Aplastische Anämie

Aplastische Anämie: Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung & Therapie

Fehlfunktionen in der Blutbildung, sogenannte Blutbildungsstörungen, sind eine ernste Bedrohung für unseren Organismus. Sie vermindern nicht nur die Sauerstoffversorgung, sondern schwächen ebenfalls unser Immunsystem und unsere Wundheilung. Die Folge sind in der Regel schwere medizinische Komplikationen, die nicht selten zum Tod führen. Das Krankheitsbild der Aplastische Anämie führt zu einer Fehl- und Minderbildung aller Blutbestandteile, welche mit verschiedenen, gravierenden Symptomen einhergeht.

 

Definition: Was ist eine Aplastische Anämie?

Eine Aplastische Anämie, auch Aplastisches Syndrom, Panmyelopathie oder Panmyelophthise genannt, ist eine spezielle Form der Anämie (Blutarmut), bei der die Zellproduktion im Knochenmark entweder sehr stark eingeschränkt ist oder gänzlich zum Erliegen kommt. Die Folge ist eine Verminderung aller Blutbestandteile, sowohl der roten (Erythrozyten) und weißen (Leukozyten) Blutkörperchen als auch der Blutplättchen (Thrombozyten). Die dafür verantwortliche Knochenmarksaplasie wird meist im Laufe des Lebens erworben, kann in seltenen Fällen jedoch auch angeboren sein. Eine Aplastische Anämie gehört zu den Seltenen Krankheiten: Pro Jahr erkranken in Europa etwa nur 2 bis 3 von 1.000.000 Menschen an ihr.

 

Ursachen & Symptome einer Aplastischen Anämie

In etwa 70 Prozent aller Fälle ist die Ursache der Krankheit gänzlich unbekannt. Experten vermuten, dass Medikamente, Toxine, Viren oder ionisierende Strahlung zum Ausbruch der Krankheit führen. Da es jedoch bei vielen Menschen trotz Exposition gegenüber eines oder mehrerer Faktoren nicht zu einer Aplastischen Anämie kommt, ist eine zugrundeliegende genetische Veranlagung wahrscheinlich ein weiterer Faktor. In extrem seltenen Fällen ist die Krankheit auch angeboren, etwa bei einem Telomerase-Defizit oder einer Fanconi-Anämie.

Die Symptome einer Aplastischen Anämie ähneln denen einer Vielzahl anderer Erkrankungen des blutbildenden Systems. Die Verminderung der Erythrozyten führt zu Blässe, Müdigkeit und Leistungsabfall sowie Kopfschmerzen und Übelkeit. Defizite in der Immunabwehr bedingen eine hohe Infektanfälligkeit der Betroffenen. Aufgrund des Thrombozyten-Mangels entwickeln Patienten ebenfalls eine erhöhte Blutungsneigung.

 

Therapie & Behandlung einer Aplastischen Anämie

Zur Behandlung einer Aplastischen Anämie kommen verschiedene Therapien zum Einsatz. Um die akuten Symptome zu bekämpfen, werden die fehlenden Blutbestandteile durch Transfusionen ersetzt. Auftretende Infektionen lassen sich mit Antibiotika behandeln. Werden im Knochenmark entartete T-Lymphozyten nachgewiesen, die sich gegen die eigenen Stammzellen im Knochenmark richten, muss eine immunsuppressive Therapie eingeleitet werden. Diese unterbindet die Autoimmunreaktion und ermöglicht es dem Knochenmark, sich wieder zu erholen. Bei etwa 50 bis 75 Prozent aller Betroffenen wird hierdurch eine vollständige oder teilweise Remission der Krankheit erreicht. Ist der Aplastischen Anämie nicht mit herkömmlichen Behandlungsmethoden beizukommen, kann eine Heilung mittels einer Stammzellentransplantation erzielt werden. Da diese Therapiemaßnahme jedoch sehr risikoreich ist, richtet sich der Einsatz stark nach dem Alter des Patienten.

 

Alternative Therapiemaßnahmen durch die Stammzellenforschung

Sind immunsuppressive Therapien nicht erfolgreich, um eine Aplastische Anämie einzudämmen, besteht noch die Möglichkeit einer Stammzellentransplantation. Hierbei wird eine gesunde Knochenmarksfunktion und Blutbildung mittels einer Transfusion von Spenderstammzellen, die aus dem peripheren Blut oder per Knochenmarksbiopsie gewonnen wurden, wiederhergestellt.

Als Spender werden oft Geschwister der Betroffenen gewählt, da hier die Chancen auf eine Kompatibilität der Antigene von Spender und Empfänger statistisch am höchsten sind. Bevor die Transplantation erfolgen kann, wird das Immunsystem des Patienten zunächst durch eine Chemotherapie vollständig zerstört. Anschließend erfolgt die Transfusion der Spenderstammzellen, welche dann eine gesunde Blutbildung gewährleisten.

Bei einer Stammzellentransplantation bestehen allerdings viele Risiken, etwa durch Infektionen oder Abstoßungsreaktionen. Diese sind in den schlimmsten Fällen lebensgefährlich. Aus diesem Grund ist die Stammzellenforschung stets bemüht, die Stammzellentransplantation sicherer zu machen, indem sie versucht, die Risiken weiter zu minimieren. Davon profitieren auch Patienten mit Aplastischer Anämie, denn es erhöhen sich ihre Chancen auf Heilung.

 

Zusammenfassung und Beantwortung der häufigsten Fragen rund um die Indikation „Aplastische Anämie“

Was ist Aplastische Anämie?

Bei einer Aplastischen Anämie handelt es sich um eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der die Bildung der Blutbestandteile gestört ist. Hierdurch kommt es zu einer Verminderung der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, was sich in Müdigkeit und Schwäche, gesteigerter Infektanfälligkeit und Blutungsneigung äußert. Die Krankheit wird in der Regel erworben. Als Auslöser werden genetische Veranlagungen vermutet, welche durch bestimmte äußere Einflüsse wie Viren, Medikamente oder Toxine zum Ausbruch führen. In extrem seltenen Fällen kann eine Aplastische Anämie auch angeboren sein.

 

Ist Aplastische Anämie tödlich?

Wie die meisten Erkrankungen des blutbildenden Systems ist auch die Aplastische Anämie eine lebensbedrohliche Krankheit. Gerade durch die Schwächung des Immunsystems stellen selbst kleine Infektionen ein enormes Risiko für die Betroffenen dar. Mithilfe verschiedener Therapiemaßnahmen kann die Aplastische Anämie zwar verlangsamt, aufgehalten oder sogar geheilt werden. Bleibt sie jedoch unbehandelt oder zeigt die Therapie keinen Erfolg, verläuft sie in der Regel tödlich.

 

Ist Aplastische Anämie heilbar?

Obwohl es sich bei einer Aplastischen Anämie um eine lebensbedrohliche Krankheit handelt, sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung gut. Durch eine Stammzellentransplantation mithilfe eines HLA-identischen Spenders können etwa 80 bis 90 Prozent aller Patienten ohne schwere Komplikationen geheilt werden. Oftmals stellen Geschwister passende Stammzellen bereit. Doch auch geeignete Fremdspender werden genutzt, wenn sich innerhalb der Familie kein geeigneter Spender finden lässt. In 20 bis 30 Prozent aller Fälle kommt es jedoch trotz sorgfältigster Spenderauswahl zu Abstoßungsreaktionen, die im schlimmsten Fall sogar einen tödlichen Ausgang nehmen können.