Autismus bzw. Autismus-Spektrums-Störung

Autismus: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Verschiedene Krankheiten und Störungen können die normale Entwicklung eines Menschen beeinflussen oder verhindern. Dies äußert sich in der Regel in der Sprachentwicklung, der Sozialkompetenz sowie der Motorik oder anderen stereotypen Verhaltensweisen. Zu den wohl bekanntesten Entwicklungsstörungen zählen die Störungen aus dem Autismus-Spektrum. In den letzten Jahren wurde die Diagnose „Autismus“ immer häufiger bei Kindern gestellt. Das Krankheitsbild wurde auch schon von Hollywood in dem oscar-prämierten Film „Rain Man“ mit Dustin Hoffman und Tom Cruise cineastisch aufgearbeitet.

 

Definition: Was ist Autismus?

Unter dem Begriff Autismus versteht man eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich in der Regel bereits in einem frühkindlichen Stadium zeigt, nicht selten vor dem dritten Lebensjahr. Autismus kann viele Facetten haben, deswegen sprechen Experten lieber von der Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Die Klassifikationen nach dem ICD-10-Standard benennt drei Subtypen: Den frühkindlichen Autismus, den atypischen Autismus und das Asperger-Syndrom. Alle drei Formen äußern sich in ähnlichen Symptomen, es können jedoch Unterschiede festgestellt werden, vor allem hinsichtlich des Asperger-Syndroms. Aufgrund ihrer Einschränkungen in verschiedenen sozialen und kognitiven Bereichen benötigen Autisten häufig lebenslange Unterstützung und Hilfe.

 

Ursachen & Symptome von Autismus

Die Ursachen für das Entstehen von Autismus sind bis heute nicht geklärt, es wird jedoch ein pränataler Ursprung vermutet. Neuere Studien verhärten zunehmend die These einer „Atypischen Konnektivität“. Hierbei besitzen verschiedene Hirnbereiche eine verminderte Synchronisation untereinander und auch die Aktivitäten der einzelnen Abschnitte sind in bestimmten Bereichen stärker beziehungsweise weniger stark ausgeprägt. Dies könnte zumindest die spezielle Art des Erfassens von Zusammenhängen von Autisten sowie ihre veränderte Wahrnehmung der Umwelt erklären.

Zu den Hauptsymptomen bei allen Formen von Autismus zählen Probleme beim sozialen Umgang und Austausch, Beeinträchtigungen der sprachlichen und nonverbalen Kommunikation, besonders hinsichtlich des Blickkontakts, sowie eingeschränkte, sich wiederholende Interessen. Letzteres kann zu enormem Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet führen (Inselbegabung). Der frühkindliche Autismus zeichnet sich außerdem für gewöhnlich durch eine stark verzögerte oder sogar gänzlich fehlende Sprachentwicklung aus. Er kann zusätzlich entweder mit einer verminderten (Low Functioning Autism) oder einer normalen bis hohen Intelligenz (High Functioning Autism) einhergehen. Der atypische Autismus ist dem frühkindlichen recht ähnlich, jedoch manifestiert er sich entweder erst deutlich später oder es treten nicht alle Symptome auf. Beim Asperger-Syndrom setzt die Sprachentwicklung sehr früh ein und zeichnet sich durch einen grammatikalisch und stilistisch hoch stehenden, oftmals pedantischen Sprachstil aus. Es bestehen hingegen Probleme beim Verstehen von Metaphern und Ironie. Des Weiteren sind Menschen mit Asperger-Syndrom häufig ungeschickt und generell in ihrer Motorik und Koordination gestört.

 

Therapie & Behandlung von Autismus

Da die Ursachen für die Entstehung von Autismus bislang unklar sind, kann die Entwicklungsstörung auch nicht geheilt werden. Therapiemaßnahmen konzentrieren sich daher hauptsächlich darauf, soziale und kognitive Defizite sowie eventuell auftretende psychische Probleme zu behandeln. Zu den gängigsten Methoden zählen hier eine Verhaltenstherapie und ein Elterntraining, welches ihnen den Umgang mit dem autistischen Kind erleichtern soll. Psychische Komplikationen wie Depressionen, Aggressionen, Ängste, Zwänge oder neuronale Störungen können mithilfe von Medikamenten behandelt werden. Um Stimmung und Kontaktfähigkeit von autistischen Personen positiv zu beeinflussen, finden auch Musik-, Kunst- oder Massagetherapien sowie Therapien mit Tieren Anwendung. Auftretende Sprachstörungen benötigen die Konsultation eines Logopäden.

