Embryonenforschung: Neue Zelllinien begehrt

Bericht bestätigt forschungsfreundliche Arbeit der Zentralen Ethik-Kommission

Im internationalen Vergleich hat sich die Forschung mit humanen, embryonalen Stammzellen in Deutschland gut entwickelt – trotz des nicht unumstrittenem Stammzellgesetzes. Die Bundesregierung zieht in ihrem jetzt vorgelegten siebten Erfahrungsbericht für die Jahre 2014/2015 eine positive Bilanz. Der potenzielle Nutzen der Stammzellen im Hinblick auf neue Therapiekonzepte und Wirkstoffe hätte sich weiter konkretisiert.

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Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist in Deutschland durch das Stammzellgesetz (STG) streng reglementiert. Neue Zelllinien müssen aus dem Ausland eingeführt werden. Die Genehmigung dafür erteilt die Zentrale Ethik-Kommission für Stammzellenforschung (ZES). Meist stammen die Zelllinien aus überzähligen Embryonen, die bei der künstlichen Befruchtung entstehen. Da bei der Gewinnung der Stammzellen der Embryo zerstört wird, schützt das deutsche Embryonenschutzgesetz die Embryonen eigentlich vor diesem Zugriff. Jedoch soll das Stammzellgesetz sicherstellen, dass die deutsche Stammzellforschung im internationalen Vergleich Schritt halten kann. Deswegen sind unter bestimmten Bedingungen Einfuhren von Zelllinien erlaubt.

 

Das 2002 verabschiedete Stammzellgesetz (STG) verbietet in Deutschland die Forschung an menschlichen Embryonen. Nur in Ausnahmefällen dürfen embryonale Stammzellen importiert werden. Die Genehmigung dafür erteilt die Zentrale Ethik-Kommission für Stammzellenforschung (ZES), die zum Robert Koch Institut (RKI) gehört.

Der jährliche vorgelegte Bericht der Bundesregierung gibt Einblicke in die Entscheidungspraxis der ZES.

 

Importe für neue Zelllinien genehmigt

Demnach genehmigte die Zentrale Ethik-Kommission im betrachteten Zeitraum, also in den Jahren 2014 und 2015, 17 Anträge für neue Importe. Seit Juli 2002 stiegt damit die Zahl der gestatteten Importe von humanen embryonalen Stammzellen auf insgesamt 105 an.

Im Moment arbeiten in ganz Deutschland 75 Arbeitsgruppen mit diesen Zelllinien. Die Arbeitsgruppen forschen in 53 Forschungseinrichtungen. In keinem seit 2002 dokumentierten Fall scheiterte der Import an formalen Gründen.

 

Forschung an embryonalen Stammzellen nur bei hochrangigen Forschungszielen erlaubt

Das Stammzellengesetz sieht vor, dass die Einfuhr von humanen embryonalen Stammzellen nur erlaubt sei, wenn das angegebene Forschungsziel hochranging ist und sich der angestrebte Erkenntnisgewinn nicht anders als durch die Verwendung der humanen embryonalen Stammzellen erreichen lässt. Der vorgelegte Bericht zeigt, dass die Zentrale Ethikkommission das Gesetz forschungsfreundlich interpretiert und umsetzt.

2008 erfolgte eine Novellierung des Stammzellgesetzes, die nicht unumstritten war. Seit der Novelle dürfen auch Stammzelllinien in Deutschland verwendet werden, die vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden. Zuvor war der Stichtag auf den 1. Januar 2002 festgelegt.

 

Neue Zelllinien für die Forschung

Zwei Drittel der laufenden Forschungsprojekte, die auf humane embryonale Stammzellen zurückgreifen, arbeiten mit den sogenannten „neuen Zelllinien“. Drei Viertel der erteilten Genehmigung im Berichtszeitraum entfallen auf diese Zelllinien.

Die Bundesregierung kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass das Stammzellgesetz in Deutschland die Forschung an einer Zukunftstechnologie ermöglicht und gleichzeitig den durch das Embryonenschutzgesetz garantierten Schutz des menschlichen Lebens sicherstellt.

 

Offener Brief fordert Lockerungen für die Stammzellenforscher

Das jedoch hindert deutsche Wissenschaftler nicht daran, laut zu fordern, dass die strengen rechtlichen Vorgaben in Deutschland gelockert werden müssten. So plädieren elf Wissenschaftler von der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina, in einem offenen Brief dafür, die Forschung an „verwaisten“ Embryonen freizugeben. Diese Embryonen bleiben nach der künstlichen Befruchtung übrig, weil sie nicht in den Uterus der Frau eingesetzt werden und die Familie nach der Geburt des Geschwisterkindes keinen weiteren Familienzuwachs plant. Bislang müssen diese Embryonen vernichtet werden, doch das fällt vielen Eltern schwer. Nur in wenigen Regionen Deutschlands können sie per Embryonenspende zur „Adoption freigegeben werden“ und somit einer anderen Familie bei der Erfüllung des Kinderwunsches helfen.

 

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