DIY: Spitzwegerich-Sirup selber machen

Der beste Hustensaft der Welt kommt aus der eigenen Küche

Früher auf dem Land gab es wenig. Moderne Krankenhäuser, ausgebildete Ärzte … alles Fehlanzeige. Mit etwas Glück kam alle halbe Jahre ein Buckelapotheker vorbei und der Schmied verstand sich auch aufs Zähne-Ziehen. Doch auch damals wurden die Menschen krank. Husten, Schnupfen und Erkältungen waren gang und gäbe. Die alte Volksmedizin kannte noch die Pflanzen und Kräuter, die gegen fast jedes Leid gewachsen sind. Dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben und geht leider heutzutage mehr und mehr verloren. Oder haben Sie noch einen selbstgemachten Spitzwegerich-Sirup als Hustensaft im Haus? Früher fand sich der Sirup aus den Blättern des Spitzwegerichs in jedem Haushalt, denn er half prima bei Erkrankungen der Atemwege.

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Selbstgemachter Spitzwegerich-Sirup ist als Hausmittel gegen Husten und damit als Alternative zum Hustensaft aus der Apotheke in Vergessenheit geraten. Wir sollten wieder öfters auf das Kräuterwissen unserer Vorfahren zurückgreifen – auch weil sich der Sirup einfach und chemische Zusatzstoffe selbst zubereiten lässt.

 

Omas Hausmittel ist bis in die Gegenwart eine Geheimwaffe gegen Husten, deren Wirkung sogar von der modernen Medizin bestätigt wurde. So findet sich Spitzwegerich bis heute in fast allen Husten- und Bronchialtees als unverzichtbare Grundzutat, denn die Arzneipflanze enthält wichtige Wirkstoffe wie Gerb- und Bitterstoffe, aber auch Schleimstoffe, Vitamin C und viele wertvolle Flavonoide.

Spitzwegerich-Sirup lässt sich ganz einfach selber machen. Wer es einmal ausprobiert hat, wird den Hustensaft nie wieder missen wollen!

 

Selbstgemachter Spitzwegerich-Sirup: Der ideale Hustensaft

Wahrscheinlich hatte früher jede Familie ihr ganz eigenes Rezept für den Spitzwegerich-Sirup. Mal ganz pur nur mit Zucker und Spitzwegerich-Blättern, mal kam Honig mit hinein und mal Zitrone dazu. Die Grundzutat jedoch ist immer gleich: Man benötigt vor allem Spitzwegerich-Blätter.

Wir stellen hier zwei verschiedene Methoden für den selbstgemachten Spitzwegerich-Sirup vor: einmal eine „Sommervariante“ mit frischen Blättern und einmal eine „Wintervariante“ mit getrockneten Blättern.

 

 

Spitzwegerich-Sirup selber machen: Hustensaft aus frischen Spitzwegerichblättern

Zutaten

  • 250 g Spitzwegerich-Blätter (zwei bis drei große Hände voll)
  • 600 g Zucker (Es funktioniert sowohl mit normalem Kristallzucker, als auch mit braunem Rohrzucker)
  • 200 g Bienenhonig vom Imker des Vertrauens
  • 1 kleine Zitrone sowie 12 g Zitronensäure
  • 300 ml abgekochtes Wasser
  • 1 großes Schraubglas (Volumen mind. 1 Liter)

Der als Hustensaft angesetzte selbstgemachte Spitzwegerich-Sirup wird in zwei Etappen hergestellt.

 

Etappe 1: Vorbereitung der Spitzwegerich-Blätter für den Hustensaft

Zunächst müssen Sie genügend Spitzwegerich-Blätter sammeln. Sie benötigen mindestens zwei bis drei große Hände voll. Die Blätter sollten jung und sauber sein. Die ideale Zeit zum Sammeln ist Ende Mai bis zum Johannisfest im Juni, denn der Spitzwegerich darf noch nicht geblüht haben, um seine volle Wirkung entfalten zu können.

Sammeln Sie die Blätter bitte nicht auf intensiv genutzten Weiden oder am Straßenrand. Bevorzugen Sie lieber eine abgelegene Waldwiese. Sind die Blätter zu schmutzig, werden sie vor der Weiterverarbeitung vorsichtig mit kaltem, klarem Wasser abgespült und zwischen zwei Geschirrtüchern kurz trockengetupft.

Danach müssen die Blätter quer zu den Rippen kleingeschnitten werden – je feiner, desto besser. In einem Mörser können Sie die zerteilten Blätter kurz andrücken, damit die Strukturen aufgebrochen werden und die Pflanzensäfte besser austreten können.

Die kleingeschnittenen Blätter werden nun abwechselnd mit Zucker in ein großes, festverschließbares Glas gegeben. Beginnen Sie mit einer Lage Spitzwegerichblätter. Sie sollte nicht dicker als 1 Zentimeter sein. Die Spitzwegerichblätter werden nun mit Zucker gut abgedeckt. Bevor die nächste Schicht eingefüllt wird, muss alles gut mit einem Löffel festgedrückt werden – zum einen um mehr in das Glas hineinfüllen zu können, zum anderen, um die Luft herauszudrücken. Sie wird für die spätere Fermentation nicht benötigt.

