Blutbildungsstörungen (Aplasie)

Blutbildungsstörungen: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Die Bildung unseres Blutes findet überwiegend im Knochenmark statt. Hier entstehen alle Komponenten, damit die wohl wichtigste Substanz unseres Körpers ihre Aufgaben erfüllen kann. Die blutbildenden Stammzellen entwickeln sich dabei zu roten Blutkörperchen (Erythrocyten), die für den Sauerstofftransport verantwortlich sind, zu weißen Blutkörperchen (Leukocyten), die unser Immunsystem bilden, und zu Blutplättchen (Thrombocyten), die für die Blutgerinnung sorgen. Sind diese Stammzellen aus irgendeinem Grund beschädigt, werden ein oder mehrere Blutbestandteile entweder unzureichend oder nur fehlerhaft ausgebildet: Man spricht von einer Blutbildungsstörung, einer Aplasie. Diese kann mitunter lebensbedrohliche Auswirkungen auf unseren Organismus haben.

 

Definition: Was sind Blutbildungsstörungen

Unter Blutbildungsstörungen werden verschiedene Krankheiten zusammengefasst, die die hämatopoetischen Stammzellen im Knochenmark schädigen oder zerstören. Somit ist die fehlerfreie Blutbildung beeinflusst bzw. verhindert. Je nach Art der Krankheit sind unterschiedliche Bestandteile unseres Blutes betroffen, etwa die roten oder weißen Blutkörperchen oder aber die Blutplättchen. Dies führt zu verschiedenen Symptomen wie Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder Blutungsneigung. Manche Krankheiten haben auch Auswirkungen auf mehrere oder alle Bestandteile unseres Blutes.

 

Ursachen & Symptome von Blutbildungsstörungen

Wie bereits erwähnt entsteht eine Blutbildungsstörung, wenn die Stammzellen im Knochenmark beschädigt oder zerstört werden bzw. entarten. Dies kann aufgrund einer Vielzahl verschiedener Krankheiten geschehen. Zu diesen zählen zum Beispiel die verschiedenen Formen der Leukämie (AML/CML bzw. ALL/CLL), maligne Lymphome (Non-Hodgkin-Lymphome), Thalassämie und Aplastische Anämie. Doch auch andere Ursachen können zu einer Blutbildungsstörung führen, etwa der Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure. Ebenso lösen Medikamente oder eine Bestrahlung infolge einer Krebsbehandlung manchmal eine Blutbildungsstörung aus.

Wie sich eine Blutbildungsstörung äußert, ist unterschiedlich und richtet sich danach, welche Teile unseres Blutes von der Krankheit betroffen sind. Ist zum Beispiel die Bildung der weißen Blutkörperchen gestört, so sind die Erkrankten oftmals sehr anfällig für Infekte, da das Immunsystem geschwächt ist. Die roten Blutkörperchen sind für den Transport von Sauerstoff in Gehirn und Organe verantwortlich. Werden sie nicht ausreichend oder fehlerhaft gebildet, kommt es zu Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei einer Störung der Bildung von Blutplättchen ist die Blutgerinnung gestört. Betroffene sind also oftmals sehr blutungsanfällig und Wunden verheilen schlechter.

 

Therapie & Behandlung von Blutbildungsstörungen

Bevor eine Blutbildungsstörung behandelt werden kann, muss zuerst ihre Ursache ermittelt werden. Ist etwa ein Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure der Grund für die Krankheit, so muss zunächst geklärt werden, ob dieser durch eine zu einseitige bzw. falsche Ernährung zustande kommt oder ob eine Resorptionsstörung, etwa durch eine chronische Darmerkrankung, vorliegt. Eine Leukämie erfordert Maßnahmen wie Chemotherapie in der Induktionsphase sowie eine Stammzellentransplantation in der Konsolidierungs- oder auch Erhaltungsphase. Bei einer Blutarmut (Anämie), die durch einen bestimmten Nährstoffmangel hervorgerufen wird, muss ebenfalls geprüft werden, ob sie sich durch die Supplementierung der fehlenden Nährstoffe beheben lässt oder ob eine weitere Ursache behandelt werden muss. Bei einer Aplastischen Anämie sind alle Blutzellen vermindert. Hier können zunächst Bluttransfusionen als Behandlungsmöglichkeit genutzt werden. Für die Behandlung der Ursache werden im weiteren Verlauf eine immunsuppressive Therapie und ebenfalls eine Stammzellentransplantation genutzt.

 

Heilung von Blutbildungsstörungen durch Stammzellenforschung

Bei schweren Blutbildungsstörungen wie etwa Leukämie wird bereits seit Jahrzehnten eine Stammzellentransplantation zur Behandlung eingesetzt. Anders als bei anderen Krankheiten, bei denen eine autologe Transplantation möglich ist (hier werden körpereigene, gesunde Stammzellen verwendet), erfordert die Behandlung einer Blutbildungsstörung in der Regel eine allogene Stammzellentransplantation, weil davon auszugehen ist, dass die eigenen Stammzellen des Patienten den Fehler bereits in sich tragen.

