Gut & gesund Altern: Was hilft?

Gespräche sind immer gut, Sudoku auf Dauer wahrscheinlich nicht

Es ist ein Naturgesetz: Der Alterungsprozess beginnt mit der Befruchtung. Das Sterben ist bereits bei der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle vorprogrammiert: Von der Wiege bis Bahre – das ist das Leben. Und zwischen den beiden Eckpunkten Geburt und Tod erstreckt sich das Altern. Jeder Mensch tut es, aber jeder auf seine ganz individuelle Art und Weise. Ein Stück weit ist der Alterungsprozess durch die Gene vorgegeben. Er lässt sich aber durch den Lebensstil stark beeinflussen.

© StockSnap / pixabay.de

Die beste Medizin, um gesund und gut zu altern, ist: Bleiben Sie neugierig aufs Leben! Verreisen Sie, lachen Sie gemeinsam mit Freunden und Bekannten oder erlernen Sie ein neues Hobby! Verlassen Sie bewusst ausgetretene Pfade und nehmen Sie hin und wieder eine neue Perspektive ein – auch auf die Gefahr hin, als „schrullig“ zu gelten. Diese Form von Gehirnjogging ist besser und effektiver als jedes Anti-Aging-Produkt auf dem Markt!

 

Individuelles Altern: Rüstige Senioren und vorzeitig gealterte Greise

Fast jeder mit einem großen Freundeskreis oder einer weitverzweigten Familie kennt das Phänomen: Es gibt Achtzigjährige, die locker als Sechzigjährige durchgehen. Und es gibt Fünfzigjährige, die wirken wie Siebzigjährige. Die rüstigen Rentner beschäftigen sich selbst im hohen Altern noch mit dem Erlernen einer neuen Sprache, machen Ausflüge, spielen ein Instrument und pflegen intensiv ihren Bekanntenkreis. Die vorzeitig gealterten Fünfzigjährigen sind dafür vielleicht zu krank, zu einsam oder einfach nicht mutig genug, etwas Neues auszuprobieren oder jemand neues kennenzulernen.

Umgangssprachlich wird gern davon gesprochen, dass jemand „abbaut“. Doch wir alle bauen ab – jeden Tag ein bisschen mehr. Und wenn wir unseren Denkapparat nicht regelmäßig benutzen und nur auf ausgetretenen Pfaden unterwegs sind, dann bauen wir mehr ab, als eigentlich sein müsste. Daher ist es wichtig, dass wir unseren Geist fordern und fördern – und zwar von Geburt an und erst recht im Alter. So können wir die Regeneration unterstützen.

 

Stammzellen übernehmen ein Leben lang Reparaturaufgaben

Damit „der Laden am Laufen gehalten wird“, muss der Organismus vor allem Schäden an den Organen reparieren. Hier können Umwelteinflüsse aber auch unser Lebensstil wie das Rauchen, zu wenig Bewegung oder ungesundes Essen einiges an Schaden anrichten. Für die Reparatur- und Regenerationsaufgaben im Körper sind die Stammzellen zuständig. Da gibt es verschiedene Typen: Die hämatopoetischen Stammzellen übernehmen die Blutbildung und sind somit auch ein Garant für ein funktionierendes Immunsystem und den ausreichenden Sauerstofftransport zu den Zellen. Mit den mesenchymalen Stammzellen werden Zellen in Knochen, Sehnen, Knorpeln und dem Bindegewebe ersetzt. Sie kommen beispielsweise bei Knochenbrüchen und Schnittwunden zum Einsatz. Die neuronalen Nervenzellen übernehmen die Regeneration von Nervenzellen. Egal welchem Typ die Stammzellen angehören, ihnen allen gemein ist: Auch sie altern. Ihre Teilungsfähigkeit nimmt im Laufe der Zeit ab, sodass im Alter immer weniger Stammzellen zur Verfügung stehen.

 

Ist die Fähigkeit zur Regeneration im Erbgut festgeschrieben?

Wissenschaftler fragen sich, ob die Fähigkeit zur Regeneration in unserer DNA festgeschrieben ist. Die Antwort darauf lautet schlicht und ergreifend: Sowohl JA als auch NEIN. Unser Erbgut bestimmt nur zu etwa 25 Prozent die Fähigkeit, ein hohes Alter zu erreichen. Beim Rest nehmen Lebensumstände und das eigene Verhalten einen großen Einfluss.

Fakt ist: Per se sind die Erbinformationen in den Genen unveränderlich festgeschrieben. Jedoch unterliegt das Ablesen der Baupläne Veränderungen, so dass unterschiedliche Proteine am Ende entstehen können. Fehlende Proteine oder veränderte Proteine können durchaus Auswirkungen z. B. auf die Regeneration von Blutzellen und damit auch auf die Abwehr von Krankheiten haben. Mit diesem Wissen kann der Mensch seine Lebensumstände beeinflussen und gezielt Risikofaktoren minimieren. Bei Demenz gelten beispielsweise eine gesunde Ernährung aber auch ein großes soziales Umfeld als wichtige Stellschrauben zur Prophylaxe.

