Internationale Bräuche zur Geburt

Mit welchen Ritualen Babys weltweit begrüßt werden

Wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, ist dies rund um den Globus ein freudiges Ereignis, das natürlich gebührend gefeiert werden muss. Deshalb haben sich in allen Kulturen ganz besondere Bräuche und Rituale entwickelt. Die trimeda-Redaktion schaut sich diese Traditionen für Sie genauer an.

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Auf allen Kontinenten begrüßen Menschen einen neu angekommenen Erdenbürger auf besondere Weise. Weltweit finden sich daher Bräuche und Traditionen zur Geburt.

 

Brasilien: Kleidung in der Farbe des Glücks – Internationale Bräuche zur Geburt

In Brasilien steht die Farbe Gelb für Glück. Daher tragen viele brasilianische Neugeborenen am Entlassungstag aus dem Krankenhaus gelbe Babykleidung. Sie kommen dann in der Farbe des Glücks nach Hause. Außerdem soll sie das sonnige Gelb vor bösen Blicken schützen.

In Italien und Spanien kennt man einen ganz ähnlichen Brauch. Hier wird jedoch nicht Gelb mit Glück assoziiert, sondern die Farbe Rot. Die Babys tragen daher am Entlassungstag Rot. Das rote Leibchen, das Glück verspricht, sucht entweder die Großmutter oder die Patentante aus. Sehr oft wird dieses erste Hemdchen auch als Glücksbringer aufbewahrt.

 

China: Wellness für Mütter – Internationale Bräuche zur Geburt

Rund um die Bräuche zur Geburt hat sich in China eine schöne Tradition entwickelt, auf die vielleicht einige Frauen in anderen Länder etwas neidisch blicken. Im Land des Lächelns kümmert sich die gesamte Familie nach der Geburt rührend um die frischgebackene Mutter und den neuen Erdenbürger. Laut der Tradition darf die junge Mutter einen Monat lang nicht das Haus verlassen, geschweige denn arbeiten. Mittlerweile gibt es sogar postnatale Zentren, in denen sich die Frauen verwöhnen lassen. Hier wartet Wellness und Erholung auf die Mütter. In der Zwischenzeit kümmern sich die Verwandten um den Haushalt daheim.

 

Griechenland: Goldige Zeiten für Babys – Internationale Bräuche zur Geburt

In Griechenland werden Neugeborene reich beschenkt. Freunde und Verwandte legen beim Begrüßungsbesuch traditionell Goldmünzen ins Babybettchen. Die Gabe soll das Kind vor Geldsorgen im späteren Leben bewahren, weil es immer genügend Kapital besitzt. In heutigen Zeiten wandern vermehrt Geldscheine ins Babybett.

 

 

Indien: Reinigungszeremonie für Babys – Internationale Bräuche zur Geburt

In Indien pflegen vor allem hinduistische Familien den Brauch, den Kopf des Babys zu rasieren. Er wird anschließend mit dem heiligen Wasser aus dem Ganges gewaschen und im Anschluss mit einer Paste aus Kurkuma und Sandelholz bestrichen. Die Reinigungszeremonie soll das Baby von negativen Energien befreien. Es soll das vorherige Leben hinter sich lassen und in dieser Welt ankommen.

Mädchen bekommen darüberhinaus kurz nach der Geburt Ohrlöcher für goldene Ohrringe gestochen. Das edle Metall schützt dem Glauben nach vor bösen Geistern und Krankheiten.

 

Niederlande: Beschuit mit muisjes – Internationale Bräuche zur Geburt

Niederländische Eltern servieren ihren Gästen, die das Neugeborene willkommen heißen, traditionell das Gebäck „Beschuit mit muisjes“, was übersetzt soviel wie Zwieback mit Mäuschen bedeutet. Es handelt sich dabei um runden Zwieback, der mit einer Buttercreme bestrichen und mit gezuckerten Anissamen als Streuseln dekoriert wird. Hellblaue Streusel stehen für einen Jungen und rosa Streusel für ein Mädchen. Der Brauch hat sich aus früheren Zeiten erhalten. Damals waren Süßigkeiten etwas ganz besonderes und es gab das „Luxusgut“ nur zu ganz besonderen Anlässen wie eine Hochzeit oder eine Geburt. Nach der Geburt diente die Süßigkeit außerdem als Stärkung für die Mutter. Die Anisperlen sind außerdem ein Symbol für Fruchtbarkeit.

