Cerebralparese (Frühkindliche Hirnschädigung)

Cerebralparese: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Das Gehirn ist die Schaltzentrale unseres Körpers. Es verarbeitet nicht nur all unsere Sinneswahrnehmungen und speichert komplexe Informationen, sondern koordiniert ebenfalls unsere Bewegungsabläufe, indem es Signale an die Skelettmuskulatur sendet. Diese sendet wiederum Signale an das Gehirn zurück, sobald die geforderte Aktion ausgeführt ist. Bei einer Parese ist dieser Kreislauf jedoch beeinträchtigt, was zu Bewegungs- und Haltungsstörungen sowie Muskelspasmen führt. Laut Statistiken ist etwa eins von 500 Kindern von einer Cerebralparese betroffen.

 

Definition: Was ist eine Cerebralparese?

Eine Cerebralparese wird auch „infantile Cerebralparese“ oder „cerebrale Bewegungsstörung“ genannt. In der medizinischen Fachliteratur findet sich darüberhianus die Schreibweise Zerebralparese oder kurz CP. Die Bezeichnung selbst leitet sich aus dem Lateinischen Begriff „cerebrum“ (= Gehirn) und dem griechischen Wort „parese“ (= Lähmung) ab.

Das Krankheitsbild bezeichnet Bewegungsstörungen, die infolge einer frühkindlichen Hirnschädigung auftreten. Die übliche Entwicklung des zentralen Nervensystems ist hierbei in einem frühen Stadium gestört, was eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegunsapperat nach sich zieht. Die Folge sind Spastiken, Gleichgewichtsstörungen oder unharmonische Bewegungsabläufe sowie unwillkürlichen Bewegungen.

 

Cerebralparese: Ursachen und Symptome

In nur etwa der Hälfte aller Fälle sind die Ursachen für eine Cerebralparese eindeutig zu bestimmen. Größtes Risiko stellt ein Sauerstoffmangel vor, während oder kurz nach der Geburt dar, welcher zum Absterben von Nervenzellen und somit zu einer Hirnschädigung führt. Auch Krankheiten der Mutter während der Schwangerschaft, etwa Toxoplasmose, Röteln oder Cytomegalie, können als Ursache in Betracht gezogen werden, ebenso der Einfluss von Medikamenten oder übermäßiger Alkoholkonsum. Im frühen Kindesalter können Hirnhautentzündungen, Hirnblutungen oder ein Schädel-Hirn-Trauma weitere Gründe für eine Cerebralparese sein.

Eine Cerebralparese äußert sich in drei auffälligen Störungen des Bewegungsapparates, welche häufig in Mischformen auftreten.

  • Bei einer Spastik kommt es zu einer unwillkürlichen oder willkürlichen überstarken Anspannung der Muskeln (Hypertonie), was die Reflexbereitschaft steigert, die Beweglichkeit stark einschränkt und zu stereotypischen Bewegungsmustern führt. Dies beeinträchtigt auch den Gleichgewichtssinn und die Feinmotorik. Spastiken sind die meistvertretene Störung bei einer Cerebralparese.
  • Eine Ataxie ist die gegenteilige Beeinträchtigung: Hier ist die Grundspannung der Muskeln zu niedrig (Hypotonie). Bewegungsabläufe sind hier weniger zielsicher, wirken unharmonisch und sind schwerer zu bremsen und somit zu koordinieren. Das Gehen ist besonders erschwert.
  • Bei einer Athetose liegt ein unkontrollierbarer Wechsel zwischen Hyper- und Hypotonie vor: Im Ruhezustand ist die Muskelspannung zu niedrig, bei Aktivität kommt es zu einer unkontrollierten Spannung und Entspannung.

 

Therapie & Behandlung einer Cerebralparese

Eine kausale Therapie für die frühkindliche Hirnschädigung existiert bisher nicht, daher wird sich in der Regel darauf konzentriert, die individuellen Beschwerden der Patienten anzugehen. Ärzte, Eltern, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten müssen hierbei eng zusammenarbeiten.

