Lebensgefahr für Kinder: Antihistaminika in rezeptfreien Medikamenten

Rezeptpflicht für bestimmte Erkältungsmittel gefordert

Viele Mittel gegen Übelkeit oder Erkältungskrankheiten sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und auch für Kinder zugelassen. Einige davon enthalten jedoch Wirkstoffe, die vor allem für Kleinkinder große Gefahren bergen und zu Vergiftungen oder gar Atemstillstand führen können. Da durch bestimmte Antihistaminika in Medikamenten für Kinder Lebensgefahr droht, fordern Kinderärzte für diese Arzneien zumindest eine Rezeptpflicht.

© Myriams-Fotos / pixabay.com

Viele über die Apotheken vertriebenen und freiverkäuflichen Erkältungsmedikamente sind auch für Kinder zugelassen. Hustensäfte oder Mittel gegen Übelkeit enthalten oftmals ein H1-Antihistaminikum der ersten Generation, da es auch hustenstillende und schlaffördernde Eigenschaften hat. Bei Kleinkindern kann es zu gefährlichen Komplikationen kommen, die bis zum Atemstillstand reichen können. Dann droht Lebensgefahr.

 

H1-Antihistaminika in Hustensäften und Zäpfchen gegen Übelkeit

Bei dem eingesetzten Wirkstoff handelt es sich um ein sogenanntes H1-Antihistaminikum der ersten Generation, das normalerweise gegen allergische Reaktionen zum Einsatz kommt. Da es jedoch auch eine hustenstillende und schlaffördernde Wirkung hat, ist es in vielen – auch frei verkäuflichen – Erkältungsmitteln und Medikamenten gegen Übelkeit enthalten. Hierzu gehören, wie SPON (Spiegel online) berichtet, auch so bekannte Namen wie Vomex A, Vivinox oder Wick MediNait. Problematisch dabei ist, dass die sedierende Wirkung bei Kleinkindern so stark sein kann, dass eine tiefe Benommenheit eintritt, Herzrhythmusstörungen auftreten oder gar die Atmung zum Stillstand kommt.

Es ist davon auszugehen, dass aufgrund einer solchen Vergiftung bereits mehrere Kinder gestorben sind, wie es der ehemalige Leiter der Universitätskinderklinik Marburg Hannsjörg Seyberth annimmt. Wie viele es tatsächlich sind, ließe sich nur mit besonderen toxikologischen Untersuchungen nach dem Tod des Kindes überprüfen, die jedoch die Ausnahme sind. Daher ist nicht nachzuweisen, wie viele Fälle zum Beispiel von Plötzlichem Kindstod auf einen erhöhten AH1G-Spiegel im Blut zurückzuführen sind.

 

Profitdenken verhindert Rezeptpflicht

Aufgrund der durch Antihistaminika in Medikamenten für Kinder drohenden Lebensgefahr sehen Seyberth und viele andere Kinderärzte es als dringend geboten an, für diese Produkte zumindest die Rezeptpflicht einzuführen. Denn so ließe sich eine unkontrollierte Gabe dieser Medikamente an kleine Kinder einschränken und eine Warnung an die Eltern aussprechen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät zur Rezeptpflicht. Insbesondere auch deshalb, weil bei vielen dieser Erkältungsmedikamente der eigentliche Nutzen in keinem Verhältnis zu den bekannten Risiken steht.

Auch in anderen Ländern wie Frankreich, USA, Kanada oder Großbritannien hat man die von Antihistaminika in Medikamenten für kleine Kinder ausgehende Lebensgefahr eingesehen und ein Mindestalter eingeführt.

Der Verbraucherschutz prallt jedoch auf klare wirtschaftliche Interessen der Pharmaunternehmen: Es geht wieder einmal vor allem um das liebe Geld. Da die Wirkung der betroffenen Medikamente nur unzureichend nachgewiesen ist, würden wohl die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen. Eine Rezeptpflicht würde also das Geschäft mit den Antihistaminika enthaltenen und auch für Kinder zugelassenen Medikamenten gefährden.

 

Bis sich alle einig sind, dass der Schutz der Kinder im Vordergrund stehen muss und Antihistaminika-haltige Medikamente für Kinder lebensgefährlich sein können, bleibt Ihnen als Eltern leider nichts anderes übrig, als selbst aufmerksam Beipackzettel zu studieren und sich von Ärzten und Kinderärzten über Risiken und tatsächlichen Nutzen auch rezeptfreier Medikamente beraten zu lassen. Vielleicht versuchen Sie es bei harmlosen Infekten zunächst mit einem Hustentee oder einem Erkältungsbad, bevor Sie bei Kleinkindern zu Medikamenten greifen!

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.