Der weibliche Narzissmus

Warum der weibliche Narzissmus anders als der männliche ist

„Ich muss schön und perfekt sein“, „Ich verdiene es nicht, von jemandem geliebt zu werden. Meine Makel sind einfach zu groß.“ Diese und andere Sätze gehen wohl vielen Frauen durch den Kopf, die vom weiblichenNarzissmus betroffen sind.

Es wird in der Psychologie zwischen dem offenen, meist Männer betreffenden, Narzissmus und dem verdeckten, also dem weiblichen Narzissmus, unterschieden.

Der offene Narzissmus geht typischerweise mit einer selbst empfundenen Großartigkeit und erhöhter Egozentrik einher. Beim weiblichen Narzissmus hingegen liegt der Fokus eher auf dem Aussehen und der Attraktivität.

 

Merkmale des weiblichen Narzissmus

Kennzeichnend für den weiblichen Narzissmus sind vor allem Extreme. Entweder fühlt sich die Frau großartig und stark oder hilflos und schwach. Gekoppelt sind diese Empfindungen immer an die Bewunderung, die von ihren Mitmenschen kommt – oder eben nicht. Dabei schwanken weibliche Narzissten ständig zwischen Euphorie oder dem Zusammenbruch des Selbst. Die betroffenen Frauen spielen meist „die gut Gelaunte“, befinden sie sich jedoch außerhalb der Gesellschaft, brechen sie zusammen und erfahren nur intensive Einsamkeit.

Der Glaube perfekt sein und einen attraktiven Körper haben zu müssen, treibt weibliche Narzissten an. Durch ihre eigene Perfektion erreichen sie aber nie einen Zustand, in dem sie zufrieden sind. Nach außen hin spiegeln sie jedoch das genaue Gegenteil. Oft werden Misserfolge oder auch Trennungen auf die ungenügende Attraktivität des eigenen Körpers geschoben. Dabei kann sich der Fokus auch schon auf Kleinigkeiten, wie beispielsweise eine Narbe legen.

Sehnsüchtig nach Liebe sind weibliche Narzissten bestrebt zu gefallen – auch um ihr Selbstbild zu erhalten. Oft wird jedoch Bewunderung mit aufrichtiger, ehrlicher Liebe verwechselt. Diese Bewunderung ist meist jedoch nur von kurzer Dauer, da sich Eigenschaften und Leistungen konstant ändern. Daran um ihrer selbst willen geliebt zu werden, glauben diese Frauen nicht. Sie empfinden sich in nahezu jeder Situation als unzureichend.

Die betroffenen Frauen leben entweder in totaler Abhängigkeit zum Partner bis hin zur absoluten Anpassung und Selbstaufgabe oder sie bemühen sich um eine unanfechtbare Selbständigkeit. Ein weniger an Schwarz oder Weiß ist in diesem Zusammenhang nicht denkbar.

Da viel Zeit in die Pflege des Äußeren und das Aufrechterhalten eines perfekten Körperbildes fließt, kommt bei den betroffenen Frauen das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu kurz. Das hat zur Folge, dass weibliche Narzissten in der Regel ein sehr geringes Selbstwertgefühl besitzen. Ein weiterer Faktor, der den Leidensdruck erhöht, sind die eigenen Ansprüche der betroffenen Frauen. Diese sind sehr hoch angesetzt und mit der Angst verbunden, diese Ansprüche nicht erfüllen zu können.

 

Weiblicher Narzissmus – Belastung im Alltag

Ist der weibliche Narzissmus bei Frauen stark ausgeprägt, entsteht ein enormer Leidensdruck und die Lebensqualität nimmt erheblich ab. Kritische Bemerkungen werden meist nicht nur als Verletzung empfunden, sondern erreichen den Status einer echten Bedrohung. Vor allem im Berufsleben kann dies zu einer Tortur für alle Seiten werden.

Das Selbstwertgefühl ist so stark von der, nach außen präsentierten, Fassade abhängig, dass sich bei Kritik ein Gefühl der Verlorenheit einstellt. Diese Verlorenheit schlägt relativ rasch in Depressionen, Angst- und Essstörungen oder eine Suchtproblematik um.

Weiblichen Narzissten fällt es generell schwer oder es fehlt ihnen gänzlich die Fähigkeit auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Im Familienverbund sind daher Kinder besonders stark von den Auswirkungen des weiblichen Narzissmus ihrer Mutter betroffen. Die Kinder lernen sehr früh, für sich selbst zu sorgen, da die Mutter sich meist selbst in den Mittelpunkt stellt.

Oft leiden Töchter besonders stark, da sie als Konkurrenz empfunden werden. Mütter mit weiblichem Narzissmus als Persönlichkeitsstörung erkennen häufig die Leistungen und Erfolge ihrer Kinder nicht an, außer sie sind ihrem eigenen Image dienlich.

Nicht selten sind die Kinder emotionalem Missbrauch ausgesetzt. Nach außen hin wird das Kind genötigt, die Fassade aufrecht zu erhalten, in der Rückgezogenheit des eigenen Heims, vermittelt die Mutter allerdings oft, dass sie das Kind als Last empfinde.

Nicht selten werden die Kinder durch den weiblichen Narzissten in Situationen gebracht, in denen es nur verlieren kann, da Narzissten Meister der Manipulation sind. Am Ende sehen sich die Kinder der mütterlichen Wut oder gar Rache gegenüber.

Es gibt verschiedene therapeutische Ansätze, um dem weiblichen Narzissmus zu begegnen. Dafür ist es jedoch nötig, dass sich die Frau ihres Problems bewusst wird und sich eingesteht, dass sie Hilfe benötigt. Dies würde aber ihr Selbstbild ins schwanken bringen, was für weibliche Narzissten unerträglich ist, schließlich ist ihre Überzeugung, keine Fehler zu machen. Eine der wenigen Chancen für weibliche Narzissten sich in Therapie zu begeben, besteht darin, dass der Leidensdruck der Begleiterkrankungen (Depression oder Angststörung beispielsweise) zu groß wird. Jedoch würden sich weibliche Narzissten nie aufgrund ihrer Grunderkrankung in Behandlung begeben.