Bei der allogenen Transplantation werden per Apherese bzw. Knochenmarkspunktion die blutbildenden Stammzellen von Spendern entnommen, vorzugsweise von Geschwistern, da hier die Wahrscheinlichkeit einer Transplantatabstoßung geringer ist. Anschließend wird das blutbildende System des Patienten in einer Konditionierungsphase durch eine hoch dosierte Chemotherapie zerstört. Im Anschluss erfolgt der Neustart, indem die gespendeten Stammzellen zugeführt werden Blutbildung übernehmen, die von nun an wieder fehlerfrei erfolgt. Durch die ständige Weiterentwicklung der Verfahren versucht die Stammzellenforschung, die Behandlungsmethode zu optimieren, um Risiken wie Infektionen und Abstoßreaktionen weiter zu verringern. In manchen Fällen bleibt die Suche nach einem allogenen Spender erfolglos. Hier versucht die Stammzellenforschung die patienteneigenen Stammzellen so zu modifizieren, dass doch eine autologe Transplantation möglich ist und somit die Überlebenschancen steigen.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Blutbildungsstörung“

Was sind Blutbildungsstörungen?

Bei Blutbildungsstörungen erfolgt die Bildung von einem oder mehreren Bestandteilen unseres Blutes fehlerhaft. Hervorgerufen werden sie durch verschiedene Krankheiten wie etwa Leukämie, Medikamente oder Bestrahlung sowie durch den Mangel bestimmter Nährstoffe, zum Beispiel Eisen oder Vitamin B12. Je nach Schädigung der Blutbestandteile können sich verschiedene Symptome ausbilden, von Schwäche und Müdigkeit über eine erhöhte Infektanfälligkeit bis hin zur Blutungsneigung.

 

Was ist eine Anämie?

Unter einer Anämie, zu deutsch Blutarmut, versteht man eine Verminderung der Hämoglobin-Konzentration im Blut. Da Hämoglobin ein Sauerstoff-tragendes Protein ist, macht es überwiegenden Bestandteil der roten Blutzellen aus. Eine Anämie geht damit in der Regel immer mit einem Mangel an Erythrocyten einher. Somit ist bei dieser Blutbildungsstörung die Transportfähigkeit von Sauerstoff in unserem Blut vermindert, was sich zunächst in einer allgemeinen körperlichen Schwäche, schnellerer Ermüdung und Konzentrationsproblemen äußert. Je nach Ausprägung und Dauer einer unbehandelten Anämie können gravierendere Symptome auftreten, etwa eine Niereninsuffizienz oder Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Die Auslöser für eine Anämie sind entweder erworben oder angeboren. Zu den erworbene Ursachen gehören in der Regel Blutverluste, Erkrankungen des blutbildenden Systems oder die Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen. Angeborene Auslöser sind zum Beispiel Hämoglobinopathien, also genetische Störungen der Hämoglobinbildung.

 

Wo befindet sich das Knochenmark?

Das Knochenmark, unser wichtigstes blutbildendes Organ, kommt bei erwachsenen Menschen in den größeren Knochen des Körpers vor. Nennenswert sind hier der Beckenknochen, die Schulterknochen, Rippen, Schlüsselbeine und die Wirbelkörper. Bei Neugeborenen befindet sich das Binde- und Stammzellgewebe noch in den Markhöhlen fast aller Knochen.

 

Was ist MDS für eine Krankheit?

Die Abkürzung MDS steht für myelodysplastisches Syndrom. Dieses Krankheitsbild wird den Blutbildungsstörungen zugerechnet, denn die Blutbildung, die sogenannte Hämatopoese, ist gestört. Auch bei MDS gibt es verschiedene Formen und damit Ausprägungen: Es kann ein Mangel an roten Blutkörperchen herschen. Es gibt außerdem von bestimmten weißen Blutkörperchen zu wenige und auch die Blutplättchen sind nicht in ausreichender Zahl vorhanden, denn die Stammzellen reifen beim myelodysplastischen Syndrom nicht vollständig aus. Im Blut der Patienten ist die Blastenzahl, also die Anzahl unreifer Zellen, drastisch erhöht. Das hat zur Folge, das reife Blutzellen entweder komplett funktionsunfähig oder einfach in zu geringer Anzahl vorhanden sind. Die Lebensdauer der Blutzellen ist ebenfalls verkürzt. Wird MDS nicht erkannt und behandelt, besteht die Gefahr, dass sich die Krankheit zu einer akuten-myeloischen Leukämie entwickelt. Diese stürzt den Körper in eine schwere Krise.