Einsamkeit im Alter muss nicht sein

Wege aus dem Alleinsein

„Der Herbst des Lebens“ – So schön umschreibt die Poesie das Älterwerden. Dieser Lebensabschnitt des Altwerdens birgt viele schöne Momente – zur Ruhe kommen nach jahrelangem Arbeiten, Zeit für sich nehmen, schöne Momente mit den Kindern und Enkelkindern verbringen. Doch das Alter hat auch seine Schattenseiten und kann uns Vieles nehmen – Verlust des Lebenspartners bzw. der Lebenspartnerin und unserer Gesundheit. Das Risiko zu erkranken, erhöht sich mit der Zahl der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen, lässt uns weniger mobil sein und gelegentlich bricht der Kontakt zu Kindern und Enkelkindern ab. Wenn sich dann auch die sozialen Kontakte zu Freunden und Bekannten verringern, droht Vereinsamung. Einsamkeit im Alter ist ein Thema, das uns alle angeht.

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Einsamkeit kann sich im Alter auf die Seele legen – ganz ähnlich wie ein undurchdringlicher Herbstnebel über die Landschaft. Doch es gibt viele Wege, die aus dem Gefühl des Alleinseins herausführen. Die Redaktion von familien-gesundheit.de zeigt Ihnen die Gefahren des Alleinseins auf und gibt viele Tipps, wie Sie der Einsamkeit im Alter aktiv begegnen können.

 

Älterwerden in der heutigen Gesellschaft

Der demografische Wandel einer immer älterwerdenden Gesellschaft ist in aller Munde. Vor rund 100 Jahren betrug die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen noch 63 Jahre und für Männer 60 Jahre. Heutzutage liegt die Lebenserwartung weitaus höher und zwar bei 88 Jahre für Frauen und 84 Jahre für Männer. Frauen haben also im Durchschnitt eine längere Lebenserwartung als Männer. Der medizinische Fortschritt ermöglicht uns heute, im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, ein durchaus gesünderes Älterwerden. So sehen Experten, die Zeitspanne zwischen dem 65. Lebensjahr und dem 75. Lebensjahr als „geschenktes Jahrzehnt“.

Gesundheit, Mobilität, geistige Vitalität, Neues ausprobieren – auch das kann Altwerden bedeuten. Natürlich können wir uns nicht aussuchen, ob wir gesund bleiben oder nicht, aber wir können selbst einiges dafür tun und so auch, der Einsamkeit im Alter gezielt entgegenwirken. Gesund sein und es auch bleiben, nimmt daher im Alter einen wichtigen Stellenwert ein. Gesunde Senioren sind nämlich rüstige Senioren, die sich ihre Aktivitäten und soziale Interaktionen bewusst suchen – sei es beim Tanztee, beim Reisevortrag oder beim Malkurs in der Volkshochschule. Manche lassen sich auch als Leihoma bzw. Leihopa engagieren. Hinsichtlich der Gesundheit können diesbezüglich zwei Aspekte unterschieden werden:

  1. Die körperliche und geistige Funktions- und Leistungsfähigkeit sowie
  2. Die subjektive Gesundheit.

Der Erhalt einer körperlichen und geistigen Gesundheit während des Älterwerdens ermöglicht uns zum Beispiel, unsere Alltagsaktivitäten zu erledigen, wie beispielsweise Einkaufen gehen oder Bekannte treffen. Diese Möglichkeiten tragen maßgeblich zu einer selbstständigen Lebensführung bei.

 

Alles eine Frage der Einstellung oder was?

Bezüglich der subjektiven Gesundheit ist das Bewerten unseres Gesundheitszustandes während des Altwerdens von Bedeutung. Wie sehen wir selbst unser Alter? Wie gehen wir mit dem Älterwerden um? Manche Menschen sind körperlich oder geistig erkrankt, dennoch bewerten sie ihre subjektive Gesundheit um einiges positiver als weniger kranke Menschen. Personen, die subjektiv eine positivere Einstellung zu sich und ihrem Leben haben, beugen sich weniger ihren Gebrechen, sondern begegnen ihnen aktiv und sind möglicherweise auch weniger verzweifelt und einsam. Wissenschaftliche Studien belegen beispielsweise, dass Optimisten länger leben. Versuchen Sie daher das Glas immer halb voll zu sehen und nicht halb leer. Erfreuen Sie sich lieber an solchen Dingen, die noch funktionieren (z. B. an der Gartenarbeit) als jenen Sachen hinterherzutrauern, die nicht mehr gehen (z. B. die große Wandertour).

