Gelée royale: Wie ein Protein Stammzellen umprogrammiert

Ist Royalactin eine neue Wunderwaffe für Stammzellenforscher?

Gelée royale gilt als Wunderfutter der Bienen. Mit ihm versorgt das Bienenvolk die Bienenkönigin und den Königinnennachwuchs. Nun haben Forscher herausgefunden, dass sogar die Stammzellen von Mäusen auf Gelée royale reagieren. Eventuell besteht die Möglichkeit, dass alle Tiere ähnlich darauf reagieren und sich somit auch ein Therapieansatz für den Menschen ergibt.

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Ein Bienenvolk ist streng organisiert und alles dreht sich um die Königin, die für den Nachwuchs zuständig ist. Die Königin wird mit dem Gelée royale gefüttert. Es ist nicht nur äußerst nahrhaft, sondern wartet mit einer Vielzahl von erstaunlichen Eigenschaften auf. Unter anderem beeinflusst es Stammzellen.

 

Gelée royale wird auch als Königinnenfutter bezeichnet. Es übernimmt im Bienenstock viele wichtige Aufgaben. Der extrem nahrhafte Futtersaft wird von den Arbeiterinnen produziert und an die Bienenlarven verfüttert, die sich daraufhin zu Königinnen entwickeln. Das Gelée royale verändert dabei die Methylierung des Erbguts, sodass „Lesezeichen“ für die Baupläne verschoben werden. Die Folge ist: Bei den Königinnenlarven werden andere Abschnitte aktiviert bzw. gebremst als bei den Arbeiterinnenlarven. Das Gelée royale greift somit ins Epigenom der Bienen ein und manipuliert in letzter Konsequenz die Kastenzugehörigkeit der Bienen.

Außerdem wird Gelée royale als biologischer Zweikomponentenkleber genutzt, der darüberhinaus noch eine antibakterielle Wirkung hat und so Krankheitserreger im Bienenstock wenig Chancen lässt. Auch beim Menschen werden dem Bienensekret gesundheitsfördernde Eigenschaften attestiert, weswegen es als Nahrungszusatz von gesundheitsbewussten Menschen konsumiert wird. Allergiker, die auf Bienen reagieren, sollten jedoch vorsichtig sein.

 

Royalactin ist der Hauptbestandteil von Gelée royale

Einer neuen Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern macht Hoffnung, dass Gelée royale auch beim Menschen tatsächlich helfen könnte, denn es gibt bei Säugetieren offensichtlich eine ähnliche Variante des Proteins Royalactin. Royalactin macht den größten Anteil am Gelee Royal aus. Die Forscher der Stanford University vermuten, dass das Protein Royalactin nur die „Bienenversion“ eines uralten, grundlegenden Regulators ist, der im gesamten Tierreich vorkommt und bislang übersehen wurde.

Um dem Regulator auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team, welche im Tierreich verbreiteten Stoffwechselprozesse Royalactin beeinflusst. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf jene Prozesse, die schon seit langer Zeit existieren und sich im Laufe der Evolution über den gesamten Stammbaum der Tiere ausbreiten konnten.

 

Einfluss auf das Netzwerk zur Regulation der Pluripotenz-Gene

Bei dieser Analyse zeigte sich, dass das Bienenprotein kein Generalschlüssel für alle Entwicklungsprozesse im Organismus ist oder Einfluss auf ausdifferenzierte Gewebezellen nimmt. Royalactin wirkt jedoch an einer für Vielzeller ganz entscheidenden Stelle: Es nimmt Einfluss auf das Pluripotenz-Regulatornetzwerk von embryonalen Stammzellen. Das im Gelée royale enthaltene Protein modifiziert die „Erbgut-Verpackung“, das Chromatin, und beeinfluss so die Aktivität von Genen. Die Stammzellen gehen in einen sehr ursprünglichen Zustand über und können dann beispielsweise für eine lange Zeit in Zellkulturen konserviert werden. Im Normallfall sind dafür bislang weitere Faktoren und Botenstoffe notwendig. Auf sie könnte in Zukunft bei der Konservierung von Zellkulturen im Labor verzichtet und somit die Kultivierung von Stammzellen vereinfacht werden.

 

 

Handelt es sich um einen grundlegenden im Tierreich verbreiteten Mechanismus?

Das von den Bienen produzierte Protein wirkt dabei sogar über Artengrenzen hinweg und beeinflusst auch die Stammzellen von Mäusen. Ein erstaunlicher Vorgang mit großem Seltenheitswert! Ganz offensichtlich übernimmt das Royalactin die Funktion eines Säugetierproteins. Die US-amerikanischen Forscher fahndeten in Sequenzdatenbanken nach einem möglichen Kandidaten. Ihre Suche wurde tatsächlich von Erfolg gekrönt. Sie wurden fündig und tauften das Protein „Regina“. In Mäusen hat Regina ähnliche Eigenschaften wie das Royalactin der Bienen.

Bienen und Mäuse gehören sehr unterschiedlichen Spezies n. Dennoch scheint es so zu sein, dass womöglich alle Tiere ein sehr ähnliches, bisher übersehenes Programm besitzen, dass Stammzellen in einen sehr ursprünglichen Ausgangszustand zurückversetzen kann. Dabei muss nur per einfachem Protein ein Signal gesendet werden. Sollte sich dieser Mechanismus auch beim Menschen wiederfinden lassen, so stünde eine Möglichkeit zur Verfügung, adulte Stammzellen ohne viel Aufwand und Risiken in einen embryonalen Zustand zurückzuversetzen. Das könnte die Stammzellentherapie revolutionieren.

 

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