Farbe von Tabletten & Wirkstoffen

Steckt ein Farbcode dahinter?

Wenn Sie verschiedene Tabletten einnehmen müssen, sind die Chancen groß, dass nicht alle Ihrer Tabletten weiß sind. In der Pillenschachtel kann es durchaus eine bunte Mischung geben. Neben dem klassischen weiß, können beispielsweise die Farben blau, grün oder rot auftauchen. Viele Menschen fragen sich daher: Steckt etwa mehr hinter der Tablettenfarbe? Hat die Farbe eine Bedeutung? Gibt es so etwas wie einen Farbcode, d. h. steht eine Farbe für einen bestimmte Gruppe von Wirkstoffen? Hier gibt es Antwort!

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Habe Sie sich Ihre einzunehmenden Tabletten schon einmal genau angeschaut? Sie unterscheiden sich in Größe, Form, Prägung und vielfach auch in der Farbe. Sagt womöglich die Tablettenfarbe etwas über die Wirkstoffe aus? Die trimeda-Redaktion hat für Sie nachgeforscht!

 

Tabletten zählen zu den beliebtesten Einnahmeformen, deswegen werden viele Wirkstoffe in der Darreichungsform „Tablette“ angeboten. In der Regel sind die enthaltenen Wirkstoffe und die Trägersubstanzen weißes Pulver. Deswegen sind auch viele Tabletten einfach weiß. Doch gerade hier lauert für den Patienten eine große Gesundheitsgefahr: Er kann Medikament schnell verwechseln. Obwohl sich in der Regel die Packung unterscheidet und auch die Tablettenform, die Tablettengröße und die Prägung immer anders ist, sehen sich Tabletten auf den ersten Blick dennoch oftmals sehr ähnlich. Gerade ältere Patienten müssen mit Seheinschränkungen leben, d. h. sie können ein in die Tablette geprägtes Herstellerlogo oder die Bruchkante nicht besonders gut erkennen.

 

Verringerung der Verwechslungsgefahr: Daher sind manche Tabletten farbig

Genau hier setzt die Tablettenfarbe an, denn bunt eingefärbte Tabletten können leichter auseinander gehalten und somit das Risiko einer Verwechslung deutlich minimiert werden. Für die Hersteller ist dies in der Regel nur eine kleine Mühe, denn die Farbstoffe für die Tabletten können einfach mit unter das Wirkstoff-Pulver gemischt werden. Anschließend wird die Tablette in der Produktionsstrecke in Form gepresst. Fertig!

Ist dies nicht möglich, kann die Tablette auch zusätzlich mit einer gefärbten Hülle überzogen werden. Gerade bei Dragees oder Filmtabletten greifen die Arzneimittel-Hersteller gern auf diese Variante zurück. Die Hülle bietet darüberhinaus noch einen weiteren praktischen Nutzen. Sie schützt lichtempfindliche Wirkstoffe.

 

 

Für die Wirkung selbst ist die Farbe der Tablette im Grunde genommen irrelevant. Jedoch ist sie für die Therapietreue der Patienten enorm wichtig. Viele Patienten sind völlig zurecht verunsichert, wenn ihre gewohnten Tabletten plötzlich anders aussehen. Die Verunsicherung kann sogar so weit gehen, dass die Patienten die Tabletten nicht mehr einnehmen. Diese Problematik ist auch den Herstellern bekannt. Sie versuchen daher, die Optik etablierter Tabletten nicht mehr zu verändern.

Ärzte müssen diesen psychologischen Effekt im Hinterkopf haben, wenn Sie ihren Patienten wirkstoffgleiche Generika verschreiben und so medikamentös etwas umstellen. Hier kann es zu Irritationen beim Patienten kommen, wenn die Generika-Tabletten plötzlich eine andere Form und Farbe haben.

 

Tablettenfarbe als Wirkverstärker

Das Thema „Tablettenfarbe“ hat mittlerweile auch die Marketing- und Entwicklungsabteilungen der Pharmakonzerne erreicht. Studien gelang der Nachweis, dass die richtige Tablettenfarbe auch einen psychologischen Effekt hat und somit die therapeutische Wirkung des Medikaments unterstützt werden kann.

Jedoch ist auch der Umkehrschluss wichtig: Demnach haben falsch eingefärbte Tabletten unter Umständen keine Chance, ihre Wirkung so gut zu entfalten, wie sie eigentlich könnten. Bei den Studien zur Tablettenfarbe wurden Placebos genutzt. Die Scheinmedikamente unterschieden sich lediglich in ihrer Farbgebung. Es stellte sich heraus, dass grün die Wirkung von Beruhigungsmitteln verstärkt. Rot und orange sind dagegen gut geeignete Farben für Antidepressiva.

Die Marketing-Abteilungen der Hersteller wollen beim Medikamentendesign mitreden und nehmen daher auch bei der Form und Farbe von Tabletten Einfluss auf die Gestaltung. Sie nutzen hier alle Möglichkeiten, um sich von der Konkurrenz so weit wie möglich abzuheben und darüber einen sogenannten Unique Selling Point zu generieren. In puncto Marketing ist dem amerikanischen Herstelle Pfizer mit Viagra ein großer Coup gelungen. Fast jeder denkt bei einer hellblauen, rautenförmigen Pille unwillkürlich an das Potenzmittel.

 

Der Tipp von familien-gesundheit.de

Finger weg von unbekannten Medikamenten

Mussten Sie das Präparat wechseln und sind deswegen unsicher, ob es sich jetzt um die richtige Tablette handelt oder finden Sie im Haus Tabletten, die Sie nicht eindeutig zuordnen können, dann gilt höchste Vorsicht! Gehen Sie sicherheitshalber zum Apotheker Ihres Vertrauens vor Ort. Er kann auf spezielle Nachschlagewerke und Kataloge zurückgreifen und so die Medikamente eindeutig bestimmen. Ist die Identifikation des Präparats gelungen, können im nächsten Schritt die zulässigen Indikationen abgeglichen werden. Auch wird der Apotheker über Risiken und Nebenwirkungen aufklären sowie Hinweise zur richtigen Einnahme geben.

Bitte nehmen Sie niemals Medikamente ein, bei denen Sie nicht zu 100 Prozent sicher sind. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken!

Disclaimer
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