Karies bei Kleinkindern verhindern

Bitte Zähneputzen ab dem ersten Zahn

Insgesamt sieht es eigentlich ganz gut aus. Aufklärung, Prophylaxe und rechtzeitige Behandlung haben dazu geführt, dass in allen Altersgruppen die Zahl der kariösen Zähne sinkt – außer bei Kleinkindern. Bei Kindern unter drei Jahren wird Karies sogar häufiger. Oft handelt es sich hierbei sogar um fortgeschrittene und schwer zu behandelnde Karies. Karies ist schlimm und bei Kleinkindern noch viel schlimmer. Hier erfahren Sie, was das Problem daran ist, wie Sie vorbeugen und Karies bei Kleinkindern verhindern.

© confidentdentalcare / pixabay.com

Für die Zahngesundheit des Nachwuchses sind in den ersten Lebensjahren die Eltern verantwortlich. Damit Karies erst gar keine Chance hat, ist regelmäßiges Zähneputzen wichtig. Außerdem sollte nur wenig Süßes auf dem Speiseplan stehen und Dauernuckeln an Quetschies oder süßem Tee am besten gar nicht erst eingeführt werden.

 

Etwa jedes siebte Kind im Alter zwischen sechs und 30 Monaten hat Karies und zwar oft schon an mehreren Zähnen. Die Zahnfäule in dem noch nicht einmal vollständigen Milchgebiss ist teilweise so schlimm, dass von den kleinen Zähnen nur noch braune Stummel übrig sind, das Zahnfleisch entzündet ist und starker Mundgeruch auftritt. Zahnärzte drängen deswegen darauf, schon im Kleinkindalter regelmäßige Kontrollen im Rahmen von U-Untersuchungen durchzuführen.

Um Karies bei Kleinkindern zu verhindern, ist zuallererst aber wohl Aufklärung nötig – und zwar bei den Eltern. Denn ein ein- oder zweijähriges Kind ist für seine Zähne noch nicht selbst verantwortlich!

 

Karies bei Kleinkindern: Was ist das Schlimme daran?

Es ist leider kein Einzelfall: Immer wieder und immer öfter erleben Zahnärzte in ihren Praxen Kinder mit schwerer Karies. Es geht nicht einfach um „ein Loch im Zahn“, sondern Karies ist eine bakterielle Infektion, die Zahnschmelz und in fortgeschrittenem Stadium Zahnbein und Nerv angreift. Bei schwer beschädigten Milchzähnen bleibt häufig nur noch, sie zu entfernen. Da Kleinkinder jedoch nicht geduldig stillsitzen und sich einen – womöglich sehr schmerzempfindlichen – Zahn einfach ziehen lassen, ist für die Zahnentfernung oftmals eine Vollnarkose notwendig. Und jede Vollnarkose birgt ein Risiko, das gerade bei kleinen Kindern eigentlich vermieden werden sollte.

Sind die Zähne einmal gezogen, ist aber das Problem nicht beseitigt: Jetzt fehlen Zähne, im schlimmsten Fall ist das Kind zahnlos, und zwar bis die bleibenden Zähne nachwachsen! Die ersten bleibenden Zähne kommen normalerweise im Alter von fünf oder sechs Jahren. Es ist keine Kunst nachzurechnen, wie viele Jahre das Kind ohne Zähne auskommen muss. Das ist eine schreckliche Vorstellung. Denn einmal abgesehen davon, dass das Kind nicht richtig kauen und essen kann, kann auch die Sprachentwicklung durch ein unvollständiges Gebiss schwer beeinträchtigt sein. Darüber hinaus entwickelt sich der Kiefer oft verzögert oder mit Fehlstellungen, weil die Milchzähne als „Platzhalter“ fehlen. Auch psychisch ist die Belastung groß, vor allem, wenn dann im Vorschul- und beginnenden Schulalter noch die Fragen und Blicke der Gleichaltrigen hinzukommen.

 

Wie kann es überhaupt zu einem starken Karies-Befall der Milchzähne kommen?

Wie kann es überhaupt so weit kommen? Auch kleinen Kindern schmecken süße Sachen gut. Wenn Eltern oder Geschwister Kekse, Kuchen oder Süßigkeiten essen, bekommt das Baby häufig unüberlegt etwas davon ab. Oft beginnt es aber sogar noch früher: „Nuckelflaschenkaries“ entsteht, weil Eltern ihren Babys süße Getränke in die Nuckelflasche füllen und – wie beim Coffee-to-go – diese ständig parat sind und ständig angeboten werden. Auch Quetschies, das praktische Fruchtmus aus der Tüte, tun den Zähnen nicht gut. Gerade das häufige Naschen und Trinken zwischendurch führt dazu, dass die kleinen Zähne ständig von Zucker umgeben sind. Wenn schon Dauernuckeln, dann bitte nur mit Wasser oder mit ungezuckertem Tee! Das hat gleichzeitig sogar noch einen reinigenden Effekt.

