HIV (Humanes Immundefizienz-Virus)

HIV: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

HIV ist eine schwerwiegende, bislang unheilbare Viruserkrankung und hat sich seit den 1980er Jahren zu einer wahren Pandemie entwickelt. Durch die Zerstörung des Immunsystems, die mit dem Virus einhergeht, kommt es zu gravierenden Folgeerkrankungen und schließlich zum Tod durch Infektionen oder Krebserkrankungen. Nach Schätzungen des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS) hat das Virus bislang etwa 39 Millionen Menschenleben gefordert. Seit 1997 sinkt die Zahl der Neuinfektionen jedoch. Durch neue Behandlungsmethoden ist auch die Zahl der Todesfälle seit 2005 stetig zurückgegangen.

 

Definition: Was ist HIV?

Die Abkürzung HIV steht für “Human immunodeficiency virus” (zu deutsch: Menschliches Immunschwäche-Virus ). Bei HIV handelt es sich um ein behülltes Virus aus der Familie der Retroviren und Gattung der Lentiviren. Es greift die T-Helferzellen des Immunsystems an und führt somit zu einer Schwächung unserer körpereigenen Abwehr. Eine unbehandelte Infektion führt nach einer mehrjährigen, meist symptomfreien Latenzphase in der Regel zu AIDS (aquired immunedeficiency syndrom, zu deutsch: erworbenes Immundefektsyndrom). Diese Zerstörung des Immunsystems bedingt lebensgefährliche Folgeerkrankungen wie opportunistische Infektionen und verschiedene Krebsarten.

 

Ursachen & Symptome von HIV

HIV wird durch den Kontakt mit bestimmten Körperflüssigkeiten, etwa Blut, Sperma oder Vaginalsekret, aber auch durch Muttermilch und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit übertragen. Häufigste Ursachen einer Infektion mit dem Virus sind daher ungeschützter Geschlechtsverkehr oder die Benutzung von kontaminiertem Drogenbesteck. Doch auch mittels einer Bluttransfusion ist eine Ansteckung möglich. Infizierte Schwangere können ihr Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ebenfalls anstecken. Dieses Risiko lässt sich mittels einer frühzeitigen, antiretroviralen Therapie jedoch auf ein Minimum reduzieren.

In der anfänglichen Latenzphase von etwa drei bis sechs Wochen äußern sich durch HIV noch keine Symptome. Hierauf folgt eine erste Akutphase, welche für gewöhnlich mit Nachtschweiß, Fieber, Schwäche, Hautausschlag und Gelenkschmerzen einhergeht. Da diese Symptome denen der gewöhnlichen Grippe stark ähneln, wird eine HIV-Infektion oftmals nicht in Betracht gezogen und folglich auch nicht erkannt. Erst nach einer erneuten, diesmal mehrjährigen Latenzphase hat sich die Immunschwäche vollständig manifestiert und äußert sich in einer stark erhöhten Infektanfälligkeit und der Häufung von anderen Erkrankungen. Ist das Immunsystem zerstört, kann sich der Organismus der Patienten nicht einmal mehr gegen einfachste, opportunistische Infektionen wehren, welche von für gesunde Menschen vollkommen harmlosen Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst werden. Bei HIV-Infizierten treten außerdem Krebserkrankungen wie Lymphdrüsenkrebs oder ein Kaposi-Sarkom auf. Weitere gravierende Folgekrankheiten sind das sogenannte Wasting-Syndrom, welches zu ungewollter Gewichtsabnahme mit persistierenden Diarrhoen und Fieber führt, sowie die HIV-Enzephalopathie, eine schwerwiegende Gehirnerkrankung. Diese führen unbehandelt letztendlich zum Tod des Betroffenen.

