Impfung gegen Rotaviren: Für Säuglinge empfohlen

STIKO spricht sich für die prophylaktische Immunisierung aus

Heftiges Erbrechen und schlimmer, wässriger Durchfall mag wirklich niemand gern bekommen. Erwachsene können den damit verbundenen Flüssigkeitsverlust und Energiemangel ein Stück weit kompensieren. Doch gerade für Kleinkinder und Babys wird es sehr schnell ziemlich gefährlich. Die Statistiken belegen, dass rund die Hälfte der an Brech-Durchfall-erkrankten Kinder stationär behandelt werden muss. Auslöser für solch heftige Durchfälle ist vielfach eine Infektion mit dem Norovirus oder dem Rotavirus. Gegen Noroviren ist bislang noch kein Impfstoff gefunden und zugelassen. Jedoch können Eltern den Nachwuchs proaktiv gegen Rotaviren impfen.

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Vor Noroviren und Rotaviren ist kaum einer gefeit. Die Erreger lauern in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kindergärten oder auf Raststätten. Kommt es zu einer Infektion, können schwere Brech-Durchfälle die Folge sein. Diese werden gerade für ganz kleine Kinder schnell sehr gefährlich. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher die Impfung gegen Rotaviren auch schon für Säuglinge. So früh wie möglich sollte die Immunisierung beginnen, sagen die Experten.

 

Die STIKO, die ständige Impfkommission, die am RKI (Robert-Koch-Institut) angesiedelt ist, empfiehlt seit 2013 die Rotaviren-Impfung für Kinder, insbesondere für Säuglinge. Die erforderliche Immunisierung kann bereits ab der sechsten Lebenswoche beginnen. Der Start ist abhängig vom gewählten Impfstoff. Bei einer Variante ist der Beginn der Impfserie erst mit der 12. Woche möglich. Bis zur vollendeten 24. bzw. 32. Lebenswoche muss dann die Immunisierung abgeschlossen sein. In der Regel sind bis zu drei Impftermine erforderlich, denn nach dem Beginn müssen noch ein bzw. zwei weitere Impfdosen verabreicht werden.

Bei der Impfung gegen Rotaviren handelt es sich um eine Schluckimpfung, d. h. Eltern müssen nicht befürchten, dass der Kinderarzt bzw. die Kinderärztin dem kleinen Schatz mit einem „Pieks“ weh tut. Der Impfstoff wird den Kindern oral verabreicht. Die Krankenkassen übernehmen vollständig die Kosten für die Impfung, denn sie ist in den Katalog der Pflichtleistungen aufgenommen.

 

Meldepflicht für Rotaviren

Für Rotaviren besteht eine Meldepflicht. Das bedeutet, dass eine nachgewiesene Infektion bei Kindern unter fünf Jahren den zuständigen Ämtern gemeldet werden muss. Dank des Melderegisters können Experten auf eine klare Faktenlage blicken und Rückschlüsse ziehen. In Deutschland infizieren sich jedes Jahr von 100.000 Kindern unter zwei Jahren rund 2.000 Kinder mit dem Rotavirus. Verläuft die Infektion besonders schwer, ist sogar eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich. Pro Jahr erleiden etwa 50 kleine Patienten genau dieses Schicksal.

Der Impfstoff für die Rotavirus-Impfung gilt als sehr sicher, denn bei Rotaviren handelt es sich nicht um eine lebensbedrohliche Krankheit, bei der über Abstriche in der Sicherheit nachgedacht werden könnte. Die Anforderungen der Zulassungsbehörden an diese Impfstoffe sind deswegen sehr hoch. Nebenwirkungen werden kaum akzeptiert.

Bei der ersten Impfstoffgeneration gegen das Rotavirus trat noch ein leicht gesteigertes Risiko für Invaginationen (Darmeinstülpungen) auf. Bei den heute verwendeten Impfstoffen stufen Mediziner dieses Risiko als äußerst gering ein. Die Zahlen sind eindeutig: Wenn Säuglinge nicht gegen das Rotavirus geimpft sind, bekommen von 100.000 Babys ca. 60 Kinder im ersten Lebensjahr eine Darmeinstülpung. Die Immunisierung gegen Rotaviren mittels Impfung erhöht diese Rate um höchstens ein bis zwei Fälle. Auch andere Nebenwirkungen wie Durchfall, Fieber oder Erbrechen treten nach Verabreichung des Impfstoffes nicht häufiger auf.

 

Die Rotavirus-Impfung bietet durch die Immunisierung effektiven Schutz

Die Rotavirus-Impfung bietet einen effektiven Schutz. In mehr als 90 Prozent wird durch die Immunisierung eine Infektion verhindert, die stationär in einer Klinik hätte behandelt werden müssen. Die Influenza-Impfung, also die Immunisierung gegen Grippe, ist bei Weitem nicht so effektiv, denn sie verhindert die Einweisung ins Krankenhaus deutlich seltener.

Die STIKO empfiehlt, gerade Säuglinge so früh wie möglich gegen Rotaviren zu schützen. Der Impfschutz ist bereits ab der 6. Lebenswoche möglich. Gerade bei ganz kleinen Kindern treten schwere Verläufe signifikant häufiger auf. Die Impfserie sollte vor dem sechsten Lebensmonat abgeschlossen werden, denn sonst steigt das Risiko für Darmeinstülpungen an. Dieses Risiko steigt jedoch gleichermaßen für geimpfte und nichtgeimpfte Babys. Kinderärzte sind außerdem verpflichtet, die Eltern umfassend über die möglichen Risiken der prophylaktischen Immunisierung aufzuklären. Das Risiko für Darmeinstülpungen ist besonders groß im Zeitraum erster bis siebter Tag nach der Impfung. Treten in dieser Zeitspanne starke Bauchschmerzen, blutiger Stuhl oder anhaltendes Erbrechen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht und auf die kürzlich erfolgte Impfung hingewiesen werden.

In Frankreich kam es 2015 zu zwei Vorfällen kurz nach einer Rotavirus-Impfung. In Deutschland bleibt die Ständige Impfkommission dennoch bei ihrer Einschätzung. Sie hält die Immunisierung gegen Rotaviren noch immer für sinnvoll und sehr zielführend. Daher bleibt es bei der ausdrücklichen Empfehlung für Säuglinge. Die Argumente, die für die Rotaviren-Impfung sprechen, überwiegen die Befürchtungen und Gefahren etwaiger Nebenwirkungen.

Außerdem überprüft das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zusammen mit den Experten des Robert-Koch-Instituts ständig die Sicherheit aller zugelassenen Impfstoffe und nimmt eine Neubewertung der Faktenlage vor.

 

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