Ist das Glas voll, sollte als oberste Schicht nochmals der Zucker so eingefüllt werden, dass nichts mehr von den Spitzwegerichblättern zu sehen ist. Nun wird das Glas fest verschlossen und an einen dunklen Ort gestellt. Der Keller oder die Vorratskammer sind dafür ideal. In manchen Familien wurde das Glas auch im Garten ca. 50 Zentimeter tief eingegraben. Nun heißt es warten, denn der Zucker muss den Pflanzensaft langsam aus den Spitzwegerichblättern ziehen, damit der Spitzwegerich-Sirup entstehen kann. Haben Sie Geduld, der Prozess dauert mehrere Wochen.

 

Etappe 2: Vollendung des selbstgemachten Spitzwegerich-Sirups

Nach rund zwei bis drei Monaten folgt dann der zweite Schritt. Das Spitzwegerich-Sirup-Glas wird geöffnet und in ein Wasserbad gestellt. Dort sollte es vorsichtig erwärmt werden, bis eine Temperatur von 40 °C erreicht ist. Nun den Honig und den ausgepressten Zitronensaft hinzufügen und alles gut miteinander vermengen. Bitte nicht stärker erwärmen, weil sonst die guten Inhaltsstoffe aus Zitrone und Honig zerstört würden.

Parallel dazu das restliche Wasser zum Kochen bringen und darin die Citronensäure auflösen. Das Wasser auf rund 60 °C wieder abkühlen lassen und nun zum Honig-Zitronen-Spitzwegerich-Sirup-Gemisch geben. Sie müssen nun alles so lange miteinander verrühren, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Wenn beim Umrühren wirklich nichts mehr knirscht, ist der selbstgemachte Spitzwegerich-Sirup fast fertig.

Im vorletzten Schritt wird alles durch ein Sieb abgeseiht und so die kleingeschnittenen Spitzwegerichblätter herausgefiltert. Am Schluss füllen Sie den selbstgemachten Spitzwegerich-Sirup in kleine, zuvor sterilisierte Fläschchen ab. Bitte hier die Beschriftung nicht vergessen und auf dem Etikett das Abfülldatum mit notieren. Die Flaschen sollten dunkel und kühl gelagert werden. Sie sind dann für mehrere Monate haltbar. Einmal angebrochene Flaschen gehören in den Kühlschrank.

 

Spitzwegerich-Sirup selber machen: Hustensaft aus getrockneten Spitzwegerichblättern

Zutaten:

  • 25 Gramm getrocknete Spitzwegerich-Blätter
  • 500 ml Wasser
  • 175 ml Honig (am besten Waldhonig)

 

Die Spitzwegerich-Blätter kommen in einen Topf und werden mit dem kalten Wasser aufgegossen. Nun alles miteinander zum Kochen bringen und rund 1 Minute sprudelnd kochen lassen. Der Spitzwegerich-Tee muss anschließend rund 30 Minuten ziehen.

Für die Weiterverarbeitung zum Hustensaft wird der Tee nun mithilfe eines Siebs abgeseiht. Den aufgefangenen Sud bringen Sie erneut zum Kochen und lassen ihn um die Hälfte einkochen.

Die Spitzwegerich-Reduktion muss nun abkühlen, bevor der Honig hinzugefügt werden kann. Für alle die kein Küchenthermometer zur Hand haben ein kleiner Tipp: Die erforderliche Temperatur von rund 40 °C ist erreicht, wenn sich der Topf gut handwarm anfühlt und problemlos angefasst werden kann.

Honig und Spitzwegerich-Reduktion müssen gut miteinander verrührt werden, bevor der Spitzwegerich-Sirup in kleine Flaschen abgefüllt werden kann. Auch diese Variante für einen Hustensaft aus Spitzwegerich sollte kühl gelagert werden.

 

Egal für welche Variante Sie sich entscheiden: Vor der Einnahme des selbstgemachten Hustensafts muss die Flasche immer gut durchgeschüttelt werden, da es sich um ein Naturprodukt handelt. Bei leichtem Husten können Kleinkinder im Alter von ein bis drei Jahren dreimal täglich einen halben Teelöffel Spitzwegerich-Sirup bekommen. Für Kinder ab drei Jahren wird die Dosierung auf dreimal täglich einen Teelöffel erhöht. Erwachsene sollten drei- bis fünfmal täglich einen Esslöffel des Spitzwegerich-Hustensaftes einnehmen. Verschwinden die Beschwerden trotz des Hausmittels nicht innerhalb von drei bis fünf Tagen oder verschlimmern sich sogar noch, so ist unbedingt ein Arzt zu konsultieren, um schlimmere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung auszuschließen.

 

Disclaimer
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