 

Therapie & Behandlung von HIV

Eine HIV-Infektion ist bis heute nicht heilbar. Die Behandlung der Betroffenen konzentriert sich daher darauf, die Lebensqualität zu erhalten und die Lebenserwartung zu steigern. Mithilfe einer antiretroviralen Kombinationstherapie können die Symptome gelindert und das Immunsystem gestärkt sowie die weitere Vermehrung des Virus eingedämmt oder sogar gestoppt werden. Meist lässt sich die Viruslast, also die Konzentration des Virus in Blutserum oder Blutplasma, unter die Nachweisgrenze senken, so dass das Risiko der Weitergabe der Krankheit enorm reduziert wird. Durch die Entwicklung immer wirksamerer Medikamente ist HIV mittlerweile zumindest beherrschbar geworden: In Industrienationen ist es in der Regel nur noch eine chronische Krankheit, die eine lebenslange Medikamententherapie erfordert. Das Vollbild AIDS entwickelt sich bei uns nur noch in sehr seltenen Fällen.

 

Heilung mittels Stammzellen und Genome Editing

Mithilfe der Stammzellenforschung ist die Heilung des HI-Virus möglich, dies zeigte sich am Beispiel des sogenannten “Berliner Patienten”, bei dem die Infektion durch eine Stammzellentransplantation vollständig besiegt wurde. Dieser Erfolg war jedoch über Jahre hinweg einmalig. Es gelang erst vor kurzem, ihn zu wiederholen. Das nährt die Hoffnung auf vollständige Heilung. Jedoch ist es bis zur HIV-Standardtherapie noch ein langer Weg.

Der Berliner Patient erkrankte aufgrund der durch das HI-Virus hervorgerufenen Immunschwäche an einer Leukämie, welche mithilfe einer Stammzellentransplantation behandelt wurde. Die Spenderstammzellen stimmten hierbei jedoch nicht nur mit den HLA-Merkmalen des Empfängers überein, sondern wiesen ebenfalls eine Mutation im CCR5-Gen auf. Durch diese wurde der Berliner Patient immun gegen das HI-Virus, denn die Mutation, die er mit seinem “neuen” blutbildenden System nach der erfolgreichen Leukämiebehandlung erhielt, machte es den Viruszellen unmöglich, die T-Zellen weiter anzugreifen. Der Erfolg dieser Methode ließ sich lange Zeit nicht reproduzieren. Bei der erneuten Anwendung des Ansatzes bei anderen Patienten kam es immer wieder zu Rückschlägen und tödlichen Komplikationen. Dennoch beweist der Fall des Berliner Patienten, dass es prinzipiell möglich ist, eine HIV-Infektion mittels einer Stammzellentransplantation zu heilen.

Ein weiterer Ansatz, der eine Option zur Behandlung von HIV und AIDS bieten könnte, ist das sogenannte Genome Editing. Hierbei handelt es sich um eine molekularbiologische Methode, bei der mithilfe von Enzymen bestimmte Abschnitte der DNA herausgeschnitten, eingefügt und ausgetauscht werden können. Hierbei werden zwei unterschiedliche Verfahren erprobt.

Die erste Möglichkeit bestände in der “Genschere”. Dabei fügen Wissenschaftler die Besonderheiten der CCR5-Mutation in die blutbildenden Stammzellen des Patienten ein. Somit wären nicht nur sie vor dem HI-Virus geschützt, sondern ebenfalls auch alle Blutzellen, die sie bilden, was auch die Zellen des  Immunsystems mit einschließt. Somit ständen dem Virus immer weniger Wirtszellen zur Verfügung, bis sie ihm schließlich vollständig ausgehen und die Infektion zum Erliegen kommt.

Der zweite Ansatz ist der sogenannte “Genradiergummi”. Hierbei bewirkt ein Mechanismus in den Zellen, dass das vom HI-Virus eingebrachte Genom beständig entfernt wird. Durch die Methode kann es allerdings zu einer Mehrfachinfektion der Zelle kommen. Welche Folgen eine mehrfache Genmanipulation für das Zellerbgut hätte, ist nicht abzusehen. Experten warnen hier explizit vor schwerwiegenden, gesundheitlichen Auswirkungen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation “HIV”

Was ist HIV?

