Nabelschnurnosoden

Definition: Was sind Nabelschnurnosoden?

Homöopathen und Heilpraktiker ordnen Nosoden den homöopathischen Arzneimitteln zu. Sie werden aus Krankheits- und Stoffwechselprodukten von Viren, Mikroorganismen, Menschen und Tieren hergestellt. Der Name ist hier tatsächlich Programm, denn das Wort „Nosode“ leitet sich vom griechischen Wort für Krankheit „nosos“ ab. Laut Definition handelt es sich bei Nosoden um homöopathische Arzneimittel, die aus Krankheitserregern bzw. den bei Krankheiten entstehenden Ausscheidungen wie Schleimhautsekrete oder Eiter gewonnen werden. Das Ausgangsmaterial enthält demzufolge nicht nur den Krankheitserreger, sondern ebenso Bestandteile der Immunreaktion des Organismus. Vor der Herstellung der Nosode werden Krankheitserreger und Sekrete jedoch sterilisiert und zusätzlich die Nosode vor dem Verabreichen entsprechend dem homöopathischen Grundgedanken vielfach verdünnt. Das genaue Vorgehen zum Herstellen dieser Art der homöopathischen Arzneimittel ist im HAB, dem Homöopathischen Arzneibuch, detailliert beschrieben.

Die Abgrenzung von Nosoden und Sarkoden ist leider nicht immer genau. Sarkoden werden aus tierischen oder menschlichen Geweben, Drüsen oder Organen gewonnen. Hierbei ist es egal, ob das Ausgangsmaterial gesund oder krank ist. Da bei Nabelschnurnosoden die Nabelschnur genutzt wird, handelt es sich per Definition eigentlich nicht um eine Nosode. Die Nabelschnur ist normalerweise frei von Bakterien, Viren und Pilzen. Sie ist nicht krank. Sie hat vielmehr in den letzten neun Monaten dafür gesorgt, dass sich ein Baby im Mutterleib entwickeln konnte. Defacto ist die Nabelschnurnosode damit eigentlich eine Sarkode. Allerdings wird in Deutschland der Begriff Nosode wesentlich häufiger gebraucht, sodass sich der korrekte Ausdruck Nabelschnursarkode bislang leider nicht durchsetzen konnte. Von daher reden fast alle über Nabelschnurnosoden, obwohl die Nosoden, wenn man es ganz genau nimmt, eigentlich Sarkoden sind.

Experten sprechen von Autosarkoden bzw. Autonosoden, wenn zur Herstellung körpereigenes Material verwendet wird. Dies ist bei Nabelschnurnosoden der Fall, da für den Patienten ein Stück seiner eigenen Nabelschnur gesichert und weiterverarbeitet wird. Die Nosode ist am Ende genauso einmalig und individuell wie der Fingerabdruck des Patienten. Im Rahmen der Schwangerschaft gibt es eine Reihe von weiteren Nosoden, die sich gewinnen lassen: Plazentanosoden, Fruchtblasennosoden, Nabelschnurblutnosoden oder Muttermilchnosoden. Sie alle werden unter der Bezeichnung „Muttermittel“ zusammengefasst und manchmal auch als „Schutznosoden“ bezeichnet.
Laut dem Amerikaner Constantin Hering, dem Begründer des Nosoden-Konzepts, soll mit ihrer Hilfe die Aktivierung der Selbstheilungskräfte im Körper positiv stimuliert werden.

 

Wie erfolgt die Herstellung der Nabelschnurnosoden

Je nach Geburtsverlauf wird das Kind unmittelbar nach der Geburt abgenabelt oder die Abnabelung erfolgt erst, nachdem die Nabelschnur auspulsieren konnte. Im Regelfall wird die Nabelschnur samt Nachgeburt mit dem Klinikmüll entsorgt. Nur wenn sich die Eltern für die Gewinnung von Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe entscheiden, ist das Vorgehen ein wenig anders. Denn hier muss ein möglichst großes Stück Nabelschnur abgetrennt und steril für den Prozess der Aufbewahrung inklusive Aufbereitung und Einfrieren verpackt werden. Wenige Eltern möchten auch einen alten Brauch pflegen. Sie nehmen deswegen die Plazenta mit allem drum und dran mit nach Hause. In einer feierlichen Familienzeremonie wird diese dann im Garten beigesetzt und ein Geburtsbaum darauf gepflanzt. All das kann natürlich gemacht werden, auch wenn die Eltern die Herstellung von Nabelschnurnosoden wünschen.

