Pflanzliche Stammzellen

Definition: Was sind pflanzliche Stammzellen?

Da auch Pflanzen zu den Lebewesen gehören, haben sie ebenfalls Zellen mit stammzellähnlichen Eigenschaften. Pflanzen besitzen das sogenannte Bildungsgewebe, das Meristem. Umgangssprachlich wird es auch als Pflanzenstammzellen bzw. Phytostammzellen bezeichnet. Bei den Zellen des Meristems handelt es sich um undifferenzierte Zellen, die sich teilen und so in der Flora für Wachstum und Regeneration sorgen. Damit nehmen sie all jene Aufgaben wahr, die in der Fauna von den Stammzellen erledigt werden.

Man findet die pflanzlichen Stammzellen sowohl am oberen Ende in den Sprossspitzen als auch am unteren Ende in den Wurzelspitzen. Aus ihnen entstehen alle Pflanzenteile – Wurzeln, Blüten, Blätter, Früchte oder Dornen. Durch beständige Zellteilung der Phytostammzellen wächst der Pflanzenkörper. So können wahre Giganten aus einem einzelnen Samenkorn heranwachsen. Der Mammutbaum beispielsweise trägt seinen Namen vollkommen zu Recht. Die größten Exemplare der in Nordamerika vorkommenden Sequoias werden über 100 Meter hoch und haben am Fuß einen Stammdurchmesser von über 10 Metern. Die Baumriesen besitzen dann ein Gewicht von geschätzten 2400 Tonnen. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem Gewicht von 4 startenden Airbussen A380, den größten Passagierflugzeugen der Welt oder 17 ausgewachsenen Blauwalen. Sie sind mit je rund 140 Tonnen die größten Säugetiere auf dem Planeten. Experten wissen, dass es sich bei den Mammutbäumen auch um wahre Methusalems handelt. Die ältesten Sequioas sind wohl über 3.000 Jahre alt.

 

Auch pflanzliche Stammzellen sind wahre Wunderzellen und für die Medizin hoch interessant

Dieses Potenzial der pflanzlichen Stammzellen rund um die Regenerationsprozesse will sich nicht nur der medizinische Sektor zu Nutze machen, sondern auch die Schönheits- und Beauty-Industrie.

In der Medizin möchte man beispielsweise verstehen, wie eine Pflanze nach einer Verletzung eine Art Schnellverschluss durch die Bildung eines speziellen Wundheilungsgewebes erzeugt. Erst nach dem Schluss der Verletzung bildet sich neues, spezifisches Gewebe wie z. B. Baumrinde oder neue Sprossen. Wer dieses System en Detail und damit die Prozesse und Signalwege bei den pflanzlichen Stammzellen verstanden hat, der hat gute Chancen Patienten mit großflächigen Wunden zu helfen. Gerade bei schweren Verbrennungen sind die offenen Wunden anfällig für Infektionen. Dringen Viren, Keime oder Pilzsporen ein, so kommt es zu Entzündungsprozessen. Eine Sepsis droht, der Patient schwebt in akuter Lebensgefahr. Daher werden Verbrennungsopfer umgehend operiert und dabei totes Gewebe abgetragen. Die entstandenen Flächen decken die Chirurgen mit gedehnter Eigenhaut ab. Stünde hier ein ähnlich schnellwachsendes Gewebe wie bei Pflanzen zur Verfügung, würden sich die Therapie von Verbrennungs- und Verätzungsopfern extrem verbessern, weil die Überlebenschancen enorm stiegen.

Für die Medizin, insbesondere für die Spezialisten für die Kryokonservierung von Geweben wie Eizellen oder Nabelschnurblut, sind weitere besondere Eigenschaften einzelner Pflanzen von großem Interesse. Wie gelingt es beispielsweise der Alpenrose, die in über 2000 Metern Höhe wächst, die extremen Temperaturschwankungen zu überstehen? Hier können im Winter -30° C herrschen, im Sonnenschein im Sommer dagegen kann das Thermometer auch auf über +30° C klettern. Wie halten das die Zellen und insbesondere die pflanzlichen Stammzellen aus? Welche Schutzmechanismen haben sie entwickelt? Gelingt es, dies auf tierische oder menschliche Gewebe zu übertragen? Wären dadurch womöglich Zellen nicht nur mehrere Jahrzehnte, sondern vielleicht sogar viele Jahrhunderte einfrierbar? An all diesen Fragen wird derzeit intensiv geforscht.

 

Pflanzenstammzellen: Das Versprechen der Kosmetikindustrie von ewiger Jugend und Schönheit

Doch nicht nur die Medizin interessiert sich für die Alleskönnerzellen der Pflanzen. Natürlich weiß auch die Schönheitsindustrie die besondere Vitalität der pflanzlichen Stammzellen zu schätzen. Sind sie womöglich der Schlüssel zur ewigen Jugend? Die Beauty-Industrie bringt heute bereits unzählige Cremes, Lotions und Ampullen mit Pflanzenextrakten auf den Markt. Die Werbeversprechen klingen logisch: Was den Apfel über die Wintermonate nicht runzeln lässt, kann für die Haut schließlich nicht schlecht sein. Anti-Aging mittels Phyto-Stammzellen ist ein riesiger Markt, schließlich wollen Millionen von Menschen auf dem Planeten faltenfrei sein und sich ihr jugendliches Aussehen bewahren. Jugendlichkeit steht für Schönheit und Schönheit steigert nachweislich die Chancen auf eine Karriere. Erfolg macht sexy. Diesen Kreislauf aus Ansprüchen und Eitelkeit gibt es nicht nur in Europa und Amerika sondern genauso in Asien und Afrika. Wer es sich leisten kann, kauft die hippen Cremes mit pflanzlichen Stammzellen.

Doch die Wirkung der Pflanzenstammzellen auf die Erhaltung der Vitalität der Hautstammzellen bei Mann und Frau ist bislang noch gar nicht so tief erforscht, wie es die Marketingabteilungen der großen Konzerne versprechen. Seriöse Forscher warnen davor, dass es noch nicht einmal gesicherte Erkenntnisse darüber gibt, ob die pflanzlichen Stammzellen tatsächlich wirken, geschweige denn ist genau bekannt, wie sie wirken. Es ist durchaus denkbar, dass die beobachteten Effekte lediglich auf die in den Extrakten enthaltenen Vitamine und Peptide zurückzuführen ist.

Ungeachtet dessen verspricht die Werbung eine Wirkung der pflanzlichen Stammzellen auf allen Ebenen: auf Ebene der Zellen sowieso und gleich noch auf Ebene der Gene. Spätestens an dieser Stelle sollte der mündige Verbraucher stutzig werden. Doch am Ende muss jeder für sich selbst eine Entscheidung treffen. Wer gentechnisch veränderte Lebensmittel wegen der noch nicht bekannten Gefahren ablehnt, kann durchaus auch ein leichtes Unbehagen verspüren bei der Hautpflege mit einer Creme, die angeblich aktiv in das Erbgut der eigenen Hautzellen eingreift. Der Selbstversuch ist daher wohl unausweichlich für die eigene Meinungsbildung.