Das Humane Immundefizienz-Virus ist ein behülltes Retrovirus, welches die T-Helferzellen des Immunsystems als Wirt nutzt. Sie können dann ihren eigentlichen Aufgaben nicht mehr nachkommen, sondern sind darauf programmiert, neue HIV-Viruszellen zu produzieren. Nach und nach stehen immer weniger intakte T-Helferzellen zur Verfügung. So wird das Immunsystem massiv geschwächt und Infektionen haben einen leichtes Spiel. Unbehandelt führt die HIV-Infektion zu AIDS, was lebensbedrohliche opportunistische Infektionen und Tumore begünstigt.

Übertragen wird das HI-Virus durch bestimmte Körperflüssigkeiten wie etwa Blut oder Sperma. Hauptübertragungsursachen sind ungeschützter Geschlechtsverkehr oder verschmutztes Drogenbesteck, in seltenen Fällen auch Bluttransfusionen. Mittlerweile ist die Infektion durch fortschrittliche Medikamente jedoch gut beherrschbar, eine Heilung ist durch diese jedoch nicht möglich.

 

Was ist an HIV so gefährlich?

HIV schwächt das Immunsystem während seines Verlaufs so stark, dass der Körper des Betroffenen irgendwann selbst eigentlich harmlosen Bakterien, Viren oder Pilzen schutzlos ausgeliefert ist. Die Folge sind schwere Erkrankungen wie etwa Tuberkulose, Lungenentzündungen oder Pilzinfektionen der Speiseröhre. Bestimmte Krebserkrankungen wie Lymphdrüsenkrebs oder das Kaposi-Sarkom kommen ebenfalls vermehrt vor. Erst, wenn diese Krankheiten auftreten, sprechen Mediziner von AIDS, dem erworbenen Immunschwächesyndrom.

 

Ab wann treten die ersten Symptome von HIV auf?

Die ersten Symptome, die auf eine HIV-Infektion hinweisen können, treten wenige Wochen nach der Infektion durch einen Hochrisikokontakt auf. So kann es zu Fieber, Schlappheit, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautausschlag an Rücken, Bauch und/oder Brust kommen. Auch Durchfall, starker Nachtschweiß, schmerzende Mandeln und wunde Stellen im Mund können ein Anzeichen von HIV sein. Allerdings treten die Symptome nicht immer auf oder werden nicht wirklich bemerkt, weshalb das Virus nicht selten relativ spät entdeckt wird.

 

Wie lange kann man mit HIV leben?

Während HIV früher noch als Todesurteil galt, können Infizierte heute mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie eine (annähernd) normale Lebenserwartung haben. So kann jemand, der mit 20 Jahren an HIV erkrankt, mithilfe von Medikamenten noch durchschnittlich 49,4 Jahre leben. Auch das Risiko für eine Übertragung der Infektion von einer Schwangeren auf ihr Kind liegt durch die Therapie, Kaiserschnittentbindung und Stillverzicht nur noch bei einem Prozent.

Die antiretrovirale Kombinationstherapie ist mittlerweile so wirksam, dass das Virus in 80 bis 90 Prozent aller Fälle vollständig unterdrückt werden kann. Meist reicht bereits eine Tablette am Tag, um eine normale Funktion des Immunsystems zu gewährleisten und Menschen mit HIV eine normale Lebenserwartung zu verschaffen. Allerdings haben nur etwa die Hälfte aller HIV-Infizierten weltweit Zugang zu den nötigen Medikamenten.

Des Weiteren kommt es mit zunehmendem Alter bei Betroffenen häufiger zu anderen Erkrankungen wie Osteoporose oder Depressionen sowie zu Blutfetterhöhungen. Aus diesen können sich ebenfalls medizinische Komplikationen ergeben. Das Auftreten dieser Komorbiditäten kann auch auf die Nebenwirkungen der Medikamente zurückgeführt werden.