Pearl-Index

Definition: Was ist der Pearl-Index?

Hormonelle Verhütung, Barrieremethoden, chemische Verhütungsmittel oder natürliche Verhütungsmethoden: Die Auswahl zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft ist groß, doch die Sicherheit nicht bei allen Methoden gleichermaßen hoch. Mit dem sogenannten Pearl-Index gibt es einen übersichtlichen Indikator, mit dem Sie die einzelnen Methoden in puncto Zuverlässigkeit vergleichen können.

 

So funktioniert der Pearl-Index: Sicherheit bei der Verhütung

Der Pearl-Index geht zurück auf den Biologen Raymond Pearl, der ihn in den 1930er Jahren entwickelte. Das Prinzip ist simpel: Errechnet wird der prozentuale Wert aller Frauen, die trotz Verwendung eines bestimmten Verhütungsmittels pro Jahr schwanger werden. Dabei wird für jede Verhütungsmethode ein eigener Pearl-Index errechnet. Auf diese Weise können Anwenderinnen und Anwender die Verhütungsmittel miteinander vergleichen und so das im individuellen Fall geeignetste und sicherste Verhütungsmittel finden. Dabei gilt: Je niedriger der Pearl-Index ausfällt, desto sicherer ist die jeweilige Empfängnisverhütung.

 

Methodensicherheit und Anwendungssicherheit schnell erklärt

Die meisten Pearl-Index-Tabellen zeigen beim errechneten Wert eine Von-Bis-Spanne an. Sie berücksichtigen dabei einen Mindestwert und einen Maximalwert an jährlichen Schwangerschaften.

Ein Beispiel: Der Pearl-Index für die Verhütung mit der klassischen Antibabypille wird mit dem Pearl-Index 0,1 – 0,9 angegeben. Das bedeutet, dass von 100 Frauen pro Jahr statistisch gesehen mindestens 0,1 Frauen und maximal 0,9 Frauen trotz der Verhütung mit der Pille schwanger werden. Auf konkrete Zahlen umgerechnet heißt das: Im Minimum wird eine von 1000 Frauen schwanger. Im Maximum erhalten neun von 1000 Frauen die Diagnose „Sie sind schwanger.“

Wie kommen diese unterschiedlichen Werte zustande? Der Pearl-Index legt für die Berechnung des Mindestwertes die absolut korrekte Anwendung des Verhütungsmittels zugrunde. Dies wird als die sogenannte „Methodensicherheit“ oder als der „Theoretische Pearl-Index“ bezeichnet. Natürlich kann es jedoch vorkommen, dass in der Praxis Anwendungsfehler unterlaufen. Klassiker sind beispielsweise die vergessene Pilleneinnahme oder das gerissene Kondom. Die Sicherheit eines Verhütungsmittels unter Beachtung von Anwendungsfehlern wird als „Anwendungssicherheit“ oder auch „Praktischer Pearl-Index“ bezeichnet. In den meisten Pearl-Index-Tabellen werden sowohl die Methodensicherheit (Theoretischer Mindestwert an Schwangerschaften) und die Anwendungssicherheit (Praktische Anzahl an Schwangerschaften unter realistischen Bedingungen bei alltäglicher Anwendung) berücksichtigt.

 

Sichere Verhütungsmittel bei der hormonellen Verhütung

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass neben der bereits genannten Antibabypille auch die weiteren gängigen, hormonellen Verhütungsmittel beim Pearl-Index sowohl bei der Methoden- als auch der Anwendungssicherheit zu den Methoden mit den niedrigsten Werten gehören und dementsprechend zu den sehr sicheren Verhütungsmitteln zählen. Dazu gehören zum Beispiel die Dreimonatsspritze mit einem Index von 0,3 – 0,88 oder der Verhütungsring mit einem Index von 0,4 – 0,65. Absoluter Spitzenreiter bei den sicheren Verhütungsmethoden ist das Hormonimplantat. Es hat einen Pearl-Index von 0 – 0,08. Dieses Stäbchen wird am Oberarm unter die Haut gesetzt und gibt mehrere Jahre lang kontinuierlich Hormone ab. Das begründet die absolut gute Methodensicherheit von 0,00. Die leicht verminderte Anwendungssicherheit von 0,08 erklären Experten damit, dass in den meisten Fällen das Implantat vom Arzt falsch eingesetzt wurde und daher nicht korrekt wirken konnte.

 

Der Pearl-Index bei hormonfreier Verhütung

Wer auf Hormone verzichten möchte, muss trotzdem nicht auf eine gute Sicherheit bei der Verhütung verzichten. Immer beliebter wird die Kupferspirale, die ohne Hormone auskommt und trotzdem mit einem Pearl-Index von 0,3 – 0,8 glänzt. Unsicherer sind dagegen hormonfreie Methoden wie das Diaphragma mit einem Index von 1 – 20 oder der Coitus interruptus mit einer Sicherheit von 4 – 18. Ebenfalls zu den vergleichsweise weniger sicheren Methoden zählt die Temperaturmethode mit einem Index von 3. Hier wird täglich die Körpertemperatur gemessen. Dadurch kann der Eisprung ungefähr errechnet werden, denn die Körpertemperatur ist in dieser Zeit leicht erhöht.

Wer sich absolut sicher ist, in Zukunft keinen (weiteren) Nachwuchs haben zu wollen, sollte über eine Sterilisation nachdenken. Die Sterilisation des Mannes ist heutzutage ein vergleichsweise kleiner Eingriff. Der Pearl-Index liegt bei nur 0,1. Es handelt sich somit um eine der sichersten Verhütungsmethoden. Auch die Sterilisation der Frau liegt mit einem Pearl-Index von 0,2 – 0,3 auf einem der vorderen Plätze. Der Eingriff ist chirurgisch jedoch mit größeren Risiken verbunden als beim Mann.

 

Die Schlusslichter in puncto Verhütungssicherheit sind viele Barrieremethoden

Vergleichsweise hoch fällt der Pearl-Index bei vielen Barrieremethoden aus. Wenig empfehlenswert sind chemische Verhütungsmethoden wie Scheidencremes und Zäpfchen mit Spermiziden. Hier liegt der Pearl-Index bei 18 bis 29. Nur geringfügig besser schneidet das Diaphragma mit einem Index von 12 – 20 ab.

Auch Kondome bieten nur einen vergleichsweise niedrigen Schutz, der beim herkömmlichen Kondom bei 2 – 12 und beim Frauenkondom bei 5 – 25 liegt. Kondome schützen jedoch vor übertragbaren Krankheiten wie HIV, Syphilis oder Hepatitis. Wer mittels Kondom verhüten möchte, sollte daher zur Sicherheit auf die Kombination mit einer zweiten Methode (beispielsweise der Kalendermethode oder das Diaphragma) setzen.