Denn dafür muss die Hebamme nur ein winziges Stück Nabelschnur abtrennen. Die Größe eines Fingernagels oder eines Eurostückes reicht in der Regel aus. Das Material wird in ein Röhrchen gefüllt und an den Anbieter der Nabelschnurblutnosoden per Express-Sendung zurückgesandt. In Deutschland offerieren vor allem Apotheken diesen Service. Ungefähr eine Handvoll Apotheker hat sich auf die Herstellung der Nosoden spezialisiert und bietet den Dienst bundesweit über das Internet an.

Anders als das Nabelschnurblut ist die Nabelschnur nicht von Anfang an in Alkohol lösbar. Von daher kann keine Dilution, also eine Urtinktur, hergestellt werden. Der Apotheker muss deswegen zunächst auf das Verfahren der Trituration ausweichen. Dazu wird die Ausgangssubstanz mit Milchzucker in einem Mörser verrieben. Das Mischungsverhältnis beträgt hier in der Regel 1 : 100, was der in der Homöopathie üblichen C-Potenz entspricht. Zwecks besserer Verdeutlichung: Es werden ein Mikrogramm Ausgangssubstanz mit 99 Mikrogramm Milchzucker in einen Mörser gegeben und mindestens dreimal verrieben und wieder aufgescharrt. So entsteht die C1-Potenz. An die C2-Potenz gelangt man, indem wiederum ein Teil der C1-Potenz mit 99 Teilen Milchzucker im Mörser vermengt, verrieben und aufgekratzt wird. Das Prozedere ähnelt ganz der Herstellung von flüssigen Potenzen. Der einzige Unterschied: Anstelle von flüssigem Alkohol wird zunächst pulverisierter Milchzucker verwendet.

Die Herstellung von Triturationen ist ebenfalls im Homöopathischen Handbuch genau beschrieben. Ab der fünften Potenzstufe erfolgt allerdings nur noch eine Verschüttelung, d. h. das Pulver aus Milchzucker und verriebener Nabelschnur wird in Alkohol aufgelöst und mindestens zehnmal geschüttelt.

Der Begründer der Homöopathie, Samuel Heinemann, war der felsenfesten Überzeugung, dass sich durch das Potenzieren, also der Verdünnung, die nicht gewollten Nebenwirkungen des Ausgangsstoffes minimieren, die gewünschten Wirkungen jedoch durch das Verschütteln verstärken – zumindest aber erhalten.

Je nach gewünschter Potenz kann das Pulver oder die Tinktur zu Salben oder Globuli weiterverarbeitet werden. Salben sollten mehrmals täglich aufgetragen und ganz sanft einmassiert werden. Bei den Globuli können Erwachsene bis zu 50 Stück über den Tag verteilt einnehmen. Bei Kleinkindern ist es möglich, stündlich ein Streukügelchen zu geben.

 

Nabelschnurnosoden und ihre Anwendung

Nabelschnurnosoden können bei leichteren Beschwerden in den ersten Lebensjahren, aber auch später zur Anwendung kommen. Gute Erfahrungen mit Nabelschnurnosoden wurden beispielsweise bei Obstipation (Verstopfung) und den damit einhergehenden Bauchkrämpfen gemacht. Auch ist es möglich, dass sie bei leichten, grippalen Infekten sogar der ganzen Familie Linderung verschaffen. Selbst beim Zahnen oder zur Vorbereitung des Immunsystems auf eine Impfung können die Nosoden angewendet werden.

In der Regel sind Nabelschnurnosoden gut verträglich. Vorsichtig können daher weitere Anwendungsmöglichkeiten selbstständig ausgelotet werden. Sollten die Beschwerden allerdings nicht nach ein bis zwei Tagen abgeklungen sein, so ist eine Vorstellung beim Hausarzt unerlässlich. Er wird über das weitere Vorgehen entscheiden und möglicherweise Alternativen vorschlagen.

Auf einschlägigen Seiten im Internet lassen sich darüber hinaus noch weitere Krankheitsbilder finden, bei denen Nabelschnurnosoden zur Unterstützung herangezogen werden könnten – wie beispielsweise Asthma, Frühgeburtlichkeit, Arteriosklerose, Ödeme, Gebärmuttervorfall oder Schuppenflechte. Hier sollte jedoch auf jeden Fall im Vorfeld der Hausarzt bzw. zuständige Facharzt konsultiert werden. Bei den genannten Indikationen handelt es sich nicht um leichte Beschwerden. In der Regel ist hier eine ganzheitliche Behandlung als Kombination aus schulmedizinischen Therapie und homöopathischer Unterstützung erforderlich. Einzig und allein auf die Homöopathie zu setzen, kann durchaus schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.