Hurler-Syndrom bzw. Morbus Hurler

Hurler-Syndrom: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Mukopolysaccharidose (MPS) ist eine enorm seltene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der der Abbau von Glykosaminoglykanen gestört ist. Sie tritt bei etwa einer von 145.000 Geburten auf und wird je nach Schweregrad in verschiedene Formen unterteilt. Die schwerste Verlaufsform ist das sogenannte Hurler-Syndrom, welches sich durch eine Vielzahl gravierender körperlicher und geistiger Symptome äußert und die Lebenserwartung der Betroffenen stark einschränkt. Sie tritt mit einer Häufigkeit von 1:100.000 als häufigste Form der Mukopolysaccharidose Typ I auf.

 

Definition: Was ist das Hurler-Syndrom?

Das Hurler-Syndrom, auch Morbus Hurler, Hurler-Pfaundler-Syndrom oder Pfaundler-Hurler-Krankheit genannt, ist die schwerste Verlaufsform der lysosomalen Speicherkrankheit Mukopolysaccharidose Typ I (MPS I). Es handelt sich hierbei um eine seltene, autosomal-rezessiv vererbbare Stoffwechselerkrankung, bei der ein Defekt des Enzyms Alpha-L-Iduronidase besteht. Benannt ist die Krankheit nach der deutschen Kinderärztin Gertrud Hurler, welche sie das erste Mal beschrieb.

 

Ursachen & Symptome des Hurler-Syndroms

Wie bei allen Formen des MPS I liegt bei Morbus Hurler ein Defekt des Enzyms Alpha-L-Iduronidase zugrunde. Infolgedessen können Glykosaminoglykane nicht mehr ausreichend gespalten und abgebaut werden, sondern werden in den Lysosomen der Körperzellen gespeichert. Durch diese Störung des zellulären Stoffwechsels lagern sich Dermatansulfat und Heparansulfat an, was die Funktion der Zellen stark beeinträchtigt und zu verschiedenen Symptomen führt.

Typisch für die Krankheit sind Kleinwuchs, Fehlbildungen in Bändern und Sehnen der Gelenke sowie Hüftdysplasien. Skelettveränderungen, ein kurzer Hals, grobe Gesichtszüge und eine tiefe Nasenwurzel sind ebenfalls charakteristische Symptome. Aufgrund einer verringerten Elastizität des Lungengewebes, einer vergrößerten Zunge und häufig auftretenden Atemwegsinfektionen ist die Atmung der Betroffenen stark eingeschränkt, oft kommt es auch zu Schlafapnoen. Weitere Symptome sind zunehmender Hörverlust durch häufige Mittelohrentzündungen sowie eine Trübung der Hornhaut. Im Gegensatz zu anderen Verlaufsformen der MPS I ist bei Morbus Hurler immer auch das zentrale Nervensystem betroffen, was zu einer Einschränkung der geistigen Entwicklung (Retardierung) führt.

 

Therapie & Behandlung eines Hurler-Syndroms

Therapie der Wahl zur Behandlung eines Hurler-Syndroms ist eine Knochenmarks- oder hämatopoetische Stammzellentransplantation, diese sollte in der Regel bis zum Alter von zweieinhalb Jahren erfolgen. Hierbei erhält der Patient Blutzellen, welche das Enzym Alpha-L-Iduronidase korrekt bilden können. Auf diese Weise kann die korrekte Funktion des Stoffwechsels, also die Spaltung der Glykosaminoglykane wiederhergestellt werden. Eine Heilung der Krankheit ist jedoch hiermit nicht möglich, lediglich eine Steigerung der Lebenserwartung und -qualität kann somit erfolgen.

Unterstützend wird eine Enzymersatztherapie angewandt, bei der die Alpha-L-Iduronidase dem Organismus intravenös zugeführt wird. Vor allem bei Patienten, bei denen die Krankheit erst später diagnostiziert wird und für die eine Stammzellentransplantation nicht mehr in Frage kommt, kann diese Therapie zumindest die nicht-neurologischen Symptome der Erkrankung lindern. Da sie die Blut-Hirn-Schranke jedoch nicht überwinden kann, kann sie keinen direkten Einfluss auf die kognitiven und motorischen Krankheitszeichen nehmen.

