Geistige Fitness: Wie körperliche Aktivität das Gehirn gesund hält

Mit Sport & Gehirnjogging gezielt die eigene „Neurogene Reserve“ aufbauen

Sport und Bewegung kurbeln die Differenzierung von neuronalen Stammzellen zu neuen Nervenzellen im Gehirn an. Jedoch bleiben die frischen Neuronen nur dann am Leben, wenn die Nervenzellen durch geistige Aktivität auch tatsächlich genutzt werden.

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Jeder kann in jungen Jahren etwas für seine spätere geistige Fitness tun, indem er sich bewegt und Sport macht. So aktivieren Sie die Stammzellen in Ihrem Gehirn, sich zu neuen Nervenzellen zu differenzieren. Die aufgebaute „Neurogene Reserve“ steht Ihnen später zur Verfügung – vorausgesetzt: Sie haben Ihr Denkorgan genügend gefordert, denn nur wenn die neuen Nervenzellen auch tatsächlich benutzt werden, integrieren sie sich ins bestehende neuronale Netzwerk.

 

Bislang existieren noch keine belastbaren, wissenschaftlichen Studien darüber, wie sich die Kombination von körperlicher und geistiger Aktivität auf das menschliche Gehirn auswirkt. Jedoch zeigen Versuche an Mäusen, dass sich die positive Wirkung summieren könnte. Ein internationales Forscherteam mit Wissenschaftlern aus Deutschland, der Schweiz, den Vereinigten Staaten von Amerika sowie dem Vereinigten Königreich hat das Zusammenspiel bei Nagern untersucht und aufgrund der erstaunlichen Entdeckungen die Theorie der „Neurogenen Reserve“ entwickelt.

Demnach würden regelmäßige sportliche Fitnessübungen verbunden mit geistiger Aktivität dafür sorgen, dass einerseits neue Gehirnzellen gebildet werden und sich diese „Neuen“ mit den bereits bestehenden Zellen verbinden, so dass sie im Nervengeflecht vernetzt sind.

Wer also in jungen Jahren darauf achtet, aktiv zu sein, könnte so die Basis für eine spätere Reserve an Nervenzellen schaffen. Im höheren Leben könnte auf diese Reserve dann bei geistigen Herausforderungen zurückgegriffen werden. Möglicherweise ließen sich so auch die Auswirkungen einer Demenz spürbar abfedern.

 

Die Existenz neuronaler Stammzellen wurde erst spät bestätigt

Bis in die 1990er Jahre galt in der Wissenschaft noch das Dogma, dass das erwachsene Gehirn nicht mehr in der Lage wäre, neue Nervenzellen zu bilden. Was einmal verloren gegangen ist, wäre demnach für immer weg. Doch Untersuchungen an Ratten und Mäusen schürten Zweifel. Bei den Tieren tauchten auch in erwachsenen Gehirnen neugebildete Nervenzellen auf. Diese Tatsache veranlasste die Wissenschaft, auch beim Menschen näher hinzuschauen. 1998 gelang es schließlich dem Schweden Peter Erikson der Nachweis, dass beim Homo sapiens sapiens auch im erwachsenen Gehirn neuronale Stammzellen existieren, die in der Lage sind, stetig neue Nervenzellen hervorzubringen. Die These musste revidiert werden. Heute sind die neuronalen Stammzellen die großen Hoffnungsträger im Kampf gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder die Amyothrophe Lateralsklerose (ALS).

 

Abwechslung, in Form von neuen Herausforderungen, und soziale Interaktionen lassen ständig neue Gehirnzellen entstehen

Weitere Experimente mit Tieren zeigten, dass neue Hirnzellen jedoch nur dann entstehen, wenn die Tiere in einer abwechslungsreichen Umgebung lebten. Die Nager brauchten im Labor beispielsweise große Käfige, interessantes Spielzeug und spannende Tunnelröhren. Die Gegenstände wurden immer wieder neu angeordnet und die Versuchstiere außerdem mit vielen Artgenossen zusammen gehalten.

Dresdner Hirnforscher entdeckten außerdem einen weiteren, interessanten Zusammenhang: Bei Mäusen entstanden offenbar besonders viele neue Nervenzellen, wenn die Tiere im Vorfeld körperlich aktiv waren und damit eine gewisse Grundfitness besaßen. Tiere, die ihr Leben gemächlich und reizlos verbrachten, besaßen dagegen keine neuen Hirnzellen.

 

 

Der Hippocampus braucht Bewegung für die Bildung neuer Nervenzellen

Beim Menschen gilt der Hippocampus als „Tor zum Gedächtnis“´, denn hier erfolgt die Informationsverarbeitung. Die Informationen, die wir mit den Sinnen wahrnehmen, kommen hier an und werden auch mit den Informationen aus den abgelegten Erinnerungen gekoppelt. Der Hippocampus gilt als Stammzellnische für neuronale Stammzellen. Hier schlummert also die „stille Reserve“.

Bei Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass sich die Teilungsaktivität der Gehirnstammzellen massiv erhöht, wenn die Tiere im Laufrad in Bewegung blieben. Mediziner gehen davon aus, dass auch der Mensch von Bewegung und Fitness profitiert. Gerade bei älteren Menschen könnte körperliche Bewegung die Hirnstammzellen anregen, sich häufiger zu teilen. Geistige Aktivität allein bringt jedoch anscheinend keine neuen Nervenzellen hervor. Die Initialzündung geht von der körperlichen Aktivität aus.

 

 

Zusammenspiel von körperliche Aktivität und Gehirnjogging ist die optimale Kombination

Diese Erkenntnisse bedeuten allerdings nicht, das angestrengtes Denken kontraproduktiv für die Nervenzellen sei. Im Gegenteil: „Gehirnjogging“ ist ebenso wichtig, denn nur wenn die neuen Nervenzellen auch tatsächlich genutzt werden, können sie sich dauerhaft ins bestehende Nervengeflecht integrieren.

All diese Erkenntnisse lassen sich zu einer einfachen Faustformel zusammenfassen: Körperliche Aktivitäten wie Sport und Bewegung sorgen dafür, dass aus neuronalen Stammzellen neue Gehirnzellen entstehen. Aber die geistige Aktivität ist dafür zuständig, dass die neuen Gehirnzellen am Leben bleiben.

Am besten Sie gehen jetzt nach dem Lesen dieses Artikels eine straffe Runde um den Block und lösen im Anschluss ein Sudoku. Dann haben Sie in puncto „gesundes Gehirn“ alles richtig gemacht und etwas für ihre „Neurogene Reserve“ getan.

 

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