 

Russland: Können Schwangerschaften ansteckend sein? – Internationale Bräuche zur Geburt

In Russland ist noch immer der Glaube weit verbreitet, dass Schwangerschaften ansteckend sind. Daher sollen Frauen bei Kinderwunsch dem Bauch einer Schwangeren berühren. Also Vorsicht bitte beim unüberlegten Anfassen von Kugelbäuchen während der Kugelzeit! 😉

Ein weiterer Brauch hat sich bei den russischen Vätern erhalten. Etwas Geld bekommt die Krankenschwester, die dem Papa das Neugeborene zum ersten Mal überreicht. Die symbolische Geste soll dem Kind Gesundheit und Wohlstand sichern.

 

Togo: „Hausarrest“ für Babys – Internationale Bräuche zur Geburt

Die ersten sieben Tage nach der Geburt müssen Babys in Togo zu Hause bleiben. Sie haben damit in dem afrikanischen Land quasi „Hausarrest“. Erst nach Ablauf dieser Frist dürfen sie erstmalig nach draußen. Zuvor müssen die Eltern das Dach symbolisch reinigen, indem es mit Kräuterwasser begossen wird. Tropfen die ersten Wassertropfen vom Dach, tragen die Eltern den Säugling nach draußen. Dem Glauben nach, soll das Ritual das Kind mental stärken und dient als Vorbereitung auf all das, was im Leben passieren kann.

 

Armenien: Hellsehende Babys – Internationale Bräuche zur Geburt

Zeigt sich beim Baby der erste Zahn, wird in Armenien ein besonderer Brauch zelebriert: Dem Kind werden verschiedene Gegenstände vorgelegt. Sie alle stehen symbolisch für einen Beruf: z. B. ein Stethoskop für einen Arzt, ein Kuli für einen Wissenschaftler, eine Banknote für einen Banker oder ein Löffel für einen Koch. Der Gegenstand, den das Baby zuerst greift, soll seinen späteren Beruf vorhersagen.

 

Guinea: Verkehrte Welt – Internationale Bräuche zur Geburt

In Guinea herrscht verkehrte Welt. Anstatt der Mutter bekommt der Vater nach der Geburt „Entbindungsurlaub“, damit er sich von den Strapazen der Geburt erholen kann. Die Männer legen sich dazu in Hängematten bzw. besondere Männerkindbetten. Sie fasten außerdem und rühren keine Waffen an. Die Frauen dagegen werden in Guinea nicht geschont. Bereits wenige Stunden nach der Geburt nehmen sie ihre Arbeit wieder auf.

 

Ägypten: Bauchtanzend auf die Welt kommen – Internationale Bräuche zur Geburt

Frägt man Leute hierzulande, wozu der Bauchtanz erfunden wurde, ist die Antwort einhellig, dass der verführerische Tanz wahrscheinlich zur Unterhaltung der Männer gedacht ist. Doch die Wurzeln dieses Tanzes sind ganz andere: Der Bauchtanz ist ein Ritualtanz. Die Bewegungsmuster sollen das Weibliche und Göttliche ehren und die sanften Bewegungen helfen bei der Entbindung. Das Schaukeln und Schwingen des Beckens hilft dem Baby, seinen Weg durch den Geburtskanal zu finden. In Ägypten ist es nicht unüblich, dass die Frauen sich durch die Wehen tanzen.

 

Bali: Babys sind überirdische Wesen – Internationale Bräuche zur Geburt

In Bali (Indonesien) gelten Babys als überirdische Wesen. Sie dürfen daher die ersten 105 Lebenstage den Boden nicht berühren und werden von ihren Muttern ausschließlich in einem Tragetuch getragen. Das soll sie vor dem Kontakt mit Dämonen schützen. Erst nach 105 Tagen werden sie bei einer feierlichen Zeremonie erstmals auf den Boden gesetzt. Die Familie feiert diesen Meilenstein mit einem großen Fest.