Jahreszeiten im Garten

4 oder 10: Wie viele Jahreszeiten gibt es im Garten?

Du kennst bestimmt schon die Jahreszeiten! Klaro, wie aus der Pistole geschossen kommt jetzt: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das weiß doch wirklich jedes Baby!

Das ist so auch komplett richtig: Es gibt vier große Jahreszeiten. Doch der Gärtner unterscheidet nach dem phänologischen Kalender zehn Jahreszeiten. Welche Unterschiede es zwischen phänologischen, meteorologischen und astronomischen Kalender gibt, erfährst Du hier.

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Wer kennt es nicht Vivaldis Vier Jahreszeiten oder das Kinderlied: „Es war eine Mutter … die hatte vier Kinder: den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. Der Frühling bringt Blumen, der Sommer den Klee, der Herbst, der bringt Trauben, der Winter den Schnee …“ – Bauern und Gärtner unterteilen das Jahr sogar in 10 Jahreszeiten.

 

Wann beginnen die Jahreszeiten? – Unterschiede zwischen Meteorologen und Astronomen

Das Jahr hat 12 Monate: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember. Soweit – sogut! Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Und jetzt geht der Schlamassel auch schon los. Um die Jahreszeiten eindeutig zu bestimmen, unterscheiden Experten nämlich beispielsweise den meteorologischen Frühlingsanfang vom kalendarischen Frühlingsanfang. Wenn der Meteorologe, der Wetterfachmann, vom Frühlingsanfang spricht, so unterscheidet sich sein Datum von jenem Datum, das der Astronom, also der Sternenfachmann, mit dem Frühlingsstart meint. Der kalendarische Frühlingsanfang ist an ein bestimmtes astronomisches Ereignis gekoppelt. Und so zieht sich das komplett über die Jahreszeiten:

Für die Nordhalbkugel gilt:

  • Der meteorologische Frühlingsanfang ist am 01. März.
    Der kalendarische Frühlingsanfang ist jedoch erst am 21. März (Tag-und-Nachtgleiche im Frühjahr).
  • Der meteorologische Sommeranfang ist am 01. Juni.
    Der kalendarische Sommeranfang ist jedoch erst am 21. Juni (Sommersonnenwende).
  • Der meteorologische Herbstanfang ist am 01. September.
    Der kalendarische Herbstanfang ist jedoch erst am 21. September (Tag-und-Nachtgleiche im Herbst).
  • Der meteorologische Winteranfang ist der 01. Dezember.
    Der kalendarische Winteranfang ist jedoch erst am 21. Dezember (Wintersonnenwende).

 

Kleingärtner und Bauern beobachten die Natur

Der Kleingärtner lässt sich von etwas ganz anderem leiten: nämlich von der Natur selbst. Sie bestimmt, wann Blumen blühen, Bäume und Sträucher ihre Blätter austreiben oder Früchte reifen. Auch die Tierwelt reagiert auf die Jahreszeiten: Sie paaren sich, ziehen ihren Nachwuchs groß oder futtern sich Reserven für den Winter an. Die einen verschlafen den Winter. Die anderen bleiben aktiv. Tiere und Pflanzen merken den Lauf der Jahreszeiten an den Temperaturen und der Dauer der Sonneneinstrahlung.

Gärtner und Bauern wiederum beobachten Tiere und Pflanzen, um den besten Zeitpunkt für Aussaat, das Pflanzen und die Ernte zu finden. So kennen Bauern beispielsweise eine Menge sogenannter Bauernregeln wie z. B. „Hat Sankt Peter (27. April) das Wetter schön, kannst du Kohl und Erbsen sä’n.“ oder „Regen am Sankt Ulrich Tag (4. Juli) macht die Birnen stichig mad.“

 

Wusstest Du schon ...?

Fakten für Angeber zum phänologischem Kalender

Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné schuf nicht nur die moderne Klassifikation der Pflanzen und Tiere, sondern er erfasste auch einen Blütezeitenkalender. Er gilt damit als Begründer der Phänologie. In Schweden gab es das erste phänologische Beobachternetz. Das System hat sich bewährt und wurde daher im 19. Jahrhundert auch in Deutschland übernommen. Heute besteht das Netz aus rund 1.300 Beobachtungsstellen. Die phänologischen Beobachter sind meist ehrenamtlich aktiv.