Wichtig ist vor allem, dass diese Maßnahmen so schnell und früh wie möglich nach der Diagnose beginnen. Mithilfe von Physiotherapie sollen vorhandene Fähigkeiten verbessert und Bewegungsabläufe beschleunigt sowie Fehlhaltungen vorgebeugt werden. Eine Ergotherapie zielt auf das Trainieren von Alltagsaufgaben ab, etwa das Anziehen, Essen und die Körperpflege. Gehhilfen oder Rollstühle unterstützen Betroffene zusätzlich. Die Muskelspasmen können außerdem medikamentös behandelt werden. Bringen alle Therapiemethoden nicht den gewünschten Erfolg, kann ein operativer Eingriff, etwa eine Gelenkversteifung oder eine Nervendurchtrennung, eine letzte Lösungsmöglichkeit darstellen.

 

Hoffnung auf Heilung durch die Stammzellenforschung

Hirnzellen zählen zu den wenigen Zellen unseres Körpers, die sich nur schwer regenerieren können: Eine Heilung der Cerebralparese ist aus diesem Grund bislang nicht möglich. Daher wird nach Behandlungsmethoden mithilfe von Stammzellen geforscht. Wissenschaftler legen hier vor allem große Hoffnung in die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, da Zellen von Fremdspendern Abstoßreaktionen hervorrufen würden. In mehreren Heilversuchen mit Stammzellen aus dem Nabelschnurblut konnten bereit erste Erfolge beobachtet werden. Hierbei ist jedoch unklar, ob die Fortschritte der Patienten auf die Stammzelleninfusionen oder die herkömmlichen Therapiemaßnahmen zurückzuführen sind, da es sich bei einer Cerebralparese nicht um eine fortschreitende Krankheit handelt. Dennoch besteht große Zuversicht, schon bald eine wirksame Stammzellentherapie zur Behandlung oder sogar zur Heilung zu finden.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Cerebralparese“

Was ist eine Cerebralparese?

Eine Cerebralparese beschreibt Hirnschädigungen im frühen Kindesalter, die zu diversen Bewegungs- und Haltungsstörungen sowie zu einer generellen Einschränkung der Beweglichkeit führen. Grund dafür ist eine gestörte Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegungsapparat aufgrund der geschädigten oder abgestorbenen Nervenzellen.

 

Welche Begleiterkrankungen können bei einer Cerebralparese auftreten?

Neben den Bewegungsstörungen haben die zugrundeliegenden Hirnschädigungen einer Cerebralparese oft weitere Auswirkungen auf die Gesundheit. So leiden etwa zwischen 30 und 50 Prozent der Betroffenen ebenfalls an symptomatischer Epilepsie. Als weitere Begleiterkrankungen treten auf: Verzögerung der geistigen Entwicklung und Verhaltensstörungen. Ebenso kann die Intelligenz kann vermindert sein, d. h. die Kinder haben einen verminderten IQ und damit Probleme beim Lösen von abstrakten Problemen oder kommen mit neuen Situationen schlechter klar. In manchen Fällen schlägt sich die Krankheit in Konzentrationsprobleme und einem verringerten Kurzzeitgedächtnis nieder. Dies alles kann zu späteren Problemen in der Schule führen. Je nach geschädigter Hirnregion ist es möglich, dass auch die Sinnesorgane Schaden genommen haben: Die Folgen hier sind zum Beispiel Schielen, Sprachstörungen oder Hörbehinderungen. In extremen Fällen führt eine Cerebralparese zu Minderwuchs oder Muskelschwund.

 

Welche Medikamente kommen bei der Behandlung von Spastiken zum Einsatz?

Die Auswirkungen einer Spastik können auf verschiedene Weise mit Medikamenten behandelt werden. Als Tablettenpräparate gegen die Symptome werden zum einen Antispastika wie Baclofen, Tizanidin oder Tolperison eingesetzt, zum anderen normale krampflösende Mittel wie etwa Gabapentin. Auch psychoaktive Substanzen wie Benzodiazepine können Wirkung zeigen.