Hitzewelle: Tipps fürs richtige Schwitzen

Schwitzen mag nicht sexy sein, ist aber gesund

Sommer, Sonne, warme Temperaturen: Genau das hatten wir uns doch gewünscht. Doch bei heißen Temperaturen geraten wir auch schnell ins Schwitzen. Stellen Sie sich mal vor, sie müssten bei über 30 Grad zum Vorstellungsgespräch. Jetzt haben Sie garantiert Schweißperlen auf der Stirn, denn selbst die besten Deos können versagen und sich so nach und nach die Schweißflecke unter den Achseln abzeichnen. Das gibt ganz bestimmt keine Pluspunkte auf dem Weg zum begehrten Job. Doch noch immer gilt: Wer schwitzt, behält einen kühlen Kopf, da Schweiß den Körper kühlt. Schwitzen ist sicherlich nicht sexy, aber an heißen Tagen lebensnotwendig.

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An heißen Tagen wäre jeder lieber am Strand als im stickigen Büro. Am Strand weht ein laues Lüftchen und sorgt so für bessere Verdunstung und damit Kühlung. Die Folge: Wir schwitzen nicht so. Schwitzen mag nicht wirklich sexy sein, sorgt aber für einen kühlen Kopf und ist daher lebensnotwendig. Mit den Tipps von familien-gesundheit.de kommen Sie gut über die nächste Hitzewelle. Richtiges Schwitzen will schließlich gelernt sein.

 

Steigt nämlich die Außentemperatur, muss sich der Körper etwas einfallen lassen, um die normale „Betriebstemperatur“ von 37° C aufrecht zu erhalten. Steigt die Körpertemperatur auf über 42° C, so beginnen die Eiweiße zu gerinnen. Dieser Prozess ist potenziell tödlich. Der Körper hat daher das Schwitzen erfunden und nutzt chemisch-physikalische Reaktionen: Verdunstet Flüssigkeit, entzieht sie der Umgebung Energie in Form von Wärme. Deswegen haben wir Schweißdrüsen auf der Hautoberfläche. Der Schweiß verdunstet und kühlt.

 

Strategien zur Kühlung im Tierreich ganz verschieden

Nicht alle Tiere verfügen über so einen ausgeklügelten Mechanismus. Nur Affen, Pferde, Kamele, Raubkatzen und Bären können das. Wer es also nicht kann, muss sich etwas einfallen lassen. Hunde beispielsweise besitzen Schweißdrüsen lediglich an den Pfoten. Da hier nur sehr wenig Wasser verdunsten kann, ist der Kühleffekt eher minimal. Um sich herunterzukühlen, beginnen Hunde damit zu hecheln. Sie atmen bei Hitze etwa zehnmal schneller als sonst. So kann die Feuchtigkeit über die Zunge verdunsten und kühlt damit den ganzen Hund. Hauskatzen und Kängurus nutzen einen weiteren Trick. Sie lecken sich über die Beine und befeuchten mit Speichel das Fell. Über das soangefeuchete Fell entsteht Verdunstungskälte. Kaninchen haben zwar Schweißdrüsen um das Maul herum. Bei Hitze geben sie allerdings auch viel Wärme über die Löffel, wie die großen Ohren genannt werden, ab. Schweine und Elefanten kühlen sich mit Schlamm die Haut. Der Dreck hat darüber hinaus noch einen zusätzlichen Nebeneffekt: Die Schlammpackung schützt die Haut vor Sonnenbrand.

Es gibt viele Kühlungsstrategien im Tierreich: Von Ablecken bis Einsudeln. Wenn man sich die direkten Alternativen ansieht, ist aktives Schwitzen doch eine tolle Sache, oder?