Landwirte, Förster, Naturliebhaber und Kleingärtner tragen ihre Beobachtungen in sogenannte Meldebögen ein, die sie an den Deutschen Wetterdienst (DWD) schicken. Der DWD wertet die Daten aus und archiviert sie. Wenn Du Heuschnupfen hast, bist Du unter Garantie schon einmal mit dem phänologischen Kalender in Berührung gekommen, denn der Polleninformationsdienst des Deutschen Wetterdienstes greift auf die Daten zurück. Sie enthalten selbstverständlich auch den Blühbeginn mancher Gräser.

 

Klimawandel verschiebt die Jahreszeiten

Die phänologischen Jahreszeiten sind nicht auf den Tag genau festgelegt. Das unterscheidet sie von den meteorologischen und kalendarischen Jahreszeiten. Die phänologischen Jahreszeiten beruhen auf dem Blühbeginn der Zeigerpflanzen. Dieser kann von Jahr zu Jahr und auch von Region zu Region variieren. Denn im Hochgebirge dauert der Winter länger als in der Tiefebene. Gab es flächendeckend einen kaltes und nasses Frühjahr, so kann sich der Sommerbeginn um eine Woche nach hinten verschieben. Doch in den letzten Jahren beobachten viele Experten mit Sorge, dass die Jahreszeiten sich aufgrund des Klimawandels verschieben und beispielsweise der Frühling immer früher einsetzt.

So wurde beobachtet, dass die Apfelbäume pro Jahrzehnt um fünf Tage eher blühen. In der Natur kann so einiges durcheinander geraten. So bekommen manche Vogelarten mehr Nachwuchs, wenn die Winter kürzer sind. Eine frühe Blüte kann für Pflanzen und Insekten zum Problem werden. Da Hummeln und Bienen im Frühjahr aufgrund der niedrigen Temperaturen erst langsam in die Gänge kommen, kann es sein, dass wichtige Nahrungsquellen bereits verblüht sind. Die Insekten leiden dann an Hunger und sind geschwächt. Für die Pflanzen ist das auch doof, weil die Bestäuber fehlen und somit die Fortpflanzungsstrategien beeinträchtigt sind.

 

Der Jahresverlauf in der Phänologie

In der Phänologie spielen die Zeigerpflanzen eine wichtige Rolle. Hier beobachtet man nicht nur  Nutzpflanzen wie Apfel, Süßkirsche, Sonnenblume oder Raps und Zuckerrübe, sondern auch Zierpflanzen wie Flieder oder Zaubernuss und selbstverständlich ebenso Wildpflanzen. Dazu zählen unter anderem Birke, Haselnuss, Herbstzeitlose, Löwenzahn, Holunder oder Rosskastanie.

Mehr zu den einzelnen phänologischen Jahreszeiten erfährst Du hier:

 

 

Jahreszeit im Garten: „Der Winter“

Die Vegetation ruht im Winter. Viele Tiere haben sich zum Winterschlaf zurückgezogen. Die Laubbäume aber auch andere Pflanzen tragen keine Blätter mehr, um sich vor Frost und Austrocknung zu schützen. Die Nadelbäume trotzen mit eigenen Strategien der Kälte. Viele heimische Singvögel sind nun auf der beschwerlichen Suche nach Nahrung, denn der Schnee deckt Wiesen und Fruchtstände ab.

Zeigerpflanzen für den Winter: Das Auflaufen des Wintergetreides markiert den Winterbeginn. Von allen Bäumen werfen die Lärchen als letztes ihre Nadeln ab. Damit endet die Vegetationszeit endgültig. Der Winter wird erst vertrieben, wenn die Haselnuss blüht. Dann startet die neue Vegetationsperiode. Nur die Winterblüher wie Christrose oder Zaubernuss zeigen sich unbeeindruckt von den eisigen Temperaturen.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Vorfrühling“

Der Vorfrühling beginnt, wenn die Schneeglöckchen ihre zarten Blüten durch die Schneedecke schieben. Die sogenannten Frühblüher bieten Insekten im Frühjahr Nahrung und damit Energie. Sie sind somit eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln. Das Schneeglöckchen hat seine Strategien optimal an die Bestäuber angepasst. Es weist mit einem grünen Fleck auf der Blüte den Insekten den Weg zu Nektar und Pollen. Es hat also quasi ein „Farbleitsystem“ zur Orientierung integriert. Auch den sonnengelben Winterling kann niemand verfehlen.

