Narzissmus in Beruf & Alltag

Warum das Zusammenleben mit Narzissten so schwierig ist

Der Begriff Narzissmus beschreibt Menschen mit Persönlichkeitseigenschaften wie enormer Selbstliebe, grenzenloser Großartigkeit und einer ausgeprägten Egozentrik. Sie sind manipulativ und handeln oft verletzend anderen gegenüber. Sind diese Eigenschaften besonders stark ausgeprägt, spricht man vom krankhaften Narzissmus.

Doch wie sieht ein Zusammenleben mit solchen Mitmenschen aus? Und sind all die Merkmale eines Narzissten wirklich so schlecht?

 

Narzissmus im Privatleben

Narzissten finden sich in großen Gruppen gut zurecht. Hier können sie ihrem Geltungsbedürfnis voll und ganz nachkommen, indem sie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Oft sind Narzissten laut, charismatisch und weben ein Netz der Bestätigung um sich. Denn ohne die Bestätigung von anderen wanken Menschen mit Narzissmus schnell in ihrem Selbstbild und fühlen sich unsicher. Innerlich stecken sie voller Zweifel und versuchen diese durch die Manipulation ihres Umfelds zu kompensieren.

Schon der Psychoanalytiker Erich Fromm sagte über den Narzissten: „Er ist alles, die Welt ist nichts – oder vielmehr: Er ist die Welt.“.

Auch in einer Beziehung dominiert der Narzissmus. Häufig wird die Beziehung nur so lange aufrecht erhalten, wie es der eigenen Selbstdarstellung des Narzissten dienlich ist. Dabei spielen Macht über den Partner/die Partnerin und Unterdrückung eine zentrale Rolle. Der Partner/die Partnerin wird in seiner/ihrer Person abgewertet und sieht sich Beleidigungen ausgesetzt.

Anfangs ist oft noch eine Faszination des Partners/der Partnerin zum Narzissten erkennbar. Der Narzisst ist spannend, furchtlos, charmant und zieht den Partner/die Partnerin förmlich in seinen Bann. Erst nach und nach wandelt sich das Bild und der Leidensdruck des Partners/der Partnerin wird durch die anhaltende Abwertung seitens des Narzissten größer.

Zudem wird es oftmals schwieriger, sich der Situation zu entziehen. Wichtig ist es, sich über das Bild des Narzissmus zu informieren sich Hilfe zu holen (z. B. in Selbsthilfegruppen). Unterstützung kann zudem die eigene Familie bieten. Oftmals ist nur der Schritt zur Auflösung der Beziehung als Selbstschutz des Partners/der Partnerin möglich.

 

Narzissmus im Berufsleben

Doch der Narzissmus hat nicht nur schlechte Seiten. Von sich selbst überzeugt und risikobereit zu sein, kann für Unternehmen und die eigene berufliche Weiterentwicklung von Vorteil sein. Menschen mit Narzissmus brennen förmlich für Sachen, von denen sie überzeugt sind. Sie können Teams motivieren und finden sich zudem häufiger in Führungspositionen wieder.

Problematisch wird es, wenn sich der Narzissmus verstärkt und extremer zeigt. Die Fehler der Kollegen oder Angestellten werden nicht selten aufgebauscht und auch vor anderen breit ausgefächert. Kritik an der eigenen Person verträgt der Narzisst nicht, schließlich sieht er sich selbst als fehlerfrei und den Nabel der Welt. Wird er dennoch kritisiert, kann der Narzisst schnell zur Furie werden, da er sich in seinem Selbstbild angegriffen fühlt. Ein weiterer Aspekt in der Kritikunfähigkeit des Narzissten liegt in der Annahme, nur Menschen, denen er eine Gleichwertigkeit zuschreibt, seien es wert, überhaupt mit ihm zu reden. Anmerkungen anderer Personen nimmt er daher selten für voll und ignoriert sie einfach.

 

Narzissmus aushalten – eine Frage der eigenen Person

Ob ein Leben oder Arbeiten mit einem Narzissten erträglich oder teils sogar angenehm ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Da Narzissmus nicht heilbar ist und sich die betroffenen Personen nur selten aufgrund der Erkrankung in Therapie begeben, ändert sich oftmals an der bestehenden Situation nichts.

Sich öffnen und anderen anvertrauen, stellt im Umgang mit Narzissten einen wichtigen Schritt dar. Da der Narzisst sich jedoch selbst nicht ändert, weil er es oftmals mangels eines realistischen Selbstbildes nicht kann, so bleibt aus Gründen des Selbstschutzes häufig nur das Beenden der Beziehung – egal ob beruflich oder privat.