zudem können hormonelle Verhütungsmittel einen Einfluss auf das Entstehen und die Intensität von PMS haben.

 

Wie wird PMS diagnostiziert?

Da es sich beim Prämenstruellen Syndrom nicht um eine anerkannte Erkrankung handelt, könnte man meinen, dass es demnach auch keine Diagnosemöglichkeiten gibt. Allerdings stehen Ärzten eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um dem PMS-Verdacht nachzugehen beziehungsweise andere Erkrankungen auszuschließen.

Ein Anamnesebogen, die Konkretisierung der Beschwerden und auch ein PMS-Tagebuch, welches über mehrere Zyklen geführt wird, helfen dem Arzt eine erste Einschätzung abzugeben. Nach einer körperlichen Untersuchung, bestehend aus einer Tast- und einer Ultraschalluntersuchung, können organische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Weiterhin wird die Schilddrüse untersucht und auch auf das Vorhandensein einer Endometriose (gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut) oder Depression wird die Frau getestet. Blutuntersuchungen werden dabei meist ergänzend vorgenommen um beispielsweise Hormonspiegel oder Entzündungswerte zu überprüfen.

 

Wie kann PMS behandelt werden?

Die schlechte Nachricht ist: Das Prämenstruelle Syndrom ist eine dauerhafte Begleiterscheinung des Zyklus und damit nicht „wegzubehandeln“. Die gute Nachricht ist: PMS kommt nicht immer gleichstark zum Tragen und es gibt einige Möglichkeiten, den Symptomen entgegenzuwirken.

Wenn Frauen eine leichte Form vom PMS haben, genügen meist schon ausreichend Schlaf, regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung. Vermieden werden sollten Alkohol, Nikotin und Kaffee, da diese die PMS-Symptome noch verstärken können. Linderung verschaffen können außerdem Entspannungsübungen oder Meditation, heiße Tees (beispielsweise der entkrampfend wirkende Frauenmantel-Tee) oder auch die altbekannte Wärmflasche.

Ist das Prämenstruelle Syndrom stärker ausgeprägt, können Schmerzmittel, einige Hormonpräparate oder Antidepressiva ihren Beitrag zur Linderung leisten. Bei Ödemen (massiven Wassereinlagerungen) wird häufig mit harntreibenden Mitteln, sogenannten Diuretika, gearbeitet. Bei einer schweren psychischen Belastung kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein.

Eine weitere Möglichkeit den Symptomen des PMS zu begegnen sind homöopathische Ansätze und die Nutzung von Heilpflanzen. Auch wenn deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht immer erwiesen ist, vertrauen viele Frauen auf die Wirksamkeit der Natur. Gute Erfahrungen wurden beispielsweise mit Johanniskraut, Mönchspfeffer, Melisse oder Baldrian gemacht.

 

Das Leben mit PMS

Prognosen gibt es für PMS-Betroffene nicht. Denn es handelt sich nicht um eine Erkrankung und Ärzte können nicht mit einer Therapie aufwarten. Allerdings können die oben genannten Behandlungsmöglichkeiten den Leidensdruck der meisten Frauen maßgeblich lindern. Zentral ist vor allem Entspannung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. In unserer schnelllebigen Zeit und unter dem beruflichen Druck, unter dem sich viele Frauen befinden, lassen sich die notwendigen Bedürfnisse und die individuellen Ziele jedoch nur schwer miteinander vereinbaren. Daher sollte jede Frau achtsam in sich hineinhören und sich notfalls die Freiheit nehmen, „auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken“, um mit sich und ihren Körper im Einklang zu sein.