 

Menschlicher Schweiß besteht zu 99 Prozent aus H2O

Der menschliche Schweiß besteht zunächst zu 99 Prozent aus reinem Wasser. Wenn er aus den Poren austritt, ist er geruchlos. Doch in dem restlichen 1 Prozent der Menge befinden sich auch Fettsäuren, Harnstoffe, Salze und Aminosäuren. Sie sorgen für den typischen Schweißgeruch und haben dennoch Sinn, denn sie bekämpfen schädliche Keime auf der Haut und neutralisieren deren gebildete Giftstoffe. Sie sorgen außerdem für ein saures Hautmilieu und erschweren so Mikroben die Ansiedlung. Der Schweiß fungiert nebenbei als Duftstoff. Wir kommunizieren darüber mit potenziellen Sexualpartnern. Der Spruch „Ich kann Dich gut riechen“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Über unseren Schweiß nehmen andere allerdings auch unbewusst war, wenn wir ängstlich sind oder unter Stress stehen. „Das riecht förmlich nach Ärger“ ist ein weiterer umgangssprachlicher Ausdruck, der seine Wurzeln in der menschlichen Biochemie hat.

 

Schweißdrüsen auch für die Wundheilung wichtig

Forscher haben herausgefunden, dass Schweißdrüsen neben der Schweißproduktion noch eine weitere Aufgabe haben: Sie sorgen für Nachschub bei den Hautstammzellen und helfen so dabei, dass sich eine Wunde schließt. So kann das darunterliegende Gewebe heilen und Keime und Verunreinigungen können nicht mehr in den Organismus eindringen.

Die rund zwei bis vier Millionen Schweißdrüsen eines Menschen schaffen erstaunliches. Selbst wenn es nicht heiß ist, produzieren sie tagein und tagaus zwischen einem halben und einem Liter der Kühlflüssigkeit namens „Schweiß“. Am meisten schwitzt der Mensch übrigens an den Füßen. Dort kommen auf jeden Quadratzentimeter Hautoberfläche ca. 500 Schweißdrüsen. Ähnlich viele Schweißdrüsen finden sich noch in den Achselhöhlen. Am Rücken dagegen kommen wir nur noch auf rund 50 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter.

 

Schweißtreiber: Richtig Schwitzen an heißen Tagen

Der Mensch ist in der Lage, die Hitzetage des Hochsommers effizient zu überstehen. Selbst Sport ist an heißen Tagen möglich, denn es können bis zu vier Liter Schweiß pro Stunde produziert werden. Der entstehende Flüssigkeitsverlust muss dann natürlich ersetzt werden. Doch nicht nur für Sportler gilt an heißen Tagen die wichtige Faustregel: viel trinken. Bestens geeignet ist übrigens lauwarmes Wasser. So muss der Körper keine Energie bereitstellen, um die Flüssigkeit zu erwärmen. Eisgekühlte Getränke mögen zwar auf den ersten Schluck erfrischend sein, sie bewirken allerdings ein verstärktes Schwitzen.

Eine kalte Dusche gilt ebenfalls als Tipp zur Abkühlung an heißen Tagen. Doch Experten raten auch hier zum lauwarmen Duschen. Die Begründung ist einleuchtend: So verengen sich nicht die Hautzellen und können damit mehr Hitze abgegeben als zusammengezogen.

Hält die Hitze für längere Zeit an, tritt übrigens ein Gewöhnungseffekt ein. Der Körper setzt auf die Strategie „frühzeitiges Schwitzen“, sodass uns gar nicht erst heiß werden kann. Würde man den Schweiß dann in ein Labor bringen, ließen sich Veränderungen in der Zusammensetzung nachweisen. Der Körper scheidet weniger Salz aus. Diese Umstellung verhindert, dass durch zu starkes Schwitzen dem Körper wichtige Mineralien entzogen werden.

Schwitzen ist im Normalfall also eine gesunde Reaktion. Lediglich 1 Prozent der Menschen schwitzt bei Anstrengung oder Aufregung stärker als nötig. Die sogenannte Hyperhidrose lässt sich jedoch medizinisch behandeln. Der Rest der Bevölkerung kann den Sommer schwitzend genießen und im Winter bereits das richtige Schwitzen in der Sauna trainieren.

 

Ein Tipp an die Personalchefs der Republik: Kandidaten, die beim Bewerbungsgespräch besonders stark schwitzen, sind nicht unbedingt stressanfälliger als andere. Starkes Schwitzen im Sommer kann auch als Zeichen für Fitness und einen funktionierenden Stoffwechsel gewertet werden. Mit anderen Worten: Diese Bewerber sind die besseren Mitarbeiter, denn sie werden sehr wahrscheinlich seltener krank.

 

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