Zeigerpflanzen für den Vorfrühling: Der Vorfrühling beginnt mit dem Blühen von Haselnuss, Märzenbecher und Schneeglöckchen. Die Blüte der Salweide markiert das Ende.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Erstfrühling“

Der Erstfrühling wird durch die Blüte der Stachelbeersträucher eingeläutet. Kirschen, Pflaumen und Birnen blühen im Erstfrühling. Kommt es während der Obstblüte zu Nachtfrösten, ist die Obsternte in Gefahr. Überall sprießen jetzt farbige Blumen wie Leuchtpunkte hervor. Die Wiesen werden grün und färben sich langsam gelb vom Löwenzahn.

Zeigerpflanzen für den Erstfrühling: Die Blüte der Forsythie zeigt den Erstfrühling an. Die Stachelbeersträucher beginnen, ihr Laub zu entfalten und zu blühen. Gemeinsam mit den Johannisbeeren markieren sie den Start der Obstblüte, denn auch andere Obstbäume wie Kirsche, Pflaume und Birne ziehen kurz darauf nach. Schlehe und Ahorn blühen. Die Birken und Buchen entfalten ebenfalls ihr Laub. Die Natur wird grün.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Vollfrühling“

Oh, es riecht nach Frühling! Der Vollfrühling duftet, denn Apfelbaum und Flieder blühen. Der Beginn des Vollfrühlings ist sehr stark von der Witterung abhängig. Die steigenden Temperaturen und die längere Sonneneinstrahlung sorgen dafür, dass es „überall ins Kraut schießt“. So wachsen der Raps und das Wintergetreide jetzt schnell in die Höhe. In den Wäldern riecht es jetzt nach Knoblauch, da der Bärlauch seine Blätter zeigt und bald darauf zu blühen beginnt.

Zeigerpflanzen für den Vollfrühling: Die Blüte von Apfel, Maiglöckchen, Flieder und Rosskastanie markiert den Beginn des Vollfrühlings. Im Wald zeigt die Entfaltung des Laubs der Eichen und der Hainbuchen den Vollfrühling an.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Frühsommer“

Erstrahlen die Getreidefelder rot von den Klatschmohnblüten, ist der Frühsommer angebrochen. Die Holunderbüsche mit ihren dicken, weißen Dolden stehen in voller Blüte und locken mit ihrem unvergleichlichen Duft die Insekten an. Die Gärtner erfreuen sich an den üppigen Blüten der Pfingstrose. Für Heuschnupfen-Allergiker beginnt eine Zeit mit juckender Nase und tränenden Augen, denn die Blüte der Gräser erreicht jetzt ihren Höhepunkt. Das erste Heu wird zum Ende des Frühsommers geschnitten und eingebracht. Die Imker ernten die Tracht von Raps und Robinie. Der entsprechende Blütenhonig wird nämlich jetzt geschleudert. Ist es im Frühsommer nicht zu warm und zu trocken, so stehen die Chancen auf eine reichhaltige Ernte gut.

Zeigerpflanzen für den Frühsommer: Die Blüte von Holunder, Roggen und Robinie zeigt den Beginn des Frühsommers an. Die Wiesen und Getreidefelder erreichen den Blütehöhepunkt. Die erste Heumahd markiert das Ende des Frühsommers.

 

 

Jahreszeit im Garten: „Der Hochsommer“

Die Lindenblüte läutet die „heißeste Phase“ des Jahres ein – den Hochsommer. In den Gärten hängen nun die erntereifen Johannisbeeren am Strauch. Doch reife und süße Himbeeren, Erdbeeren und Stachelbeeren locken ebenso. Bei den Süßkirschen startet jetzt auch das Wettrennen zwischen Gärtnern und Staren. Sowohl Vögel als auch Menschen lieben die süßen, roten Früchte. Die Bauern beginnen mit der Getreideernte. Die riesigen Mähdrescher arbeiten sich durch Gerste, Weizen, Roggen und Hafer.