Eine Langzeitstudie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2017 ergab, dass die Mehrheit der älteren Bevölkerung in Deutschland generell bis ins hohe Alter mit ihrem Leben zufrieden ist. Die Studie hat weiterhin gezeigt, dass das Risiko für Einsamkeit im Alter in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen hat. Nur wenige Menschen im mittleren und hohen Alter fühlen sich einsam. Erst im sehr hohen Alter kommt es zu einem Anstieg der Einsamkeit, bei Frauen etwas stärker als bei Männern.

Entsprechen die Ergebnisse dieser Studie der Wirklichkeit? Andere Studien aus anderen Ländern berichten das Gegenteil. Wie sieht es bei Ihnen aus: Fühlen Sie sich einsam? Falls Sie diese Frage mit „ja“ beantworten, dann handeln Sie! Denn Einsamkeit und soziale Isolation im Alter können das Risiko für einen schlechteren Gesundheitszustand erhöhen und die Sterblichkeitsrate steigen lassen.

Alt und allein – was kann ich dagegen tun?

Tipps gegen die Einsamkeit im Alter

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich Einsamkeit im Alter begegnen lässt und Betroffene wieder mehr soziale Kontakte erleben können.

  • Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht und Freude bereitet.
  • Suchen Sie nach sinnstiftenden Tätigkeiten (z. B. ein Ehrenamt) oder Hobbies (z. B. eine neue Sprache lernen).
  • Übernehmen Sie Verantwortung für etwas oder für jemanden (z. B. unterstützen sie Kinder beim Lesen; gründen Sie einen Lesezirkel oder Ähnliches).
  • Schließen Sie sich sozialen Gruppen oder Projekten an.
  • Engagieren Sie sich im Seniorenbeirat Ihrer Gemeinde.
  • Seien sie offen und interessiert für Neues.
  • Teilen Sie Ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten. (z. B. geben Sie Kochseminare).
  • Bieten Sie Ihre Hilfe in der Nachbarschaft an (z. B. Gartenpflege, Hilfe bei Upcycling-Projekten, …).
  • Laden Sie Gleichgesinnte zu sich ein.
  • Pflegen Sie die verbliebenen soziale Kontakte (Stichwort: Kaffeekränzchen).
  • Besuchen Sie einen Volkshochschulkurs.
  • Gehen Sie regelmäßig an die frische Luft, ins Fitnessstudio oder ins Schwimmbad. (Aquajogging ist beispielsweise besonders gut für Senioren geeignet.).
  • Bewegen Sie sich, so gut es geht und versuchen Sie, ihre Alltagsaktivitäten selbst zu erledigen.
  • Schließen Sie sich einem Mehrgenerationenhaus an.
  • Lassen Sie sich helfen.

Sie müssen nicht alle Punkte auf einmal angehen. Suchen Sie sich zunächst ein oder zwei Aspekte heraus und probieren Sie so Schritt für Schritt die ersten Hilfe-Maßnahmen gegen die Einsamkeit im Alter aus.

 

Des Weiteren gibt es auch Projekte und Initiativen, die sich der Teilhabe und der sozialen Einbindung im Alter verschrieben haben. Darunter sind u. a.:

  • Silbernetz oder Deutsches Seniorenportal (ehemals Seniorentreff)
  • Körber-Stiftung: Konzept gegen die Einsamkeit im Alter – Was Städte tun können, um Einsamkeit ihrer alternden Bevölkerung vorzubeugen (Körber-Stiftung)
  • Malteser: Einsamkeit im Alter: Zurück ins Leben finden – Besuchs- und Begleitdienst der Malteser

 

Wie Sie sehen, gibt es viele Möglichkeiten, Einsamkeit im Alter zu verringern und weniger allein zu sein. Manche der oben genannten Vorschläge sind konkret, andere beziehen sich auf ihre Einstellung gegenüber dem Altwerden. Wichtig ist nur, den ersten Schritt zu tun. Akzeptieren Sie das Älterwerden und sehen Sie bewusst die Chancen, die diese Lebensphase auch bietet.  Älterwerden heißt nicht per se, weniger körperlich oder geistig aktiv zu sein. Aber es sind in Regel Umstellungen im Vergleich mit jüngeren Jahren nötig. Und auch diese Veränderungen heißt es, für sich selbst anzunehmen.

Der Herbst des Lebens bietet viele Chancen, Versäumtes nachzuholen. Werden Sie aktiv und nutzen Sie die Möglichkeiten. Ganz nebenbei begegnen Sie so aktiv der Gefahr von Einsamkeit im Alter!

Disclaimer
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