Besonders fatal ist es, Babys zum Einschlafen eine Flasche mit einem süßen Getränk zu geben. Denn dann haben die Bakterien die ganze Nacht Zeit, sich von dem Zucker zu ernähren und zu vermehren. Übrigens: Auch Muttermilch enthält Zucker. Auch wenn Stillen zum Einschlafen schön und praktisch ist – es kann ebenso Karies fördern, sodass auch der Ausdruck „Stillkaries“ ebenso berechtigt ist. Vor allem dann, wenn das Baby schon etwas älter ist und zusätzlich schon feste Nahrung bekommt. Ist es wirklich nötig, sich nach dem Zähneputzen noch „in den Schlaf“ zu nuckeln, dann gilt auch hier: Bitte nur mit Wasser!

 

Prophylaxe und Aufklärung, um Karies bei Kleinkindern zu verhindern

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte und Krankenkassen sieht Handlungsbedarf und plädiert für eine regelmäßige Zahnkontrolle im Rahmen der sogenannten U-Untersuchungen. Schon jetzt gehört ein Blick auf die Zähne zu den zehn Untersuchungen dazu, die für Kinder in den ersten sechs Lebensjahren vorgesehen sind. Kinderärzte sind jedoch keine Zahnärzte und können auch keine Behandlungen an Zähnen durchführen. Damit es nicht bei einem „Sie sollten mit Ihrem Kind mal zum Zahnarzt gehen“ bleibt, sollen Zahnarztbesuche in die U-Untersuchungen aufgenommen werden.

Bei diesen Zahnarztbesuchen, von denen der erste bereits mit etwa sechs Monaten stattfinden sollte, geht es einerseits darum, einen Blick auf die ersten Zähne zu werfen. Im Vordergrund steht aber die Aufklärung und Beratung der Eltern. Denn diese sind es, die auf die Zähne und die Mundgesundheit ihrer Kinder achten müssen, um Karies bei Kleinkindern zu verhindern.

 

Was Sie selbst tun können, um Karies bei Kleinkindern zu verhindern

Mit ein gesundem Menschenverstand und ein paar einfachen Regeln beugen Sie sinnvoll vor und können bei Ihrem Kleinkind Karies verhindern.

  • Verzichten Sie auf Limo, Eistee oder andere gesüßte Getränke in der Nuckelflasche. Auch manche Babytees enthalten Zucker. Und selbst in Säften ist jede Menge Fruchtzucker enthalten. Daher sind auch diese nur bedingt geeignet. Zum Beruhigungsnuckeln beim Einschlafen sind ausschließlich Wasser und ungesüßte Kräutertees empfehlenswert.
  • Vermeiden Sie „Dauernuckeln“. Lassen Sie stattdessen Ihr Kind lieber seltener dafür aber richtig trinken. Obst, Kekse und Süßigkeiten sollten ausschließlich als kleine Mahlzeit angeboten werden und nicht ständig zwischendurch parat sein. Nach einer Mahlzeit empfiehlt es sich, mit ein wenig Wasser nachzuspülen, sofern keine Zahnbürste zur Hand ist.
  • Putzen Sie mit Ihrem Kind abends Zähne – auch wenn es erst ein oder zwei sind. Das muss kein zweiminütiges Putzen mit Zahnpasta sein, aber das Ritual, mit der Zahnbürste über die Zähne zu schrubben, können Kinder nicht früh genug lernen. Kann das Kind die Bürste schon selbst halten, darf es natürlich auch selbst putzen. Allerdings sollten Sie ein wenig nachputzen – und das bitte bis zum Schulalter. Erst mit etwa acht oder neun Jahren können Sie davon ausgehen, dass Ihr Kind auch die Backenzähne rundum putzt.
  • Etwa ab dem zweiten Geburtstag gehört auch das morgendliche Zähneputzen als fester Bestandteil in den Tagesplan integriert. Wenn in der Kita noch dazu auch mittags geputzt wird: Umso besser, denn das hilft den Zähnen, sich zu regenerieren.
  • Auch wenn in der Kita und in der Grundschule der Zahnarzt zur Kontrolle kommt: Nehmen Sie Ihr Kind mit zwei oder drei Jahren selbst einmal mit zu Ihrem Zahnarzt. Dieser hat mehr Zeit und bessere Bedingungen genau hinzuschauen und kann kleine schadhafte Stellen gleich behandeln. Außerdem ist es gut, wenn das Kind beim ersten Mal nicht gleich zu einer schmerzhaften Behandlung kommt, sondern den Zahnarztstuhl und die Umgebung unvoreingenommen kennenlernen kann.
  • Haben Sie einen Verdacht oder entdecken Sie eine Verfärbung am Zahn Ihres Kindes, gehen Sie bitte schnellstmöglich zum Zahnarzt. Denn Karies, die bereits sichtbar ist, sitzt meist schon tiefer!

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.