Leberwurst in der Schwangerschaft: Erlaubt oder Verboten?

Schadet Leberwurst in der Schwangerschaft dem Baby?

Immer wieder entwickeln Schwangere seltsame Essensgelüste. Klassiker sind beispielsweise saure Gurken mit Nutella, Pommes mit Eis oder Leberwurst mit Erdbeermarmelade. Doch gerade in der Schwangerschaft gelten beim Essen besondere Regeln, um das Ungeborene zu schützen.

© Dreblow / pixabay.com

Während die eine werdende Mutter beim Anblick von Leberwurst in der Schwangerschaft direkt Reißaus nimmt, läuft der anderen buchstäblich das Wasser im Mund zusammen. Welche Essensgelüste bzw. auch Abneigungen gegen bestimmte Speisen Schwangere entwickeln, vermag niemand vorherzusagen. Doch es gibt in der Schwangerschaft gute und weniger gute Lebensmittel. Zu welcher Kategorie Leberwurst gehört, erfahren Sie hier bei familien-gesundheit.de!

 

Der Grund für die besonderen Essensregeln ist einfach: Das Immunsystem der Mutter wird während der „Kugelzeit“ heruntergefahren, damit die Körperabwehr die kindlichen Zellen im Mutterleib nicht als fremd erkennt und attackiert. Das hätte für das Ungeborene und die Fortpflanzung schließlich böse Folgen.

Das heruntergefahrene Immunsystem der Mama in spe lässt es jedoch leider auch zu, dass Keime wie Bakterien leichter in den Organismus eindringen können. Daher gibt es in der Schwangerschaft ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die werdende Mutter muss sich deswegen vor Infektionen z. B. mit Listerien und Toxoplasmose besonders in Acht nehmen. Weil diese Erreger auch über Nahrungsmittel übertragen werden können, gelten während der Schwangerschaft besondere Regeln rund ums Essen. Schwangere sollten außerdem nicht nur genau auf ihre Ernährung, sondern auch penibel auf die Küchenhygiene achten.

 

Leberwurst ist keine Rohwurst

Lange Rede kurzer Sinn: Wenn einer Schwangeren der Appetit auf ein leckeres Leberwurstbrot überkommt – darf sie Leberwurst in der Schwangerschaft essen oder sollte sie besser darauf verzichten?

Die gute Nachricht gleich zuerst: Leberwurst ist eine Brühwurst und keine Rohwurst wie z. B. Salami oder Schinken. Bei der Herstellung von Leberwurst wird die Wurstmasse bei mehr als 60°C gebrüht – ganz gleich, ob es sich um feine Kalbsleberwurst oder um grobe Hausmacherleberwurst handelt. Die zunächst rohe Wurstmasse gart dabei. Der Brühvorgang tötet alle möglicherweise vorhandenen Keime ab. Frische Leberwurst ist daher unbedenklich. Beim Metzger Ihres Vertrauens darf in der Schwangerschaft Leberwurst eingekauft werden. Achten Sie jedoch darauf, dass die Kühlkette penibel eingehalten wird und dass sie nicht zu viel Leberwurst auf einmal kaufen: Lieber immer wieder frisch, kleinere Mengen als eine große Bevorratung für die gesamte Woche.

 

Mit Leberwurst in der Schwangerschaft bitte nicht übertreiben

Dennoch ist in Ratgebern zu lesen, dass Leberwurst in der Schwangerschaft nicht auf den Speiseplan gehört. Dies geht vermutlich auf eine Ernährungsempfehlung zurück, dass Schwangere beim Verzehr von Leber aufpassen müssen. Im 1. Trimester sollten Innereien nicht gegessen werden. Gerade Leber hat einen hohen Anteil an Vitamin A. Eine Überdosierung mit Vitamin A führt beim Ungeborenen zu Wachstumsstörungen, Leberschäden, Augenproblemen und Hautveränderungen. Aus dem gleichen Grund sollte übrigens auch auf die Einnahme von Lebertran sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden.

 

Hintergrund

Generelle Vorsicht beim Verzehr von Leber

Die Leber gehört zu den Entgiftungsorganen. Es kann passieren, dass sich Umweltschadstoffe wie beispielsweise Dioxine im Gewebe anreichern. Daher empfehlen Ernährungsexperten, Leber nicht regelmäßig in größeren Mengen zu verzehren, denn die längerfristige Aufnahme von Dioxinen oder dioxinähnlichen polychlorierten Biphenylen (dl-PCB) kann zu Nervenschäden führen und sowohl das Hormon- als auch Immunsystem durcheinander bringen. Dioxin gilt außerdem als karzinogen.

Als besonders belastet gelten Lamm- und Schafsleber. Sie sollten daher vorsichtshalber vom  Speiseplan komplett gestrichen werden.

 

Auch wenn die Leberwurst im Namen das Wort Leber enthält, ist Leber dennoch nicht der Hauptbestandteil des Lebensmittels. Der Anteil an Leber in der Leberwurst bewegt sich je nach Rezeptur lediglich zwischen 10 und 30 Prozent. Vor diesem Hintergrund sehen Ernährungsexperten Leberwurst in der Schwangerschaft zunächst als unbedenklich an. Sie empfehlen Schwangeren maximal 60 Gramm Leberwurst pro Tag zu essen. Diese Menge entspricht in etwa zwei Leberwurstbroten.

 

Das Leberwurstbrot gehört mit Obst & Gemüse gepimpt

Dennoch gibt es für Leberwurst in der Schwangerschaft keinen „Freifahrtsschein“, denn Leberwurst hat einen sehr hohen Fettanteil und deswegen viele Kalorien. Die Wurstsorte gehört daher definitiv nicht in die Kategorie „gesundes Essen“ und sollte demzufolge nicht jeden Tag auf den Tisch kommen. Wenn die Lust auf Leberwurst in der Schwangerschaft jedoch sehr groß ist und Leberwurstbrot mit Erdbeermarmelade und saurer Gurke nun einmal zum absoluten Lieblingsessen avanciert, sollten Schwangere zumindest eine fettreduzierte Leberwurst bevorzugen.

Auch die Unterlage für das Leberwurstbrot sollte dann bewusster gewählt sein. Hier ist ein herzhaftes Vollkornbrot mit einem hohen Ballaststoffanteil dem Weißbrot vorzuziehen. Zum Leberwurstbrot gehören außerdem ein paar Gemüsesticks wie Paprikastreifen, Gurkenscheiben oder Karottenwürfel. Auch Apfelstücke, Birnenspalten oder eine Hand voll Heidelbeeren als süßere Obstvariante gehen selbstverständlich. So lässt sich ein Leberwurstbrot diätisch erheblich aufwerten – übrigens nicht nur in der Schwangerschaft.

 

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