Gehirn: Neue Gedächtniszellen entstehen bis ins hohe Alter

Geistige Fitness & Lernen ist für Senioren kein Ding der Unmöglichkeit

Auch Senioren können Neues lernen. Dafür benötigen sie neue Gedächtniszellen im Gehirn. Damit das Denkorgan auch im hohen Alter geistig fit bleiben kann, hat die Natur die Voraussetzungen dafür geschaffen. So werden im Hippocampus aus neuronalen Stammzellen neue Gehirnzellen gebildet. Jedoch nimmt die Zahl der Stammzellen mit zunehmenden Alter ab und auch die Neuroplastizität, also die Fähigkeit, neue Blutgefäße zu bilden, sinkt.

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Das Gehirn besitzt erstaunliche Fähigkeiten. Es bilden sich beispielsweise ein Leben lang aus Stammzellen neue Gehirnzellen. Diese sind unter anderem wichtig für die Gedächtnisleistung. Forscher diskutieren kontrovers, ob auch noch bei Senioren dieser Prozess erfolgreich ablaufen kann. Jetzt präsentierten Forscher eine neue Studie: Sie sehen demnach Unterschiede zwischen jungen und alten Gehirnen in der Neuroplastizität.

 

Der Hippocampus ist die Schaltzentrale schlechthin im Gehirn. Er entscheidet, welche Informationen im Gedächtnis abgelegt werden und welche nicht. Hirnforscher sind sich deswegen zumindest in einem Punkt einig: Die Gedächtnisbildung erfordert die Neubildung von Hirnzellen. Und diese Hirnzellen können nur aus vorhandenen Vorläuferzellen, also den neuronalen Stammzellen, entstehen. Allerdings streiten sich die Experten, ob das Gehirn zu dieser Leistung das komplette Leben lang und demnach auch bis ins hohe Alter fähig ist. Bei Kindern und Jugendlichen steht der Prozess außer Frage. Bei Senioren dividieren die Ansichten weit auseinander.

 

Kontroverse Diskussionen selbst unter Hirnforschern: Entstehen neue Gehirnzellen auch bei Senioren?

Erst kürzlich berichtete ein Forscherteam aus San Francisco (Kalifornien/USA) im Fachmagazin Nature, dass der Hippocampus bereits in der Kindheit die Fähigkeit verliert, neue Nervenzellen zu bilden. Diese These stieß nicht nur in der Fachwelt auf ein geteiltes Echo. Diese These deckt sich auch nicht mit den Alltagsbeobachtungen: Senioren können sich auch im hohen Alter noch Dinge merken. Es gibt genügend Beispiele, wo sogar noch Sprachen gelernt, Universitätsabschlüsse nachgeholt und neue Musikstücke eingeübt werden. Wie soll all das funktionieren, wenn das Gehirn nach der Jugend förmlich erstarren soll?

Eine andere Gruppe von Wissenschaftlern der Columbia Universität in New York (USA) kommt in ihrer veröffentlichen Studie zu einem ganz anderen Schluss. Sie untersuchte den Hippocampus von Verstorbenen. Die 28 zuvor gesunden Personen waren zwischen 14 und 79 Jahre alt. Die Personen waren nachweislich nicht an Hirnkrankheiten verstorben und wiesen auch keine psychischen Störungen auf. Ihnen wurde attestiert, dass sie bis zum Schluss geistig fit gewesen sind.

Besonders genau untersuchten die New Yorker Wissenschaftler im Hippocampus die Region des Gyrus dentatus. Dort ist es möglich, mit Hilfe von Antikörpern die Neuronen in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien zu markieren. Auch bei älteren Menschen konnten noch tausende neugebildete Hirnzellen in der Region nachgewiesen werden. Hirnforscher schätzen, dass täglich um die 700 neue Neuronen pro Tag neu gebildet werden.

 

 

Unterschied zwischen alten und jungen Gehirnen: Die Neuroplastizität

Jedoch fanden die Wissenschaftler auch Unterschiede bei den Gehirnen von jungen Menschen und alten Menschen. Der Unterschied besteht jedoch nicht in der Fähigkeit neue Gehirnzellen zu bilden, sondern darin, ob das Gehirn in der Lage ist, neue Blutgefäße wachsen zu lassen. In der Literatur wird hierbei auch von Neuroplastizität gesprochen. Die Hirnforscher sehen in der fehlenden Neuroplastizität einen Grund für das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, denn durch fehlende Blutgefäße dürfte sich die Migration der neuen Gehirnzellen an die Stelle, wo sie benötigt werden, erschweren.

Nach dieser Theorie ließen sich die sogenannten Hirnleistungsstörungen im Alter auf eine verminderte Durchblutung zurückführen. Und gegen eine schlechte Durchblutung gibt es bereits einen kostengünstigen und lange bewährten Behandlungsansatz: Sport. Ob diese Annahme jedoch tatsächlich stimmt, müssen spätere Studien belegen. Bei der ausgewerteten Studie lagen den Forschern keine Informationen über die körperliche Fitness der Verstorbenen vor.

 

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