 

Hoffnung auf Heilung durch die Stammzellenforschung

Autismus ist bis heute nicht heilbar. Sowohl Ursachen als auch Entstehung sind absolut unklar. Daher versuchen Forscher mittels Grundlagenforschung, die Krankheit besser zu verstehen und nach neuen Therapieansätzen zu suchen. Ein großer Hoffnungsträger ist hierbei die Stammzellenforschung. Einer dieser Ansätze betrifft das Immunsystem, dessen Aktivität bei Autismus eine bestimmte Rolle zu spielen scheint. So könnte eine Nabelschnurblut-Therapie mit jungen, neonatalen Stammzellen ein entartetes Immunsystem beruhigen und seine Funktion wieder normalisieren. Ein anderer Ansatz besteht darin, mithilfe von Stammzellen bestehende, neuronale Schäden zu reparieren und eine normale Vernetzung der Gehirnzellen zu gewährleisten. Erste klinische Studien zu diesen Therapien haben bereits begonnen, aussagekräftige Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.

Um eine wirksame Behandlung oder vielleicht sogar eine Heilung für Autismus zu finden, ist es ebenfalls nötig, das Verständnis der Entwicklungsstörung zu erweitern. Hierfür gewannen Wissenschaftler aus den Hautzellen von Autisten und gesunden Vergleichspersonen induzierte, pluripotente Stammzellen, welche dazu angeregt wurden, sich zu Zellen des Telenzephalons, also dem Vorläufer des Großhirns am Anfang der Embryonalgenese, zu entwickeln. Aus dem Vergleich der gesunden und autistischen „Minigehirne“ konnten verschiedene Erkenntnisse gewonnen werden. So zeigte sich, dass Autisten häufig an Makrozephalie leiden, die Vorläuferzellen der Großhirn-Neurone teilten sich bei ihnen also schneller als normal. Dieses Wachstum schränkte die Aktivität der anderen Neuronen wiederum ein. Außerdem kam es zu einer vermehrten Bildung von Synapsen und Zellfortsätzen, sogenannten Neuriten.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Autismus“

Was ist Autismus?

Bei Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, welche in der Regel schon im frühen Kindesalter auftritt. Sie äußert sich durch Beeinträchtigungen von kognitiven, sozialen und in einigen Fällen auch motorischen Fähigkeiten. Autismus kann sowohl zu verminderter, als auch zu erhöhter Intelligenz führen. In beiden Fällen kann sich aufgrund von eingeschränkten, sich wiederholenden Interessen eine Inselbegabung entwickeln. Es werden verschiedene Subtypen unterschieden, die sich jedoch in nahezu identischen Symptomen äußern. Die Ursachen für die Störung sind bis heute nicht geklärt, eine Behandlung oder Heilung existiert ebenfalls nicht.

 

Was ist der Unterschied zwischen Autismus und dem Asperger-Syndrom?

Hochfunktionaler Autismus (HFA) und das Asperger-Syndrom sind beides Teile des Autismus-Spektrums. Im Erwachsenenalter sind sie kaum noch voneinander zu unterscheiden, jedoch gibt es Unterschiede, die die Klassifizierung beider Typen laut ICD-10 rechtfertigen. Eines der Hauptkriterien hierbei ist die Sprachentwicklung. Menschen mit Asperger-Syndrom haben eine normale, oftmals früh einsetzende lautliche Sprachentwicklung, laut Definition dürfen sich nur Defizite in den sozialen Aspekten der Kommunikation zeigen. Hingegen ist die Sprachentwicklung von Personen mit HFA in der Regel stark verzögert, gleicht sich jedoch im Verlauf der Erwachsenwerdens häufig wieder aus. Auch die motorische Geschicklichkeit kann als Unterscheidungskriterium herangezogen werden. Mit Asperger Diagnostizierte leiden für gewöhnlich an motorischen Schwierigkeiten und Koordinationsproblemen. Allerdings können auch Menschen mit hochfunktionalem Autismus in diesem Bereich Auffälligkeiten zeigen. Eine genaue Unterscheidung beider Typen ist nicht immer möglich, vor allem, wenn die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wird.

 

Wie erkennt man Asperger bei Erwachsenen?

In nahezu jedem Bekanntenkreis gibt es eine Person, die besonders begabt, jedoch nicht sehr zugänglich ist. Hier stellt sich einigen die Frage, ob dies nur eigenbrödlerisches Verhalten ist oder ob dem eine tiefergreifende Ursache wie ein Asperger-Syndrom zugrundeliegt. Je nach Stärke der Ausprägung können verschiedene Verhaltensauffälligkeiten darauf hinweisen.

  • Kommunikation ist schwierig, Ironie, Metaphern und Wortwitz werden nicht verstanden
  • Aufmerksamkeit und Interessengebiet ist stark eingeschränkt
  • Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen, Reaktionen anderer werden nicht verstanden
  • Unsicherheit aufgrund von fehlender Empathie
  • Starr wirkende Mimik und Gestik
  • Stereotypische Bewegungen
  • Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Sinneswahrnehmungen (Berührungen, Geräusche, Gerüche)