"Friss die Hälfte" (FdH): Reicht das Halbieren der Mahlzeiten wirklich aus?

Kann eine so simple Strategie beim Abnehmen tatsächlich helfen?

Sicher haben Sie auch schon einmal diesen schlichten Rat gehört: Wenn Sie etwas abspecken möchten, reicht es einfach aus, weniger zu essen. Machen Sie ruhig das weiter, was Sie ohnehin schon tun, schränken Sie es aber stark ein. Genau so und nicht anders funktioniert die sogenannte „Friss die Hälfte“-Diät, auch kurz als „FdH“ bezeichnet. Anstatt komplizierte Ernährungspläne zu befolgen bzw. sich ins Fitnessstudio oder raus zum Joggen zu schleppen, werden einfach nur Ihre Mahlzeiten halbiert. Kann Abnehmen wirklich so einfach sein? Oder lauern hier nicht doch falsche Versprechen und sogar gesundheitliche Risiken?

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Die „Friss-die-Hälfte“-Diät hat eine simple Botschaft: Halbiere einfach Deine Mahlzeiten und schon wirst Du schlank und glücklich. Nachdenken, was bisher vielleicht bei der Ernährung nicht so gut gelaufen ist … Fehlanzeige! In Zukunft wird bei Fastfood halt einfach nur ein halber Hamburger bestellt und schon ist die Welt in Ordnung. Zugegeben die Redaktion von familien-gesundheit.de hat es gerade etwas überspitzt formuliert, um die Schwachstellen hinter FDH aufzudecken.

 

„Friss die Hälfte“ ist genau das, wonach es sich anhört

Mit dem recht vulgären Titel ist eigentlich schon fast alles gesagt: „Du willst abnehmen? Friss die Hälfte!“ Viel simpler geht es nicht, denn mehr gibt es zur Ernährungsweise auch nicht zu sagen. Die Für und Wider des Diätkonzeptes sind genau hier vereint: Sie müssen nichts an Ihrem Lebensstil ändern und Einschränkungen bei Speisen und Getränken existieren ebenfalls nicht. Sie essen einfach nur noch die halbe Portion von dem, was Sie gewohnt sind. Oder Sie streichen einfach eine Mahlzeit, vorrangig die üppigste, von Ihrem Tagesplan. Fertig! Das ist so einfach, dass es wirklich von jedem, überall und zu jeder Zeit befolgt werden kann. Doch letztlich hat genau die bisherige Lebensweise dazu geführt, dass sich das Hüftgold ansammeln konnte. Aber um diesen Aspekt und der eventuell gebotenen Notwendigkeit der Änderung macht sich die Friss-die-Hälfte-Idee keine Sorgen.

Wichtig bei der FdH-Diät ist nur, dass Sie die Menge an Kilokalorien, die Sie normalerweise zu sich nehmen, mehr oder weniger halbieren. Ein umfangreiches Sportprogramm, wie es gute Abnehmkonzepte vorsehen, entfällt ebenfalls: Sie können also guten Gewissens den ganzen Tag mit Nichtstun verbringen.

 

Die Vor- und Nachteile von „Friss die Hälfte“

Selbstverständlich hat eine Diät, die so simpel ist wie „Friss die Hälfte“, ihre Vorteile. Zuallererst wäre hier der schnelle Gewichtsverlust zu nennen, denn dem Körper nur noch die Hälfte der eigentlich benötigten Energie zuzuführen, ist natürlich recht radikal. Praktikabel ist sie ebenfalls, denn FdH ist mit keiner wirklichen Umstellung des Lebensstils verbunden. Zusätzliche Kosten für Diätmittel, eine spezielle Ernährungsweise oder andere Ausgaben entfallen hier ebenso. Damit ist die FdH-Diät sehr günstig. Das bei den Lebensmitteln eingesparte Geld können Sie direkt woanders investieren.  Da „Friss die Hälfte“ kein Sportprogramm vorsieht, brauchen sich Sportmuffel auch nicht ins Fitnessstudio zu quälen. Das steigert die Motivation und damit die Chancen des ausprobierens. Doch fürs Fitnessstudie oder anderen Outdooraktivitäten wird Ihnen bereits nach kürzester Zeit ohnehin die Energie fehlen.