 

Einsamkeit beeinflusst Alterungsprozess und Gesundheit

Mittlerweile existieren viele Studien, die den Zusammenhang von Einsamkeit und Altern untersuchten. Eine oft zitierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit die Sterblichkeit ähnlich stark erhöht wie Rauchen oder starkes Übergewicht. Andere Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Krankheiten wie Bluthochdruck, Brustkrebs oder Alzheimer. Soziale Interaktionen und menschlicher Austausch könnten helfen, aufwändige Therapien und Krankheitsverläufe mit viel Leid zu vermeiden. Dieses Wissen müsste eigentlich zu einem Wandel im Gesundheitswesen führen: Ärzte, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und Angehörige sollten verstärkt darauf achten, ältere Menschen zu animieren, sich zu treffen und gezielt den sozialen Austausch zu suchen.

In größeren Städten gibt es mittlerweile Organisationen und Vereine, die versuchen, Einsamkeit aufzufangen und z. B. Besuchsdienste in Alten- und Pflegeheimen, aber auch Seniorentreffs, Wandergruppen oder spezielle Hobby-Gruppen für Ältere anbieten.

 

Soziale Kontakte und Gehirnjogging zur Demenz-Vorsorge

Es ist natürlich in Zukunft nicht davon auszugehen, dass mit flächendeckenden Seniorentreffs Alzheimer und Demenz der Garaus gemacht wird, doch in einer alternden Gesellschaft verschaffen bereits kleine Rückgänge in den Erkrankungszahlen spürbare Entlastung für die Gemeinschaft. Die AFI, die Alzheimer Forschung Initiative, zählt soziale Kontakte zu einer der vier großen Säulen der Alzheimer-Vorbeugung. Die anderen drei Säulen sind: Gesunde Ernährung, Sport und geistige Aktivität.

Bei der geistigen Aktivität denken viele zunächst direkt an Kreuzworträtsel und Sudoku. Der Einfluss dieser Freizeitbeschäftigungen wurde wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse sind nicht eindeutig. Einige Studien bejahen, dass Kreuzworträtsel und Sudoku den Geist ausreichend aktivieren, um dem geistigen Abbau zu begegnen. Andere verneinen es und warnen vor der Überschätzung des positiven Einflusses. Die unterschiedlichen Aussagen beruhen sehr wahrscheinlich darauf, dass nach wie vor ungeklärt ist, was hier Ursache und Wirkung ist: Möglicherweise lösen geistig fitte Menschen häufiger Kreuzworträtsel. Es kann aber auch sein, dass häufiges Kreuzworträtsel-Training die Menschen geistig fitter macht. Einig sind sich die Forscher allerdings, dass gezieltes Gedächtnistraining eine gute Methode für die Prävention ist. Das Gedächtnistraining kann ganz unterschiedlich ausfallen: neben dem Rätseln zählt auch das Schwelgen in alten Erinnerungen (z. B. durch Blättern im Fotoalbum) oder das Auswendiglernen des Einkaufszettels dazu.

 

 

Beste Waffe im Kampf gegen das Altern: Bleiben Sie neugierig aufs Leben!

Den positiven Effekten der Rätselei wird allerdings lediglich eine zeitlich begrenzte Wirkung bescheinigt. Langfristig helfen Kreuzworträtsel nicht dabei, die Fähigkeit zur Bewältigung anderer Aufgaben zu erhalten. Experten empfehlen hierfür eher Spiele spielen wie Schach oder auch Mensch ärgere Dich nicht, Musizieren, Lesen, Malen sowie Besuche von Museen, Ausstellungen und Galerien.

Und was sollen Senioren tun, die noch kein Instrument beherrschen oder die Schachregeln nicht kennen? Ganz einfach: Anfangen mit lernen! Es ist nie zu spät! Das Gehirn ist auch im fortgeschrittenem Alter in der Lage, neue Gehirnzellen zu bilden und zu lernen. Studien belegen, je mehr Eindrücke das Gehirn verarbeiten muss, desto mehr neue Gehirnzellen werden aus den vorhandenen neuronalen Stammzellen gebildet. Das Erlernen einer neuen Sprach wirkt gleichsam wie eine Verjüngungskur auf das Denkorgan und ist „Gehirnjogging“ par excellence.

 

Aktivsein ist das beste Anti-Aging

Das Geheimnis des gesunden Alterns besteht nicht in irgendwelchen teuren Anti-Aging-Produkten. Die Können Sie einfach links liegen lassen, denn aufhalten können die Anti-Aging-Produkte nichts. Das Geheimnis des gesunden Alterns liegt im Sammeln von neuen Eindrücken begründet: Musizieren, Reisen, Sprachen lernen, Sport, gesunde Ernährung und Gemeinschaft tun ihr Übriges dazu. In der Gruppe können Sie viel Spaß bei Gesellschaftsspielen, ja sogar bei Kreuzworträtseln und Stadt-Land-Fluss haben. Jeder Mensch kann sich seine liebsten Bausteine für ein gutes, längeres Leben dank gesundem Altern und der sozialen Interaktion selbst zusammensuchen.

 

Disclaimer
familien-gesundheit.de stellt ausschließlich Beiträge für Informationszwecke bereit. Die Hinweise und Informationen sind nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Sie ersetzen kein persönliches Gespräch, keine professionelle Beratung, keine individuelle Untersuchung oder fachkundige Behandlung durch ausgebildete und anerkannte, im Gesundheitswesen tätigte Experten wie z. B. Ärzte, Apotheker, Hebammen oder Physiotherapeuten.