Zeigerpflanzen für den Hochsommer: Bei den Blüten zeigt die duftenden Lindeblüten den Hochsommer an. Bei den Früchten und Samen werden die Johannisbeeren und das Wintergetreide reif und können geerntet werden.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Spätsommer“

Wenn die zartrosa Blüten des Heidekrautes erscheinen, so bricht der Spätsommer an. Es ist die Jahreszeit der Rosen. Die Apfelernte startet und wenig später auch die Ernte der Zwetschgen, Mirabellen und Aprikosen. Der Volksmund sagt, wenn die Ebereschen (Vogelbeeren) üppig tragen und daher im Spätsommer schon von weitem rot leuchtend erkennbar sind, dass dann wohl ein strenger Winter kommen soll. Doch bis zum Winter ist es noch ein Stück. Nach der Getreideernte müssen die Bauern jetzt die zweite Heumahd in die Scheunen schaffen.

Zeigerpflanzen für den Spätsommer: Die Heideblüte läutet den Spätsommer ein. Frühe Obstsorten wie der Klarapfel sind reif zum Ernten. Im Spätsommer wird die Getreideernte abgeschlossen und zum zweiten Mal Heu gemacht.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Frühherbst“

Die reifen Früchte des schwarzen Holunders sind ein untrügliches Zeichen, dass der Frühherbst angebrochen ist. Die Obstbäume hängen nun voll. Äpfel, Birnen und Pflaumen müssen nun gepflückt, gelagert und verarbeitet werden. Es riecht nach Apfelkuchen und Pflaumenmus. An der Küste wird aus den orangen Früchten des Sanddorns der Saft gepresst und zu Gelee und Likör verarbeitet. Die Bauern ernten nun bereits den ersten Mais. Gleichzeitig muss mit der Aussaat der Wintergerste und des Winterraps begonnen werden.

Zeigerpflanzen für den Frühherbst: Die Herbstzeitlose blüht im Frühherbst. Neben den Holunderbeeren reifen nun auch die Rosskastanien. Sie werden von Kindern gern gesammelt, um daraus lustige Kastanienmännchen und -Tiere zu basteln. Im Frühherbst erreicht die Obsternte ihren Höhepunkt.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Vollherbst“

Im Vollherbst beginnt sich, das Laub zu verfärben. Nun werden Waldfrüchte wie Eicheln und Bucheckern aber auch Nüsse reif. Die Astern verwandeln die Gärten in ein Blütenmeer. Die Bauern beginnen mit der Kartoffelernte der späten Kartoffelsorten und holen die Rüben vom Feld. Das Wintergetreide muss nun auf den Feldern ausgesät werden. In den Weinanbaugebieten läuft die Weinlese auf Hochtouren.

Zeigerpflanzen für den Vollherbst: Die Kartoffelernte auf den Feldern zeigt an, dass der Vollherbst angebrochen ist. Bei vielen Laubbäumen beginnt sich, das Laub bunt zu färben. Der „Indian Summer“ bricht an. Die Natur schwelgt noch einmal in allerschönsten Farben von grün und braun bis hin zu rot und gelb.

 

Jahreszeit im Garten: „Der Spätherbst“

Im Spätherbst werfen die wildwachsenden Bäume ihr Laub endgültig ab. Viele Tiere treffen die allerletzten Vorbereitungen für den Winterschlaf. In den Gärten steht jetzt bloß noch das Wintergemüse wie Grünkohl oder Endivie. Das Laub der Stiel-Eiche verfärbt sich als letztes. Wenn es zu Boden fällt, ist der Winter nicht mehr fern. Es kann noch ein paar warme Tage geben, doch die Sonne hat im Spätherbst bereits wenig Kraft. Nachts kühlt es sich empfindlich ab. Morgens bildet sich häufig Nebel. Mit den ersten Frosttagen endet der Spätherbst.

Zeigerpflanzen für den Spätherbst: Der Laubabwurf der Bäume im Wald kündigt den Spätherbst an. Wenn die Lärchen ihre Nadeln abwerfen, ist der Winter da und damit die Vegetationsruhe gekommen.

 

 

Nun ist in der Natur ein Jahr vergangen. Während der Kalender mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter nur vier Jahreszeiten anzeigt, kennen Bauern und Gärtner durch die Beobachtung von Pflanzen und Tieren zehn Jahreszeiten. Da Du jetzt mehr über die Phänologie weißt, wirst Du den Jahresverlauf von nun an bestimmt ganz anders verfolgen. Mach doch mit und schreibe Deine Beobachtungen nieder: Wann blüht bei Dir der Apfelbaum? Wann reifen die Erdbeeren? Wann kannst Du Kastanien sammeln?