Und damit sind wir auch schon bei den Nachteilen angelangt. Selbst, wenn Ihre Ernährung vor der Diät sehr ausgewogen und energiereich war, werden starkes Hungergefühl, Heißhungerattacken und nach einiger Zeit auch gefährliche Mangelerscheinungen nicht ausbleiben. Unzufriedenheit, Unwohlsein und Kraftlosigkeit sind schnell spürbare Folgen der Radikaldiät. Als eine längerfristige Lösung sollte die FdH-Diät daher keinesfalls in Betracht gezogen werden. Als Berufstätige/r ist gänzlich davon abzuraten, da Leistungsfähigkeit und Konzentration unter dieser Ernährungsweise stark leiden.

 

„Friss die Hälfte“-Diät überstanden … was dann?

Haben Sie sich einige Zeit durch die halben Rationen gequält und ein paar Kilo abgenommen, stellen Sie Ihre Ernährung höchstwahrscheinlich wieder auf „normal“ um. Was nun garantiert folgt, ist der sogenannte Jojo-Effekt. Da Sie Ihrem Körper zeitweise radikal Nährstoffe entzogen haben, hat er sich dementsprechend angepasst und den Notstand ausgerufen. Ihr Stoffwechsel wurde heruntergefahren und „unnötige“ Muskelmasse abgebaut, um den Grundumsatz zu senken, damit die Hungersnot überstanden werden kann. Beginnen Sie nun, wieder normal zu essen, bleibt der Energiesparmodus Ihres Organismus noch eine geraume Zeit lang aktiv. Ihr Körper traut der neuen Versorgungssituation nicht. Folglich wird die Kaloriendifferenz zwischen „Normalmodus“ und „Notfallmodus“ vom Körper umgehend in Fettreserven angelegt, um für die nächste Hungerkatastrophe vorbereitet zu sein. Die paar Kilos, die Sie sich also während der „Friss die Hälfte“-Diät mühsam runtergehungert haben, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit – und sogar mit einigen zusätzlichen Pfunden obendrauf – bereits nach wenigen Wochen wieder auf den Rippen haben.

Erfolgt die Ernährungsumstellung langsam und wird die „Diät“ kontrolliert ausgeleitet, kann der Jojo-Effekt eingeschränkt werden. Dennoch sollten seine Auswirkungen bei einer dermaßen radikalen Abnehmstrategie von Anfang an nicht unterschätzt werden.

 

Bringt „Friss die Hälfte“ überhaupt etwas?

Die FdH-Diät ist generell nicht empfehlenswert. Als sehr kurzfristige Abnehmstrategie können mit ihr vielleicht geringe Erfolge erzielt werden. Einen Gefallen tun Sie Ihrem Körper aber ganz bestimmt nicht. Langfristig sollte sie auf keinen Fall betrieben werden, da die Mangelversorgung an wichtigen Vitaminen und Mineralien schon bald gesundheitliche Risken mit sich bringt. Des Weiteren kommt hinzu, dass bei „Friss die Hälfte“ trotzdem noch unerwünschte und ungesunde Stoffe im Übermaß konsumiert werden, da ihr kein ausgeklügelter Ernährungsplan zugrunde liegt. Wer vorher schon falsch gegessen und damit zu viel Fett und zu viel Zucker zu sich genommen hat, wird auch während der Abnehmphase nicht wirklich gesünder essen. Über eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen sowie Obst und Gemüse, einer der wichtigsten Nebeneffekte einer guten Diät, lernen Sie bei der „Friss die Hälfte“-Diät also nichts.

Der Rat kann daher nur lauten: Essen Sie statt der Hälfte lieber das Richtige und treiben Sie genügend Sport, um ein paar Pfunde loszuwerden!