Nabelschnurblutbank

Definition: Was sind Nabelschnurblutbanken?

Millionen von Stammzellen befinden sich im Blutkreislaufs eines Fötus, wie das Ungeborene im Mutterleib genannt wird. Diese Stammzellen weisen ganz besondere Eigenschaften auf: Sie sind teilungsfreudig, sehr anpassungsfähig sowie frei von Viren, Bakterien und Mutationen. Damit sehen sie Spezialisten als ideal an für einen späteren medizinischen Einsatz.

Bei der Geburt verbleibt ein Rest des kindlichen Blutes mit all den Stammzellen in der Nabelschnur. Neun von zehn Nabelschnüren werden noch immer ungenutzt im Klinikmüll entsorgt. Dabei können Neugeborene wirklich Lebensretter sein und anderen Menschen helfen. Die neonatalen Stammzellen sind ein viel zu wertvolles Gut. Mittels einer Punktion der Nabelschnurvene, der Vena umbilicalis, lassen sich Stammzellen gewinnen. Unmittelbar nach dem Abnabeln wird dabei die Vene punktiert und das stammzellreiche Nabelschnurblut aufgefangen. Diesen kleinen Eingriff bekommen weder Mutter noch Kind mit, denn die Nabelschnur enthält keinerlei Nerven. Die Stammzellengewinnung gilt als vollkommen risikolos. So sicher und so einfach lassen sich Stammzellen im späteren Leben nie wieder gewinnen.

Im Anschluss an die Gewinnung können die Stammzellen eingelagert werden. Sie stehen dann für den medizinischen Einsatz zur Verfügung – theoretisch ein Leben lang, denn durch das Einfrieren im Kryotank kommen alle Prozesse in den Zellen zum Erliegen. Studien konnten belegen, dass selbst ein jahrzehntelanger Kälteschlaf den Stammzellen nichts anhaben kann und sie nach dem Auftauen umgehend die ihnen zugedachten Reparatur- und Regenerationsaufgaben übernehmen.

 

Nabelschnurblutbanken lagern Nabelschnurblut-Stammzellen ein

Nabelschnurblutbanken bieten werdenden Eltern genau diesen Service an: Das Einlagern der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut und teilweise sogar dem Nabelschnurgewebe. Die Institutionen kümmern sich um die Bereitstellung der Materialien für die Entnahme, die durch die Geburtskliniken durchgeführt wird. Das dortige Klinikpersonal muss entsprechend geschult werden. Die Nabelschnurblutbanken sorgen außerdem für den Transport des Nabelschnurblutes sowie der Aufbereitung der Stammzellen im Labor. Sie stellen außerdem das notwendige Equipment und das Know-how für das Einfrieren für viele Jahre und Jahrzehnte bereit.

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Private Nabelschnurblutbanken und öffentliche Nabelschnurblutbanken

Die Nabelschnurblutbanken lassen sich in zwei unterschiedliche Kategorien einteilen: in die privaten Nabelschnurblutbanken und in die öffentlichen Nabelschnurblutbanken. Was sind Gemeinsamkeiten und was sind Unterschiede? Gemeinsam ist allen Institutionen, dass hier das wertvolle Nabelschnurblut mit den darin enthaltenen Stammzellen aufbewahrt wird. Die Unterschiede finden sich in der Bezahlung der Dienstleistung sowie den potentiellen Empfängern und den Anwendungsmöglichkeiten.

Bei einer privaten Nabelschnurblutbank können Eltern ein Depot für ihr Kind anlegen. Die Stammzellen stehen dann ausschließlich dem eigenen Nachwuchs zur Verfügung. Dies nennen Experten „Eigenvorsorge“. Je nachdem ob die Nabelschnurblutbank die entsprechenden Genehmigungen des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) hat, kann das Nabelschnurblut bei Bedarf auch bei engen Familienangehörigen wie einem Geschwisterchen oder den Großeltern angewendet werden. Dafür müssen allerdings die HLA-Merkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen. Im Fall des Einsatzes der Nabelschnurblut-Stammzellen innerhalb der Familie handelt es sich um eine sogenannte gerichtete Spende. Die Eltern müssen jedoch die zusätzliche Sicherheit, dass in Zukunft die neonatalen Stammzellen für medizinische Therapien zur Verfügung stehen, aus der eigenen Tasche bezahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für die Aufbewahrung nicht. Da der Preis eines Stammzellendepots das Familienbudget belasten kann, bieten private Nabelschnurblutbanken in der Regel auch individuell anpassbare Finanzierungsmöglichkeiten an.