 

Mithilfe der Stammzellenforschung Therapiemöglichkeiten verbessern

Da Stammzellentransplantationen immer ein gewisses Risiko aufgrund von Infektionen und Abstoßungsreaktionen bergen, versuchen Wissenschaftler stetig, die Methoden zu verbessern. So fanden niederländische Forscher an der Universität Utrecht mithilfe einer Vergleichsstudie heraus, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut bei gleicher Wirksamkeit einen deutlichen Vorteil bezüglich der Verträglichkeit der Transplantate bieten als die Stammzellen aus dem Knochenmark. Neonatale Stammzellen sind besonders flexibel und werden daher von einem fremden Immunsystem besser toleriert, infolgedessen kommt es seltener zu Komplikationen und Abstoßungsreaktionen. Durch die Verwendung von Nabelschnurblut-Stammzellen kann außerdem weitaus schneller ein passender Spender gefunden werden, da hier alle erforderlichen Tests und die Bestimmung der Gewebemerkmale im Vorfeld der Einlagerung erfolgten. Außerdem lagern die Stammzellen bereits aufbereitet in den Kryotanks. Sie müssen lediglich aufgetaut und eingesetzt werden. Die Therapie kann nahezu unmittelbar starten, sodass Wartezeiten entfallen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation “Hurler-Syndrom”

Was ist ein Hurler-Syndrom?

Beim Hurler-Syndrom handelt es sich um den schwersten Verlauf der Stoffwechselstörung Mukopolysaccharidose Typ I (MPS I). Durch eine fehlerhafte Bildung des Enyzms Alpha-L-Iduronidase können Glykosaminoglykane nicht mehr aufgespalten und abgebaut werden, was zu einer Ablagerung verschiedener Sulfate in den Zellen führt und deren Funktion beeinträchtigt. In der Folge kommt es zu einer Vielzahl von körperlichen Missbildungen, geistigen Einschränkungen und Symptomen, die Atmung, Hör- und Sehvermögen verschlechtern. Behandlungsmöglichkeiten bestehen in einer zeitnahen Stammzellentransplantation und einer Enzymersatztherapie. Heilbar ist die Krankheit jedoch bisher nicht.

 

Wann treten die ersten Anzeichen eines Hurler-Syndroms auf?

Die ersten Symptome des Morbus Hurler zeigen sich in der Regel bereits im Säuglingsalter. So kommt es bereits recht früh zu Atembeschwerden und vermehrten Atemwegsinfekten, Nabel- und Leistenhernien, Hüftdysplasien sowie Gelenksteifigkeit. Auch ein Hydrozephalus, ein sogenannter Wasserkopf bedingt durch Ansammlungen von Hirn-Rückenmarksflüssigkeit in den Hirnzwischenräumen, tritt etwa ab dem zweiten Lebensjahr auf. Ab dem dritten Lebensjahr zeigen sich Verzögerungen im Wachstum, häufig auch ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom sowie Trübung der Hornhaut, zunehmender Hörverlust und eine Vergrößerung der Zunge. Ab dem vierten Lebensjahr kommt es zur Vollausprägung des klinischen Bildes.

 

Wie kann ein Hurler-Syndrom festgestellt werden?

Da die ersten klinischen Zeichen nicht spezifisch sind, ist eine Früherkennung der Krankheit oft schwierig. Liegt jedoch ein Verdacht auf eine MPS-I-Erkrankung vor, kann eine Diagnose mithilfe eines Bluttests gesichert werden. Hierbei wird die Enzymaktivität der Alpha-L-Iduronidase überprüft, ist diese erniedrigt, ist eine MPS-I-Diagnose meist eindeutig. Heute erfolgt zusätzlich zum Bluttest fast immer auch eine genetische Analyse.