Graft-versus-Host-Disease (GvHD)

Graft-versus-Host-Disease: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Eine allogene Stammzellentransplantation ist bei vielen schweren Erkrankungen wie etwa Leukämie oftmals der einzige Weg, den Betroffenen eine Chance auf Heilung zu geben oder das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Allerdings ist diese Behandlungsmethode alles andere als risikoarm. In vielen Fällen kann es zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems des Spenders gegen den Organismus des Empfängers kommen. Dies wird in der Medizin als eine Graft-versus-Host-Disease bzw. -Reaktion bezeichnet.

 

Definition: Was ist eine Graft-versus-Host-Disease?

Eine GvHD, eine Graft-versus-Host-Disease (zu deutsch: Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit) ist eine immunologische Reaktion bei einem allogenen Stammzellentransplantat. Bei der Krankheit agiert eine Gruppe von im Transplantat enthaltenen weißen Blutkörperchen (T-Lymphocyten) gegen den Empfängerorganismus. Die Folge ist eine unerwünschte Abwehrreaktion, die sich besonders in Leber, Darm, Auge und der Haut symptomatisch zeigt. Je nach Ausprägung und Anzahl der befallenen Organe wird die GvHD in vier Schweregrade eingeteilt. Sie kann akut oder chronisch verlaufen.

 

Ursachen & Symptome für die Graft-versus-Host-Disease

Die Ursache für eine Graft-versus-Host-Disease ist eine mangelnde Kompatibilität der humanen Leukocyten-Antigene (HLA) von Spender und Empfänger. Aus diesem Grund werden für Knochenmarks- und Stammzellentransplantate in der Regel Geschwisterspender gewählt, da hier die Gewebemerkmale (HLA) oftmals identisch sind. Dennoch kommt es trotz optimaler Vorsorge in etwa 30 bis 40 Prozent aller Transplantationen zu einer leichten oder mittelstarken GvHD, in 10 Prozent sogar zu einer schwer kontrollierbaren Form. Als Folge der Abwehrreaktion des Transplantats treten beim Empfänger oftmals Hautveränderungen mit begleitendem Juckreiz, eine Vergrößerung von Leber und/oder Milz (Hepatosplenomegalie) sowie Darmprobleme, etwa wässrige Diarrhoen und schmerzhafte abdominelle Krämpfe (Tenesmen) auf.

Obwohl es sich bei einer Graft-versus-Host-Disease um eine unerwünschte Abwehrreaktion der Spenderlymphocyten handelt, ist diese mit einem durchaus erwünschten Effekt gekoppelt. Dies ist die gezielte Bekämpfung von bösartigen Zellen durch die Immunabwehr des Spenders. Man spricht hier von Graft-versus-Leukemia (GvL) oder Graft-versus-Malignancy (GvM). Bei diesem Vorgang werden im Körper des Empfängers vorhandene Krebszellen von den NK-Zellen des Spenders zerstört. Dies wird auch als Lysieren bezeichnet.

 

Therapie & Behandlung der Graft-versus-Host-Disease

Je nach Ausprägung der Graft-versus-Host-Disease werden unterschiedliche Behandlungsmethoden angewandt. Bei einer akuten GvHD, die sowohl Leber, Darm und Haut betrifft, werden sowohl hochdosierte Kortikosteroide als auch Immunsuppressiva eingesetzt. Letztere dienen dazu, die Funktion des Immunsystems zu drosseln und somit eine Verstärkung sowie weitere Abwehrreaktionen zu verhindern. Während eine akute GvHD bereits nach wenigen Wochen auftritt, manifestiert sich die chronische Form der Krankheit erst nach zwei bis drei Monaten und wird meist von Veränderungen sowie Infektionen in den betroffenen Organen begleitet. Hier erfolgt die Therapie ebenfalls medikamentös, allerdings werden Prednisolon und Azathioprin eingesetzt. Auch diese haben eine hemmende Wirkung auf das Immunsystem.

 

Mit einer Stammzellentherapie das Immunsystem unterstützen

Leukämie und Lymphom-Krankheiten sind schwere Krebserkrankungen, bei denen nicht viele und meist sehr aggressive Behandlungsmethoden existieren. Oftmals bietet eine Knochenmark- oder Blutstammzellentransplantation die einzige Chance auf Heilung oder Besserung. Allerdings können bei dieser Nebenwirkungen wie etwa die Graft-versus-Host-Disease auftreten, die je nach Schwere und Verlauf tödlich enden können. Jedoch könnten andere Stammzellentherapien diese Nebenwirkungen eliminieren oder zumindest einschränken. So haben Forscher an der Universität Leipzig begonnen, die Effekte von aus Nabelschnurblut gewonnenen mesenchymalen Stammzellen auf die GvHD zu erforschen. Studien zeigten bereits, dass mesenchymale Stammzellen eine beruhigende Wirkung auf ein aggressives Immunsystem haben. Sie könnten demnach unerwünschte Abwehrreaktionen bei einer Transplantation positiv beeinflussen. Dies würde Leukämie-Patienten in der Zukunft ein längeres Leben ohne Komplikationen ermöglichen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Graft-versus-Host-Disease“

Was ist die Graft-versus-Host-Disease?

Bei der Graft-versus-Host-Disease handelt es sich um eine immunologische Abwehrreaktion nach einer Stammzellentransplantation. Hier greift das in den Körper des Empfängers eingebrachte Immunsystem des Spenders, überwiegend die T-Lymphocyten, seinen neuen Wirt an. Dies äußert sich in Schäden an Haut, Augen, Leber und Darm, welche im schlimmsten Fall zum Tode führen können. Eine GvHD kann sich entweder akut nach wenigen Wochen entwickeln oder sich chronisch nach mehreren Monaten zeigen.

 

Was ist der Graft-versus-Malignancy-Effekt?

Graft-versus-Malignancy (GvM), zu deutsch Transplantat-gegen-Bösartigkeit, ist ein erwünschter Nebeneffekt der Graft-versus-Host-Disease. Er beschreibt die Immunreaktion der Spenderlymphozyten gegen bestehende, bösartige Zellen. Hierbei zerstören die NK-Zellen, eine Form der Killerzellen des Immunsystems, die Krebszellen im Organismus des Empfängers nach der Transplantation. Dieser Vorgang wird auch als Lysieren bezeichnet.

 

Wie hoch ist die Überlebenschance bei einer Stammzellentransplantation?

Obwohl eine Stammzellentransplantation meist die einzig wirksame Behandlungsmethode bei einer akuten Leukämie ist, bestehen dennoch Risiken. Die 5-Jahre-Überlebensrate nach einer Transplantation liegt bei etwa 50 Prozent. Eine individuelle Prognose hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Der wohl wichtigste Punkt hierbei ist die Kompatibilität der HLA-Merkmale von Spender und Empfänger. Im Idealfall sollten 10 von 10 Gewebemerkmalen übereinstimmen. Leider wird nicht für jeden Patienten in der zur Verfügung stehenden Zeit ein optimal-passender Spender gefunden. Mediziner sehen sich daher oftmals zur Transplantation gezwungen, wenn lediglich 8 oder 9 HLA-Merkmale passen, weil die Zeit drängt und sich der Gesundheitszustand des Patienten sonst massiv verschlechtert. Bei sogenannten Mismatch-Transplantationen ist die Komplikationsrate allerdings höher, die Gefahr, dass der Patient eine chronische GvHD entwickelt, steigt.