Bei einer öffentlichen Nabelschnurblutbank lagern öffentlich gespendete Nabelschnurblutpräparate. Wenn irgendwo auf dem Erdball ein Patient Stammzellen benötigt, dann suchen Mediziner nach einem geeigneten Spender auch bei öffentlichen Nabelschnurblutbanken. In deren Registern sind die HLA-Merkmale der aufbewahrten Nabelschnurblutpräparate hinterlegt. Gibt es ein positives Match, d. h. die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger stimmen überein, so wird das Nabelschnurblut für den Patienten frei- und damit abgegeben. Die Nabelschnurblutbank verfügt über die medizinische Anwendung und trifft hier immer die letzte Entscheidung. Die Eltern des Neugeborenen, von dem die Stammzellen stammen, haben mit der öffentlichen Spende jedes Mitspracherecht bei Anwendungen abgegeben. Sollte das eigene Kind sein Nabelschnurblut einmal selbst benötigen, so kann es durchaus sein, dass es bereits zum medizinischen Einsatz kam und somit aufgebraucht ist.

Die Spende des Nabelschnurblutes an eine öffentliche Nabelschnurblutbank ist in der Regel kostenlos. Die anfallenden Kosten für die Untersuchung und Aufbewahrung der Stammzellen übernimmt die öffentliche Nabelschnurblutbank komplett. Sie finanziert sich aus Geldspenden. Damit das Geld so effektiv wie möglich eingesetzt wird, stellen die Organisationen hohe Ansprüche an die Qualität der Nabelschnurblutpräparate. Nicht alle gespendeten Nabelschnurblutpräparate können jedoch die Qualitätskriterien erfüllen, sodass recht viele Spenden verworfen werden müssen, weil sie beispielsweise die für eine Therapie benötigte Mindestmenge an Stammzellen nicht erreichen.

 

Bis zum Einfrieren des Nabelschnurblutes ist es ein weiter Weg

Bis aus dem Nabelschnurblut ein anwendungsfähiges Stammzellendepot geworden ist, sind viele Schritte erforderlich. An dieser Stelle wird der Weg eines Nabelschnurpräparates bei der privaten Nabelschnurblutbank Vita 34 exemplarisch für alle nachgezeichnet.

Zunächst erfolgt die Sicherung des Nabelschnurblutes unmittelbar im Anschluss an die Geburt in der Klinik. Dafür steht dem Klinikpersonal nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung, um die Nabelvene zu punktieren und das Nabelschnurblut zu entnehmen. Im Anschluss daran muss das Nabelschnurblut umgehend ins Labor gebracht werden, denn damit die Stammzellen keinen Schaden nehmen, dürfen zwischen der Entnahme und dem Einfrieren maximal 48 Stunden vergehen. Die Nabelschnurblutbank arbeitet für den Transport mit einem spezialisierten Kurierdienst zusammen, der den schnellen und ordnungsgemäßen Transport von Blutprodukten gewährleisten kann. Die Entbindungsklinik informiert den Kurier, dass das gewonnene Nabelschnurblut abholbereit ist. Der Fahrer macht sich umgehend auf den Weg und bringt das Entnahmepaket samt wertvoller Fracht ins Labor. Die Mitarbeiter dort kontrollieren im ersten Schritt das Entnahmepaket und erfassen die Daten von Mutter und Kind. Danach wird das Nabelschnurblut im Reinraumlabor aufbereitet. Dieser Bereich kann nur über Schleusen betreten werden und erfüllt in puncto Sicherheit und Qualität die höchsten Anforderungen. So arbeitet Vita 34 streng nach dem internationalen GMP-Standard. GMP steht dabei für „good manufactoring practice“.

Steht fest, dass alles okay ist und sich ausreichend Stammzellen im Nabelschnurblut befinden, erfolgt das Umfüllen des Blutes in kälteresistente Blutbeutel. Zum Nabelschnurblut kommt eine spezielle Einfrierflüssigkeit. Diese Art von Frostschutzmittel soll verhindern, dass sich Eiskristalle in den Zellen bilden. Diese könnten sonst die Zellwände zerstören. So wird garantiert, dass die Stammzellen das Einfrieren problemlos überstehen und nach dem Auftauen nichts von ihrer Vitalität eingebüßt haben.

Die Stammzellbank Vita 34 setzt auf das Einfrieren des Vollblutes. Andere Nabelschnurblutbanken dagegen separieren die Stammzellen – auch um das Volumen der Präparate zu senken und so Kosten zu sparen. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile.

Im letzten Schritt erfolgt das Einfrieren. Dabei werden die Stammzellen in Spezialtanks gelagert. Im sogenannten Kryotank ruhen die Blutbeutel über flüssigem Stickstoff. Hierbei dienen spezielle Aluminiumkassetten als eine Art Regalsystem.